Als von Lockdown noch keine Rede war: Keine zwölf Monate ist es her, dass die Karnevalisten in Düsseldorf dem "Corona-Virus" eine lange Nase zeigten. Foto: Marian Hamacher

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Wie Kolpingsfamilien trotz Pandemie Karneval feiern können

Keine Karnevalsumzüge, keine Gala-Sitzungen: Das Corona-Virus sperrt die Narren dieses Jahr aus. Einige Kolpingsfamilien haben dennoch einen Weg gefunden, die "fünfte Jahreszeit" zu feiern.

Die Karnevalswagen des Düsseldorfer Wagenbauers Jacques Tilly sind nicht nur für ihre bissige Satire bekannt – auch für ihre aktuellen Bezüge. Kommt kurz vor dem Rosenmontagszug ein wichtiges Thema auf, ist es wahrscheinlich, dass trotzdem noch ein passender Mottowagen über die Straßen der NRW-Landeshauptstadt rollt. Und so schaffte es im vergangenen Jahr kurzfristig noch ein grimmig dreinblickender „Corona-Virus" auf den „Zoch", der sich darüber ärgert, dass ihm ein gut gelaunter „Carnevals-Virus“ eine lange Nase zeigt.

Keine zwölf Monate später ist es allerdings das Virus, das nicht nur den Jecken das Lachen raubt. Keine Karnevalssitzungen. Keine Rathausstürme. Kein Rosenmontagszug. Doch eine Session ohne Karnevalslieder und Kamelle? Dass die „fünfte Jahreszeit“ auch während einer Pandemie gefeiert werden kann, will unter anderem die Kolpingsfamilie Hückeswagen beweisen. Um Corona trotzdem eine lange Nase zeigen zu können, hat sie ihre 89. Gala-Sitzung nicht einfach ausfallen lassen, sondern verlagert. Ins Internet. Zu sehen sein wird die eineinhalb bis zweistündige Veranstaltung am Karnevalssonntag (14. Februar um 20.11 Uhr) für alle frei verfügbar auf YouTube.

Die Mitwirkenden der digitalen Gala haben ihre Beiträge bereits selbst im Homeoffice produziert und an Heinz Pohl geschickt. Der ist nicht nur Mitglied der Kolpingsfamilie, sondern arbeitet auch als Filmautor und Producer für das ARD-Morgenmagazin. Kein Wunder also, dass er die Aufgabe übernommen hat, die einzelnen Beiträge zusammenzuschneiden. Wer sehen möchte, was sich die Hückeswagener Jecken haben einfallen lassen, sollte am Karnevalssonntag den YouTube-Kanal der Kolpingsfamilie aufrufen. Veröffentlicht werden soll der direkte Link zur Veranstaltung zudem auf www.kolping-hueckeswagen.de.

„Fastnachtsbox für daheim“

Während im oberbergischen Hückeswagen (NRW) Karneval gefeiert wird, beginnt in Baden-Württemberg am 11.11. die Fastnacht. Um diese trotz Corona feiern zu können, hat sich die Kolpingfamilie Bamlach (Stadtteil von Bad Bellingen) die „Fastnachtsbox für daheim“ ausgedacht. Diese enthält all das, was für eine richtige Fastnachtsfeier benötigt wird: Je eine Flasche Wein und Mineralwasser, um sich eine Weinschorle mixen zu können, zwei Schinkenbrote und ein USB-Stick. Auf den hat die Kolpingsfamilie Höhepunkte aus insgesamt 30 Jahren Bamlacher Fastnacht gepackt. Wer die 20 Euro teure Box erwirbt, bekommt außerdem nicht nur eine Fastnachtsüberraschung, sondern darf auch an einem Foto-Wettbewerb teilnehmen. Eine Idee, die vielleicht auch andere Kolpingsfamilien noch kurzfristig umsetzen können. Die ausgewählten Künstler erhalten dann einen Anteil am Streamingpreis.

Nicht wegzudenken im Augsburger Fasching : Turamichele steigt auch 2021 vom Perlachturm

Seit vielen Jahren sind die Büttensitzungen der Kolpingsfamilie St. Ulrich und Afra ein wichtiger Bestandteil im Augsburger Fasching. Da die Akteure 2021 leider nicht auf der Bühne für ihr Publikum Spaß, Unterhaltung, Witz und politische Kritik anbringen können, haben sie ein Faschingsvideo mit Beiträgen aus den vergangenen Jahren produziert. Highlight ist das Turamichele, das mit seinem Drachen vom Perlachturm herabgestiegen ist und auch in der Corona-Pandemie die Welt- und Stadtpolitik mit Versen kommentiert. „Es ist für die Akteure und die Kolpingsfamilie eine schwere Entscheidung zum Wohle unser aller Gesundheit gewesen, auf die Vorstellungen zu verzichten“, ist auf der Homepage der Kolpingsfamilie zu lesen. In anderen Jahren unterhalten die Mitglieder der Kolpingsfamilie an sechs Abenden im Schnitt jeweils fast 120 Gäste ca. vier Stunden im Pfarrsaal von St. Ulrich & Afra mit Gardetanz, Büttenreden, Sketsch, Gesang und Musik. Jährlich unterstützt die Kolpingsfamilie auch mit dem Verkauf von selbstgebastelten Orden und mit dem Verkauf von Brezen ein soziales Projekt. So konnte zum Beispiel 2020 die Arbeit des SKM Augsburg, Kath. Verband für soziale Dienste e.V., mit 700 Euro unterstützt werden. „Wir wollen im Frühjahr eine alternative Veranstaltung anbieten“, kündigen die Faschingsmacher an. Das Video ist hier zu finden: www.kolping-sankt-ulrich.de/buettensitzungen 

Rosenmontagszug im Miniaturformat

Wer übrigens die ganz großen Namen der Karnevalsbühne vermisst, dürfte auf der Internetseite www.jeckstream.de fündig werden. Für 9,99 Euro kann dort jeder für sich oder seine Familie das Programm einer etwa 130-minütigen Sitzung zusammenstellen. Zur Auswahl stehen dabei Bands wie „Höhner“, die „Bläck Fööss“ oder „Brings“ sowie Redner wie Markus Krebs, „Klüngelköpp“ oder Volker Weininger.

Und wie sieht es mit Karnevalsumzügen aus? Die werden in diesem Jahr zwar vom grimmigen Virus ausgebremst, ganz auf sie verzichten müssen Karnevalisten jedoch nicht. In Köln setzten sich Rosenmontag die Persiflage-Wagen des Kreativ-Teams um Zugleiter Holger Kirsch trotzdem in Bewegung – allerdings im Maßstab 1:3. Losmarschieren werden in der Domstadt nämlich die Stockpuppen des berühmten Hänneschen-Theaters. Und doch soll beim „kleinen Zoch“ alles zu sehen sein, was auch beim großen Original dazugehört: Tanzgruppen, Kapellen und zum großen Finale das Kölner Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Zu sehen sein wird der Umzug im Miniaturformat am 15. Februar um 14 Uhr im WDR.