Beim Requiem für ein verstorbenes Kolpingmitglied werden gerne die Banner getragen.

Ein Beispiel für den Abschied von einem treuen Kolpingmitglied. Das Foto entstand vor zehn Jahren nach dem Tod des damaligen Bundessekretärs Bernhard Hennecke.

Bannerschleifen "Im stillen Gedenken" sind im Kolping-Shop erhältlich.

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Verbunden über den Tod hinaus

Wenn ein langjähriges Kolpingmitglied verstirbt, wollen oft viele Weggefährtinnen und -gefährten Abschied nehmen. Um dies gemeinsam tun zu können, zeigen wir nachfolgend Beispiele auf, wie die Kolpingsfamilie dies gestalten kann.

Der Tod eines Mitglieds ist für alle Kolpingsfamilien ein bewegender Moment. Kolping hat dies auch so empfunden. Er sagt: „Wenn wieder jemand, der uns so nahe angehört hat, von unserer Seite genommen wird, empfinden wir das Weh der Trennung, jenes Trauergefühl eines enger um uns gezogenen Kreises; es ist uns, als ob die andere Welt uns selbst fühlbar anstoße.“ (KS 2. S.439)

Dabei stellt sich die Frage des richtigen Umgangs mit dieser Situation immer wieder neu, denn Trauer ist mit sehr viel Gefühl verbunden, und ist für alle eine lebendige Erfahrung.

„Dieses Gefühl sucht sich auszudrücken, über die Sprache, die Stimme, den Gesichtsausdruck, die Körperhaltung, die Musik usw. Die Trauer hat aber – vermutlich über viele Menschheitszeiten hin – eigene Rituale entwickelt, in denen sie sich geschützt und getragen fühlt. ... Früher, so hört man erzählen, war ein Kondolenzbesuch gang und gäbe. Es wird auch seinerzeit immer eine Überwindung gewesen sein, den Weg ins Trauerhaus anzutreten, aber auch als Trauernde jemanden zu empfangen. ... Es ist sicher ein Zeichen unseres gesellschaftlichen Wandels, dass die Angst vor dem Kondolenzbesuch (beidseitig) größer und verlegener geworden ist. Wie wichtig aber solche Besuche als Ritus des Trauerweges sind, das bekunden alle, die einen geglückten Kondolenzbesuch erlebt haben – sowohl die Trauernden wie die Kondolierenden.“ (M. Müller/M.Schnegg: Unwiederbringlich – Vom Sinn der Trauer. S.82 ... S.87)

Zu Zeiten Adolph Kolpings wurde der Umgang mit Tod und Trauer gemeinschaftlich durch Rituale geschützt und mitgetragen, dies half den Schmerz des Verlustes zu ertragen. Heute gibt es viele dieser Rituale nicht mehr. Tod und Trauer sind zur Privatsache geworden. Die Hinterbliebenen fühlen sich oft allein gelassen und ohnmächtig. In Traueranzeigen steht häufig: „Wir haben ihn/sie in aller Stille beigesetzt.“ Dies ist sicher kein guter Weg im Umgang mit dem Gefühl der Trauer.


Viele Kolpingsfamilien praktizieren heute noch Rituale

Zum Beispiel:

  • Teilnahme am Requiem, evtl. Mitgestaltung des Gottesdienstes
  • Die Begleitung des Begräbnisses mit der Fahne/Banner
  • Ein Nachruf am Grab
  • Eine Traueranzeige in der Zeitung
  • Kondolenzbesuch und/oder Besuch(e) bei den Angehörigen
  • Beileidskarte
  • Jährliches Gedenken der verstorbenen Mitglieder:
    1. Mitgliederversammlung: namentliches Nennen der Verstorbenen und erheben von den Plätzen zum stillen Gedenken oder
    2. Gräberbesuch am Kolping-Gedenktag, bei dem auf den Gräbern der im letzten Jahr Verstorbenen eine Blume niedergelegt wird.

Wenn sich die Kolpingsfamilie als Weggemeinschaft des Glaubens versteht, bietet die Ge­staltung eines Sterbegebetes eine gute Möglichkeit, diese zu leben. Das Ritual des Sterbegebetes in der Zeit zwischen Tod und Beerdigung gibt es in verschie­denen Formen in den Gemeinden. Es hat Tradition, droht aber wegzubrechen, denn häufig werden die Formen nicht mehr verstanden (z.B. Sterbe­rosenkranz), oder es gibt niemanden, der die Gestaltung übernimmt. Es hat jedoch eine wichtige Bedeutung für Angehörige und Freunde. Denn ein ansprechend gestaltetes Sterbegebet ist wie die Beerdigung ein wichtiger, haltgebender Trittstein auf dem Trauerweg!

