Leitfaden

Goldene Regeln

(1) Für Erwachsene planen

Eine scheinbare Selbstverständlichkeit, aber: Die Zielgruppe ist volljährig! Fragen der Aufsichtspflicht fallen weg, jeder ist für sein/ihr Tun verantwortlich und in seinen/ihren Entscheidungen frei. Junge Erwachsene wollen als Teilnehmer nicht in erster Linie wieder etwas für andere planen und vorbereiten. Die Angebote können auch eine Art Belohnung für ihr langjähriges Engagement im Ehrenamt darstellen.

(2) Mobilität nutzen

Junge Erwachsene sind mobil und finanziell unabhängiger als Kinder und Jugendliche. Anlaufpunkt muss also nicht das Pfarrhaus aus den Sechzigern vor Ort sein. Ungewöhnliche, herausfordernde oder auch gemütliche neue Orte können auch Anreiz sein, zu einem Treffen zu kommen. Die Nutzung moderner Medien bei der Bewerbung der Veranstaltungen ist ebenso ein Muss!

(3) Projektorientiert und flexibel arbeiten

Die Lebensphase der jungen Erwachsenen zeichnet sich durch viele Umbrüche aus, nicht alle können oder wollen auf Monate oder Jahre im Voraus planen, das gilt auch für die Teilnahme an wiederkehrenden Veranstaltungsformaten. Veranstaltungen sollten einen konkreten Zeitrahmen einhalten oder es sollte eine flexible Teilnahme ohne Rechtfertigungsdruck bei Fehlen möglich sein.

(4) Verband statt Struktur

Junge Erwachsene sollen den Verband (wieder) erleben, nicht den örtlichen Vorstand stellen. Mittelpunkt der Veranstaltungen muss das gemeinsame Erlebnis, die Erfahrung der Gemeinschaft und das gute Miteinander sein. Die Veranstaltung darf kein Mittel zum Zweck zur Besetzung von Posten und Ämtern werden.

(5) Die Angebote der Zeit sehen

Junge Erwachsene können zwischen einer Vielzahl ansprechender Angebote wählen, entsprechend sind auch ihre Ansprüche. Daher ist im Vorfeld, idealerweise im Gespräch mit Vertretern der Altersgruppe, zu überlegen, welche Angebote und Formate den Lebensumständen der Zielgruppe wirklich gerecht werden. Formate mit Eventcharakter am Wochenende sind häufig ansprechender als wiederkehrende Termine an Werktagen.

Und wenn es (erst mal) nicht läuft?

Neue Angebote zu etablieren braucht einen langen Atem. Die Verantwortlichen brauchen zum einen weiterhin Unterstützung personeller und finanzieller Art, um zum einen ein verlässliches Angebot zu bieten, zum anderen auch die Chance, auszuprobieren, welche Veranstaltungen, Formate und Angebote die richtigen sind. Halten das Angebot, die zeitliche Planung und die Öffentlichkeitsarbeit kritischer Prüfung stand und es kommt trotzdem „nur“ ein kleines Grüppchen – fragt sie, warum sie kommen und baut darauf auf! Und wenn diese Teilnehmenden sich ernst genommen fühlen und nicht jedes Mal hören, wie schade es ist, dass sonst keiner da ist, tut ihre Mundpropaganda bestenfalls ihr Übriges.


Die Gruppe der Jungen Erwachsenen ist, trotz der genannten Gemeinsamkeiten, eine sehr diverse und gleichzeitig sehr anspruchsvolle Gruppe. Das allgemeingültige Rezept für eine gelingende zielgruppengerichtete Arbeit kann es also nicht geben. Dieser Leitfaden stellt vielmehr Fragen, deren Beantwortung helfen kann, für die jeweilige Situation und Zielgruppe das passendste Angebot auszuwählen. Dass es geht, zeigen darüber hinaus Beispiele aus der Praxis, die als unverzichtbare Ergänzung zu diesem Leitfaden zu sehen sind und ganz konkrete Umsetzungsmöglichkeiten in Bezug auf die Wahl von Thema, Ort, Zeitpunkt und Bewerbung geben.

Wer soll angesprochen werden?

Auszubildende, Studenten, junge Berufstätige, ehemalige Jugendleiter*innen/Gruppenkinder/Zeltlagerteilnehmende, "Fernstehende", Einzelpersonen oder Paare, gezielze Milieus oder jemand ganz anderes? Eine Fokussierung hilft, die Veranstaltung zu konzipieren und zielgerichtet bewerben zu können.
Außerdem ist es häufig sinnvoll, eine klare Altersbegrenzung für die Teilnehmenden zu benennen, beispielsweise 18-35 Jahre. Auch wenn damit die Lebensphase Junger Erwachsener nicht abschließend definiert ist, stellt es für die Jungen Erwachsenen sicher, dass sie bei den Angeboten nicht auf ihre Elterngeneration, sondern auf andere junge Leute in einer ähnlichen Lebenssituation treffen.

Wer ist verantwortlich?

Bei einem Neustart ist es hilfreich, durch konkrete Verantwortliche sicherzustellen, dass die Veranstaltung / das Projekt für einen festgelegten Zeitraum auch wirklich angeboten werden kann. Zwar ist die Zielgruppe alt genug, auch selbst an der Organisation beteiligt zu werden, dies fordert jedoch direkt wieder eine verbindliche Verpflichtung und ist mit entsprechendem Aufwand verbunden. Jungen Erwachsenen sollte die Gelegenheit gegeben werden, auch einfach einmal Teilnehmer ohne Verantwortung am Gelingen einer Veranstaltung zu sein. Den Verantwortlichen wiederum ist von Seiten des Vorstandes zuzusichern, dass auch bei einem schleppenden Anlaufen die FInanzierung und die personelle Unterstützung zunächst weiter mitgetragen werden.

