Elisabeth Adolf

Andreas W. Stellmann

Bundesebene News

Weltweiter Aktionstag für den Klimaschutz

Am 20. September 2019 werden Menschen weltweit für den Klimaschutz auf die Straße gehen. In einem Interview äußern sich dazu Elisabeth Adolf, Bundesjugendsekretärin der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland, und Andreas W. Stellmann, Leiter des Bundesfachausschusses "Verantwortung für die Eine Welt".

Mitglieder der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland und des Bundesfachausschusses "Verantwortung für die Eine Welt" haben sich am 24. August in Frankfurt getroffen und überlegt, wie sich Kolping auch mit Hinblick auf die Bewegung "Fridays for Future" aktiv für den Klimaschutz einsetzen kann. Es wurden erste konkrete Forderungen an die Bundespolitik formuliert, Forderungen an andere Zielgruppen werden folgen. Am 20. September 2019 werden weltweit Menschen für den Klimaschutz protestieren und auf die Straße gehen. Anlässlich dieses von der Bewegung "Fridays for Future" (FFF) ausgerufenenen weltweiten Aktionstages antworten Elisabeth Adolf, Bundesjugendsekretärin des Kolpingwerkes Deutschland, und Andreas W. Stellmann, Leiter des Bundesfachausschusses "Verantwortung für die Eine Welt" auf Fragen der Online-Redaktion.

Warum setzen sich Bundesfachausschuss und Kolpingjugend an einen Tisch, um Forderungen an die Bundespolitik zu formulieren?
Elisabeth Adolf:
Seit über einem Jahr gehen junge Menschen nun schon auf die Straße, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir unser Verhalten verändern müssen, wenn wir weiterhin auf einem lebenswerten Planeten leben wollen. Vor allen Dingen aber rufen sie die Politik dazu auf, jetzt zu handeln, Entscheidungen zu treffen und nicht damit zu warten, bis es zu spät ist. Es ist schon jetzt allerhöchste Zeit. Dabei ist es wichtig, dass sich alle Generationen daran beteiligen, diesen Weg zu einem bewussten Umgang mit dem Planeten und seinen Ressourcen zu gehen. Aus diesem Grund hat sich der Bundesfachausschuss gemeinsam mit der Kolpingjugend an einen Tisch gesetzt, um an den Forderungen zu arbeiten und die Sichtweise und die Erwartungen der Jugend mit aufzunehmen und zu diskutieren. Dies ist auch genau das, was die FFF-Aktivistinnen und -Aktivisten für den 20. September fordern: Eine generationenübergreifende Demonstration, an der jede und jeder teilnehmen kann und soll, um zu zeigen, dass wir für ein Thema auf die Straße gehen, das uns alle betrifft. Auch im Bundesvorstand wurde eine Erklärung zum geplanten Klimaschutzgesetz der Bundesregierung verabschiedet, in der viele Themen aufgegriffen werden, die auch in den Forderungen der Projektgruppe stecken. Die Erklärung zum Klimaschutzgesetz findest Du hier.
Andreas W. Stellmann: In den letzten Monaten stellen wir einen großen Aktionismus fest, und teilweise wird sich bei den Vorschlägen zum Klimaschutz überboten. Wir vermissen eine klare Linie und eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die gleichermaßen die ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Aspekte berücksichtigt. Diese Verantwortung sehen wir jedoch als wesentlich an und werden darin durch die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus bestärkt. Dort heißt es: "[...] unsere Schwester, Mutter Erde, [...] schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen, die Gott in sie hineingelegt hat." Und weiter schreibt Papst Franziskus: "Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?" Natur und Mensch stehen sich nicht gegenüber, sondern müssen als Einheit angesehen werden. Und genau diese Zielsetzung haben wir im Auge bei unseren Diskussionen.

Was fordert die Projektgruppe konkret?
Andreas W. Stellmann:
In unseren Forderungen an die Bundespolitik haben wir sieben Politikfelder aufgegriffen und Beispiele für eine Verbesserung des Klimas herausgearbeitet. Dies betrifft den Bereich der Energiepolitik genauso, wie die Verkehrspolitik. Gerade im letzten Bereich kann durch einen konsequenten Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) kurzfristig eine Entlastung erfolgen. Hier gilt es, die Scheuklappen beiseite zu legen und offen und ehrlich über entsprechende integrative Nahverkehrssysteme zu diskutieren bzw. vorliegende Vorschläge, wie zum Beispiel die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für den ÖPNV bis hin zur geringeren Besteuerung von Bahntickets, zu berücksichtigen. Uns erschließt sich nicht, weshalb Kerosin von der Steuer befreit ist, Bahntickets aber besteuert werden. Wichtig ist auch die Bewusstseinsbildung bereits in der Schule. Deshalb müssen fächerübergreifende Inhalten zum Thema "Klimawandel/Klimaschutz" verbindlich in die Lehrpläne aller Schulen aufgenommen werden. In der nächsten Ausgabe von Idee & Tat im November wird der Forderungskatalog veröffentlicht.

Am 20. September werden Menschen weltweit für den Klimaschutz demonstrieren. Wie und warum beteiligt sich die Kolpingjugend?
Elisabeth Adolf:
Es ist wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich an dieser Demonstration beteiligen, um die Dringlichkeit dieses Themas in die Welt zu tragen; um zu zeigen, dass jetzt etwas passieren muss! Die Politik muss jetzt reagieren und Wege einschlagen, die uns vor einer ökologischen Krise bewahren. Es bleiben nur noch zehn Jahre, um die Ziele, die bei der Pariser Klimakonferenz verabschiedet wurden, umzusetzen. Um dies zu schaffen, muss jetzt einfach mehr passieren, und es müssen radikale Entscheidungen getroffen werden. Dafür gehen wir auf die Straße, und deshalb wird auch die Bundesleitung der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland an der Demonstration in Köln teilnehmen. Ich bin mir sicher, dass sich einige Kolpingjugendliche bundesweit an den Demonstrationen in verschiedenen Städten beteiligen werden. Gemeinsam sind wir stark und können Veränderungen erreichen!

Ihr habt jetzt Forderungen an die Bundespolitik formuliert. Was plant Ihr weiter?
Andreas W. Stellmann:
Der Klimawandel macht nicht vor unserer Haustür Halt. Hier gilt es auf internationaler Ebene zu Ergebnissen zu kommen. Kolping ist ein weltweiter Sozialverband, und so werden wir uns auch auf europäischer und internationaler Ebene für unsere Forderungen einsetzen. Die Projektgruppe wird deshalb im November bei der nächsten Sitzung einen Forderungskatalog für die Internationale Gemeinschaft erarbeiten. Weiterhin wird es auch Handlungsempfehlungen für die örtliche Ebene geben, um deutlich zu machen, wie sich jede und jeder Einzelne aber auch jede Kolpingsfamilie für den Klimaschutz engagieren kann. Wir alle sind gefordert, mitzuhelfen, die Lebensgrundlagen in der Einen Welt nachhaltig zu sichern. Diesem Anspruch stellt sich das Kolpingwerk Deutschland.

 

Das Interview führte Georg Wahl. 

Foto (Titel): Jasmin Sessler on Unsplash