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Zeitenwende

Das Kolpingwerk Deutschland sieht die Corona-Pandemie als epochalen Einschnitt und fordert ein Umdenken in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Angesichts der Corona-Pandemie und ihrer gravierenden Auswirkungen meldet sich der Bundesvorstand des Kolpingwerkes in einem dringenden Appell zu Wort. Darin wird festgestellt, dass die Corona-Pandemie einen epochalen Einschnitt darstellt, der globale, europäische und nationale Herausforderungen mit sich bringt. Daher bedarf es eines tiefgreifenden Umdenkens und mutigen Handelns, um eine Zeitenwende herbeizuführen.

Die Pandemie ist die Gelegenheit, bisherige Wirtschaftspolitik kritisch zu überdenken und neue Ziele zu setzen, um Deutschland und Europa handlungsfähig und krisenfester aufzustellen. Hierzu müssen gewaltige Initiativen ergriffen und Anstrengungen unternommen werden – nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch auf europäischer und internationaler Ebene. Dazu gehört der Ausbau der Entwicklungszusammenarbeit genauso wie ein dauerhafter Krisenmechanismus auf europäischer Ebene.

Neben dem vorrangigen Ziel der vergangenen Monate – der Sicherung der allgemeinen Gesundheit – sieht sich die Gesellschaft zunehmend mit den gravierenden Folgen eines wochenlangen Lockdowns konfrontiert. Dies hat wiederum Auswirkungen auf den deutschen Wohlfahrtsstaat. Kurzfristig greifende Instrumente wie das Kurzarbeitergeld und Überbrückungskredite für Betriebe und Unternehmen bieten vorübergehend ein Sicherheitsnetz und schützen damit vor einem tiefen Fall in finanzielle Not. Langfristig wird allerdings nur die Rückkehr zu völliger wirtschaftlicher Aktivität das Wohlstandniveau sichern können.

Eine Debatte über das bestehende Wirtschaftssystem muss auch die Förderpraxis von Nationalstaaten und der Europäischen Union in den Blick nehmen. Primäre Kategorien müssen Nachhaltigkeit, Natur- und Klimaschutz genauso sein wie die Orientierung an einer sozialeren und gerechteren Gesellschaft. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass vor dem Hintergrund der aktuell entstandenen Schuldenlast nicht überproportional auf bereits bestehende Vorhaben in der Sozialpolitik, wie die Einführung einer Grundrente, und Nachhaltigkeitspolitik verzichtet wird.

Bei der Förderung müssen klein- und mittelständische Betriebe und Unternehmen im Mittelpunkt stehen, die in der gegenwärtigen Krise oftmals in ihrer Existenz bedroht sind. Dies trifft auch auf gemeinnützige Unternehmen und Organisationen aus dem Bereich der Sozialwirtschaft zu. Diese sind stark an gesellschaftlichen, kulturellen oder karitativen Belangen orientiert und bilden damit einen wesentlichen Bestandteil unserer sozialen Marktwirtschaft.

Die Pandemie zeigt: Auch unser engagiertes Handeln als Christinnen und Christen ist gefragt. Wir sind alle voneinander abhängig. Niemand kann sicher leben, ohne die Bedürfnisse und Interessen der anderen zu achten. Ungerechtigkeit und Verelendung, Armut und Hunger – wo auch immer weltweit – dürfen uns nicht gleichgültig sein.

Zur Erklärung im Wortlaut

 

Bild: Alexas_Fotos, Pixabay 

 

Am 9. September 2020 hat domradio.de zum Thema "Zeitenwende" ein Interview mit Alexander Suchomsky, Referent für Arbeitswelt und Soziales im Kolpingwerk Deutschland, geführt. Hier findest Du die Gesprächsaufzeichnung: https://www.domradio.de/node/367100