Bundesebene

Weder Schönreden der Probleme noch Patentrezepte

Weder Schönreden der Probleme noch Patentrezepte mit leichten Lösungen – die diesjährigen „Kölner Gespräche zum Thema „Jugend ohne Kirche – Kirche ohne Jugend“ laden zum Nach- und Neudenken ein.

Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte trägt beim Wortgottesdienst den ersten Teil bei. Nüchtern beschreibt er die Entwicklung, er weist auf ermutigende Chancen hin, verlangt eigene Glaubwürdigkeit sowie die Bereitschaft zum Hinschauen und zur Neuausrichtung.

„Schwindende Relevanz des Christentums, Verdunstung des Glaubens – Verdunstung!? Stimmt das? Ist das unsere Zukunft? Jugend ohne Kirche – Kirche ohne Jugend? Alles weg?“, fragt Bundespräses Josef Holtkotte zu Beginn seiner Predigt anlässlich der „Kölner Gespräche“ am 13. Februar.

Keine einfache Frage. Aus gutem Grund ergänzt der Bundespräses: „Die jüngste Shell-Jugendstudie deutet die Lebenswelten und Wertvorstellungen der nachfolgenden Generation ausgesprochen positiv, mit einer Ausnahme: auf dem Feld des Christentums. Wiederholt haben die Shell-Jugendstudien der letzten anderthalb Jahrzehnte die jungen Leute gelobt. Sie seien leistungswillig, ehrgeizig, fleißig, idealistisch, blickten positiv, optimistisch in die Zukunft.“ Erfreulich sei, dass trotz aller familiären Auflösungserscheinungen und hoher Scheidungsraten die Eltern für die allermeisten Jugendlichen ein Vorbild seien. Eine Wahrnehmung, die beim Thema „religiöse Erziehung“ aber weniger Nachahmung erfahre. Bei jungen Katholiken verliere der Glaube an Gott an Bedeutung für die Lebensführung. Für eine große Mehrheit der jungen Menschen sei es jedenfalls "gut, dass es die Kirche gibt".

Der Bundespräses fragt: „Gehen wir auf Jugend ohne Kirche – Kirche ohne Jugend zu? Reden wir in den Strukturdebatten alles nur schön? Ich meine: Nein! Aber es bleibt wichtig, genau hinzuschauen. So viele Ideen und all das Engagement, welches ich in den Kolpingsfamilien, in der Kolpingjugend erlebe, machen Mut.“

Dann trifft Bundespräses Josef Holtkotte eine entscheidende Feststellung: „Kinder und Jugendliche machen zunehmend ihre prägenden Glaubenserfahrungen nicht mehr länger in der Familie oder der Gemeinde. Sie sind darüber hinaus mit vielfältigen Sinnangeboten konfrontiert. Dazu kommt eine brüchige kirchliche Situation, welche die Kirchengemeinden und Bistümer vor immer größere Herausforderungen stellt. In dieser Situation können die katholischen Jugendverbände zu Fundorten des Glaubens werden. Hier haben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus einer langen Tradition heraus einen Ort, der sowohl geistlich als auch persönlich ihre Biografie nachhaltig prägt.“

Jugendverbände würden sich durch „Alltagstauglichkeit“ auszeichnen, so der Bundespräses. Durch den Bezug zum gelebten Alltag seien in den Kinder- und Jugendverbänden nicht nur die Hoffnungen, Ängste und Herausforderungen der Zeit gegenwärtig. Vielmehr würden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gleichzeitig befähigt, ihre Lebenswelt mit Kirche und Glaube zu gestalten.

Und der Bundespräses hebt weiter die Chancen der katholischen Jugendverbandsarbeit hervor: „Die gelungenen vielfältigen Beispiele zeigen, wie aus Glaubensgrundlagen mit Kindern und Jugendlichen Aktionen gestaltet werden. Sie stehen für ein Miteinander von Leben und Alltag, von Glauben und Welt. Dort werden christliche Werte vermittelt und sie erfahren einen anderen Zugang zur Kirche und zum Glauben. Hier kann Glauben kennengelernt werden, im Miteinander. Das ist gerade für die jungen Menschen entscheidend, die von zu Hause, von den Eltern, den Glauben immer weniger kennenlernen. Gerade sie finden im Jugendverband einen Ort, an dem sie sich festmachen und Glauben leben und erleben.“

Das einfache „Weiter-So“ ist dabei nicht die Absicht des Bundespräses. Vielmehr fordert er heraus: „Die zentrale Frage wird bleiben: Wie können wir glaubwürdig in der Welt Christen sein und bleiben? Daran sind alle Initiativen und Einrichtungen, Handlungsfelder und Handlungsformen zu messen.“

Zum Abschluss fordert er deshalb Auf: „Wie gelingt es uns religiöse Fragen in den Alltag zu holen? Wie werden wir Glauben und Leben miteinander verbinden? … Mutig gehen wir die Herausforderungen an. … Wir analysieren, vergewissern, richten uns aus. Gut, dass wir dies im Miteinander tun. Gut, dass es viele Beispiele gibt, wie es gelingen kann. Gut, dass es viele Grundlagen gibt, auf die aufgebaut werden kann.“  Mit einem Wort von Adolph Kolping schließt er seine Predigt: „Wer Mut zeigt, macht Mut.“

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