Adolph Kolping schreibt an seinen Freund nach dem Tod dessen Frau:
„Ich bete für Antonie – jetzt mehr als jemals, und wäre es nur darum, um ihr auch in jenem besseren Leben, zu dem sie der liebe Gott gewiss aufgenommen hat, die Freude zu machen, dass wir ihrer mit Gott und in Gott in heiliger Liebe gedenken. Das Gebet lindert das Leid, das Gebet tröstet und versöhnt, das Gebet belebt die Hoffnung des einstigen Wiedersehens. Aber gerade dieses Gebet für die teure Seele unseres Heimgegangenen stärkt auch wieder für die Erfüllung unserer Pflichten.“ KS 2, S.539

Damit drückt Kolping die doppelte Bedeutung des Gebetes sowohl für die Verstorbene als auch für die Hinterbliebenen aus. Es tut gut, sich im Gebet vereint zu fühlen, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Diese Sichtweise bringt Kolping auch zum Ausdruck, in dem er sagt: „Für Christen ist nicht bloß der Himmel eine gemeinsame Heimat, sondern auch die Erde, wo sie nämlich zusammen sind.“ Ein ansprechend gestaltetes Sterbegebet gibt Halt für das Zusammensein.


Anregungen zur Gestaltung eines Sterbegebetes:

Es gibt keine festen Vorgaben für den Ablauf. Wichtig ist immer die situationsgerechte Textauswahl, die persönliche Gestaltung. Es muss darauf geachtet werden, ob es sich um einen plötzlichen Tod oder um ein Sterben nach langer Krankheit handelt. Ein Ablauf mit folgenden Inhalten ist möglich:

Begrüßung, Gesang oder Musik, Kyrie-Rufe – Gottes Gegenwart bewusstmachen, z.B. durch das bewusste Entzünden der Osterkerze, Bibeltext, Stille, meditativer Text oder auslegende Worte, Litanei, Psalm – im Wechsel mit der Gemeinde gebetet, Fürbitten, Vater unser, Segensgebet, Gesang oder Musik.

Gestaltungselemente sind hilfreich:

Die Osterkerze – an dieser eine Kerze entzünden und vor dem Bild des Verstorbenen aufstellen – Innehalten!
Die Kolpingkerze kann dazu dienen, die spezielle Beziehung zur Kolpingsfamilie anzudeuten.
Ein persönliches Symbol (z.B. Herz, Rose, Weg, Bild), das gut zum Verstorbenen passt, kann sich durch das ganze Gebet durchziehen.
Mit Teelichtern kann eine gute Zeichenhandlung gestaltet werden:

  • Zwei Personen stehen am Eingang und verteilen an die hereinkommenden Trauergäste Teelichter. Die Leute stellen diese Teelichter vor dem Bild des Verstorbenen ab.
  • In einem eigenen Ritual werden diese Kerzen angezündet, dabei passenden Text sprechen, Lied singen oder Musik hören.
  • Die Teelichter werden am Schluss der Trauerfamilie mitgegeben. Dann können sie jeden Tag ein Teelicht in Erinnerung an diese Feier anzünden. So werden diese Lichter zu Trittsteinen auf dem Trauerweg im Alltag.

(Dauer ca. 30 Minuten)


Vorschlag für einen gestalteten Rosenkranz als Sterbegebet für ein Kolpingmitglied:

Liebe ..., liebe Angehörige, Verwandte und Freunde,
wir sind heute zusammengekommen um für unseren Bruder/Schwester … zu beten und ihm/sie dem Frieden Gottes zu empfehlen.
Im Namen des Vaters und ...
Auch im Angesicht des Todes sind wir als Christen der Gegenwart Gottes bewusst, in ihr stehen wir und machen dies sichtbar im Lichte der Osterkerze. (Entzünden der Kerze)
„Als Glaubende wissen wir, dass jenseits des Grabes unser Leben beginnt. Der Auferstandene wird uns in das gleißende Licht des dreifaltigen Gottes führen“ sagt Bischof Stecher.
„Angesichts unserer Trauer über den Tod unseres Bruders / unserer Schwester ... betrachten wir das Leben jenseits des Grabes mit den Glaubensgeheimnissen des glorreichen Rosenkranzes Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung, damit wir „nicht trauern wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen.“ (1 Thess 4,13-14)
Musik