Wer kann uns helfen?

Das Rad muss nicht neu erfunden werden, in vielen Bistümern und Fachstellen gibt es Ansprechpartner für die Arbeit mit Jungen Erwachsenen, auch der BDKJ oder andere Jugendverbände können hilfreiche Ideengeber sein. Auch innerverbandlich gibt es viele gelungene Beispiele aus der Arbeit mit JUngen Erwachsenen und mögliche Kontaktpersonen. Selbstverständlich können auch Junge Erwachsene selbst angesprochen werden, ob sie bereit sind, mit entsprechender Unterstützung mitzuhelfen, ein neues Projekt in die Tat umzusetzen.

Wie soll ein Angebot gestaltet sein?

Inhaltlich werden Junge Erwachsene einerseits insbesondere von Veranstaltungen mit Eventcharakter angesprochen, die beispielsweise Erholung und Entspannung, Meditation, Musik, Sport und Natur bieten, idealerweise am Wochenende und als Ausgleich zu Beruf und den Verpflichtungen des Alltags. Andererseits sind aber auch Veranstaltungen attraktiv, die konkrete Angebote zur professionellen Weiterentwicklung zum Beispiel im Bereich Rhetorik und Kommunikation bieten.
Ist ein inhaltlicher Schwerpunkt gesetzt, geht es um die konkrete Umsetzung:

Geht es um ein einmaliges Angebot, eine Veranstaltungsreihe mit rotem Faden oder eine Fahrt?
Wie docken wir damit an die Lebenswelt von Jungen Erwachsenen an? Wie explizit soll sich das Angebot auf Kolping beziehen, welche Rolle spielen religiöse und spirituelle Elemente?

Welche Angebote sind fest geplant, welche optional? (beispielsweise das Angebot, bei einer selbstorganisierten zweiten Übernachtung nach einer Veranstaltung mit Ortskundigen noch ein zwangloses Abendprogramm, ein gemeinsames Frühstück o.ä. wahrzunehmen).

Wo soll das Angebot stattfinden?

Der Veranstaltungsort will bewusst gewählt sein - vielleicht ist der Pfarrsaal mit seiner Einrichtung nicht der Ort, an dem sich ein junger Erwachsener gern aufhält? Stattdessen darf man bei der Suche navh einer geeigneten Lokalität kreativ werden (Café, Szene-Kneipe, Natur, ...). Vielleicht gibt der Ort ja auch Impulse über die man inhaltlich ins Tun oder ins Gespräch kommen kann. Bei der Unterbringung für Übernachtungen ist gut zu überlegen, ob die klassischen Häuser der (Jugend)Verbandsarbeit die Zielgruppe noch ansprechen, oder die Zeit der Sechsbettzimmer nicht vorbei ist.

Sollen gezielt ehemalige Teilnehmende an Gruppenstunden oder anderen verbandlichen Veranstaltungen angeboten werden, gibt es unter Umständen besondere Orte, die diese Zielgruppe auch heute noch ansprechen und die zur Begegnung mit „alten Bekannten“ einladen, beispielsweise ein erstes Treffen bewusst im alten Gruppenraum, verbunden mit Stöbern in den alten Kisten und Fotosammlungen.

Wie bewerben wir das Angebot?

Es muss auf den ersten Blick deutlich werden, was der/die Einzelne davon hat, wenn er oder sie teilnimmt. Die Wahl der Bildsprache sollte mit Bedacht gewählt sein: Fotos von Bannern, Workshoparbeit mit buntem Moderationsmaterial und von Gottesdiensten sind vielleicht innerverbandlich wirksam, besser geeignet sind jedoch Bilder „aus der Aktion heraus“.

Generell ist Mund-zu-Mund-Werbung in der Gruppe der Jungen Erwachsenen die effektivste Methode, um Teilnehmende für eine Veranstaltung zu gewinnen. Für einen Neustart ist es selbstverständlich schwierig, schon vor der Veranstaltung begeisterte Teilnehmende werben zu lassen. Daher: auf elektronische und leicht „teilbare“ Werbung setzten, beispielsweise ein Bild mit den wichtigsten Informationen, dass sich über WhatsApp teilen lässt.

Allgemein ist Werbung über die passenden Sozialen Medien, auch in ggf. schon bestehenden Gruppen der Werbung über den gedruckten Flyer vorzuziehen – den Flyer lieber elektronisch zur Verfügung stellen. Auch die verbindliche Anmeldung über Mail oder WhatsApp sollte selbstverständlich sein – unsere Zielgruppe ist volljährig, es braucht im Vorfeld keine Unterschrift der Eltern mehr!

Wie finanzieren wir das Angebot?

Grundsätzlich können Kosten in der Zielgruppe der Jungen Erwachsenen auch über die Teilnehmenden abgerechnet werden. Darüber hinaus steht über die Erwachsenenbildung in vielen Gemeinden und Bistümern ein finanzielles Budget zur Verfügung, das unter anderen auch für Bildungsangebote für Junge Erwachsene genutzt werden kann. Wo neue Projekte angegangen werden, bleibt es allerdings auch nicht aus, zu investieren – die Jungen Erwachsenen sind schließlich eine Gruppe mit großem Potential für den Verband!

nach: https://jungunderwachsen.bistummainz.de/wir/starter-tipps-fuer-den--neu--anfang