Lektor: Erstes Geheimnis:  Jesus, der von den Toten auferstanden ist
Im Lukasevangelium (24,1-6) wird verkündet:
Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.
Vorbeter 1:
Die Frauen gehen zum Grab. Sie wollen zum Toten. Der Stein markiert die Trennung zwischen Leben und Tod. Doch der Stein ist weggewälzt. Die Trennung zwischen den Welten ist verschwunden. Den Toten finden sie nicht. Sie sind ratlos. Da hören sie die Frage: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Und es folgt die Botschaft: „Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“
Vorbeter 2:
Adolph Kolping sagt: „Die Auferstehung des Herrn hat die Menschen umgewandelt und dem irdischen Leben eine neue Richtung und Bedeutung gegeben.“ Durch die Auferstehung Jesu ist das Leben nicht nur die Zeitspanne zwischen Wiege und Grab.
Wir beten jetzt gemeinsam 5x das Geheimnis Jesus, der von den Toten auferstanden ist. Am Ende beten wir O Herr, gib ihr/ihm das ewige Leben anstelle von der ewigen Ruhe, weil mit Ruhe eigentlich erfülltes Leben gemeint ist. Dementsprechend heißt es dann auch Herr lass sie/ihn leben in Frieden.
Vater unser …
Gegrüßet seist du, Maria … der von den Toten auferstanden ist (5x)
O Herr, gib ihr/ihm das ewige Leben und das ewige Licht leuchte ihr/ihm,
Herr lass sie/ihn leben in Frieden. Amen
Lied: Christ ist erstanden GL 318

Lektor: Zweites Geheimnis: Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist
Im Lukasevangelium (24,50-53) wird verkündet:
Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.
Vorbeter 1:
Der Auferstandene erscheint den Jüngern. Er redet mit ihnen, er zeigt ihnen Hände und Füße, er isst mit ihnen und führt sie hinaus in die Nähe von Betanien. Hinausgehen aus dem, was bisher war, ist nötig, um offen zu werden, um Neues sehen zu können. Doch da geschieht es: Jesus segnet die Jünger und während er dies tut, wird er zum Himmel emporgehoben. Die Jünger, so wird erzählt, fielen vor ihm nieder. Überwältigt von diesem Ereignis gehen die Jünger in die Knie. Sie kehren voll Freude zurück nach Jerusalem, doch jetzt haben sie eine neue Perspektive.
Vorbeter 2:
Adolph Kolping sagt: „Ist es nicht ein herrlicher Gedanke, den das Christentum uns so nahelegt, dass diejenigen, die im Leben hienieden sich gegenseitig zum Heil verholfen, drüben sich wiederfinden, wo unzerreißbare Bande ewiger Freundschaft die Kinder Gottes miteinander verbinden? Das ist der beste Trost beim Andenken an unsere Hingeschiedenen.“  (RV 1885, S. 536)
Mit der Himmelfahrt Jesu ist für die Jünger die gemeinsame Erdenzeit beendet. Doch sie erinnern sich an seine Erzählung von den vielen Wohnungen im Hause seines Vaters.
Wir beten gemeinsam:
Vater unser ...
Gegrüßet seist du, Maria ... Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist (5x)
O Herr, gib ihr/ihm, das ewige Leben und das ewige Licht leuchte ihr/ihm,
Herr lass sie/ihn leben in Frieden. Amen
Lied: Christ fuhr gen Himmel GL 319 

Lektor: Drittes Geheimnis: Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat
In der Apostelgeschichte (2,1-4) wird verkündet:
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
Vorbeter 1:
Die Jünger blieben zusammen nach all dem, was sie erlebt hatten. Sie bleiben in der Stadt, so wie Jesus ihnen gesagt hatte. Sie verharrten gemeinsam einmütig im Gebet. Plötzlich geschieht wieder Unerwartetes. Sie spüren, dass Jesus sein Versprechen einlöst, das er ihnen vor seiner Himmelfahrt gegeben hat, so wie es im Lukasevangelium steht (Lk 24,49): „Ich werde euch die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.“ Mit dieser Kraft, die sie nun erfüllt, beginnen sie in fremden Sprachen zu reden. Jetzt ist es ihnen möglich hinauszugehen. Sie werden aktiv und verkünden. Mit dieser Kraft können sie neue Wege gehen. Die Kraft, die ihnen ermöglicht, die Wege zu gehen, die vor ihnen liegen, wurde ihnen von oben geschenkt.
Vorbeter 2:
Adolph Kolping sagt: „Drückt die Last, schreckt die Gefahr, wenn der sündige Mensch zur Erde blickt und bloß seine Kräfte abmisst, dann erhebt sich doch mit freudigem Gefühle sein Herz, wenn die Stimme dessen vom Himmel ihm zuruft, dem alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden, der die Liebe des Menschengeschlechtes geworden und der seinen Heiligen Geist gesandt hat, die Schwachen zu stärken und zu ermutigen.“
Bei allen Lasten, die uns drücken, und allen Gefahren, die uns schrecken, können wir uns wie Adolph Kolping freuen, denn der Heilige Geist stärkt und ermutigt die Schwachen. Mit der Kraft des Geistes können auch wir, wie die Jünger, neue Wege gehen.
Wir beten gemeinsam:
Vater unser …
Gegrüßet seist du, Maria … Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat (5x)
O Herr, gib ihr/ihm das ewige Leben und das ewige Licht leuchte ihr/ihm.
Herr lass sie/ihn leben in Frieden. Amen
Lied: Komm, Heiliger Geist, der Leben schafft GL 342
Segen


Text: Rosalia Walter
Fotos: Martin Grünewald