Ein Höhepunkt der Sternenklar-Gemeinschaft: Der Abschlussgottesdienst berührte die Teilnehmenden und sorgte für Freude, Begeisterung und Kolping-Gefühl.

Weihbischof Johannes Wübbe spricht zu den jungen Menschen.

Die Banner und ihre Träger sind mit voller Aufmerksamkeit dabei.

Der Sternenklar-Song wird dem einen oder anderen Teilnehmenden im Ohr bleiben.

Sternenklar-Teilnehmende beim Tagesimpuls. Glaube und Lebenswirklichkeit gehören für junge Menschen zusammen.

News

"Sternenklar. Sonnenklar. Glasklar."

Vom 28. bis 30. September fand in Frankfurt am Main das große Event "Sternenklar – Du baust die Zukunft!" der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland statt.

Auf dem Frankfurter Roßmarkt versammelten sich die Teilnehmenden bei bestem Spätsommerwetter zum großen Abschlussgottesdienst. Bischof Georg Bätzing aus Limburg, der auch Schirmherr des Events war, Weihbischof Johannes Wübbe aus Osnabrück, Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte und Diakon Andreas W. Stellmann zelebrierten diesen gemeinsam.

Weihbischof Wübbe gab am Ende des Gottesdienstes folgenden Impuls, dessen ungefährer Wortlaut – es gilt das gesprochene Wort – wie folgt war:

Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Jugendliche! Danke, dass ich hier dabei sein durfte und Danke für die offenen, inspirierenden Begegnungen und Gespräche! Gerade jetzt so kurz vor der Jugendsynode in Rom gibt das noch einmal Schwung und Ermutigung.

„Sternenklar“: So waren diese zwei Tage hier in Frankfurt überschrieben. Was bleibt nun, wo wir fast das Ende der Veranstaltung erreicht haben? Mir hat gut gefallen, was Bischof Georg am Anfang seiner Predigt gesagt und umschrieben hat mit dem Wortspiel: „Sternenklar. Sonnenklar. Glasklar.“ Was können uns diese drei Begriffe in ihrem Zueinander ganz konkret sagen? Wie können sie in uns so wirken, dass sie sich fruchtbar ergänzen, Perspektiven eröffnen, Handlungsimpulse freisetzen?

Schon gestern auf der Podiumsdiskussion, an der ich teilgenommen habe, wurde deutlich: Wenn es um die Zukunft der Erde geht, ist doch glasklar, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Und das müssen wir beharrlich gerade gegenüber den Stimmen herausstellen, die ständig mit Verweis auf „alternative Fakten“ anderes behaupten. Und auch in uns herrscht ja manchmal Verwirrung angesichts alles dessen, was auf uns täglich zukommt. Der Himmel ist also weder bei Nacht immer so sternenklar, wie wir uns das vielleicht wünschen würden, noch bei Tag immer sonnenklar.

Orientierung für anstehende Entscheidungen könnte da z.B. die Farbe Orange geben, die ja ein Markenzeichen Eures Verbandes ist. Sie könnte eine gute Hilfe sein, um  herauszufinden, wo es hinzugehen hat. Orange: eine Farbe, die sich zusammensetzt aus Gelb oder Gold und Rot.

Rot: Farbe für das pulsierende Leben. So reich ist unser Leben, voll von Möglichkeiten, aber auch voller Herausforderungen. Das Gelb, das Gold mag dafür stehen, dass es den Stern – trotz aller Widrigkeiten – braucht und immer wieder zu suchen gilt, um ins richtige Handeln hineinzufinden.

Der Stern für uns will Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, sein: An ihm lässt sich ablesen, welche Grundhaltungen gefragt sind. Es braucht, und das sage ich ganz bewusst, vor allem Demut, um den anderen zu begegnen, damit es zu einer Begegnung auf Augenhöhe kommt, die den anderen ernst nimmt. Und es braucht Offenheit: Offenheit für Gott, die Sonne allen Lebens, und für die Menschen.

Wie es gut weiter geht, darum ringt ab Mittwoch auch die Weltkirche in Rom auf der Jugendsynode; ich darf als ein Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz daran teilnehmen. Wir brauchen neue Impulse in einer Kirche, nicht nur, aber vor allem auch, weil uns gerade jetzt wieder ganz deutlich wird, dass sogar seitens offizieller Vertreter dieser Kirche Menschen körperlich und seelisch schwer verletzt wurden und werden.

Was Ihr von der Synode wünscht und erwartet, habt ihr mir ja auch schon glasklar auf Eurer Bundeskonferenz im März gesagt, und ich werde das auch so deutlich wie möglich einzubringen versuchen. Ich bitte Euch aber auch darum, wenn Ihr während der Zeit in den Himmel schaut und die Sterne seht – und nicht nur dann: Betet für uns, denn wir brauchenden Geist Gottes, damit Kirche mutig und veränderungsbereit in eine gute Zukunft gehen kann – nicht um ihrer selbst, sondern um Gottes und der Menschen willen!

„Sternenklar“: Will ich selber, so wie ich es vermag, Gottes Sternen, seinen Zeichen trauen und mit ihm Geschichte schreiben? Dann bleibt kein anderer Weg, als mit ihm Mensch zu werden, die Mitmenschen und die Schöpfung zu lieben – bis zur letzten Konsequenz – ja, es wenigstens immer wieder zu versuchen, zusammen mit allen Menschen, die darum ringen, wie das Leben in Fülle wachsen kann. Keine und keiner dürfen bei diesem Projekt fehlen; sonst ist Gottes Idee von der Welt nicht in ihrer ganzen Schönheit zu verwirklichen. Du bist doch dabei? Lassen wir uns dazu Gottes Segen spenden!


Statements zur Jugendsynode

Weihbischof Wübbe bezog sich in seinem Impuls bei „Sternenklar – Du baust die Zukunft!“ auf die „Jugendsynode“ (Bischofssynode unter dem Motto „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“),die im Oktober im Vatikan stattgefunden hat. Zur Jugendsynode hat die Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland auf ihrer Bundeskonferenz am 18. März 2018 in Bamberg Statements für die Entscheidungsträger zur Synode veröffentlicht. Den vollständigen Beschluss findest Du hier. Im Folgenden einige Auszüge:

I. Unser Verband ist ein Ort des Glaubens
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Von Beginn an fanden sich Christinnen und Christen in Gemeinschaften zusammen. Auch wir verstehen unseren generationsübergreifenden Verband in allen seinen Handlungsfeldern als eine Gemeinschaft in der Nachfolge Christi. Als Verband ist unser Handeln – von der Kolpingsfamilie bis zum Internationalen Kolpingwerk – geprägt durch Partizipation der Mitglieder in demokratischen Strukturen. [...]

II. Glaube und Lebenswirklichkeit gehören zusammen
Als Christinnen und Christen ist es unser Anspruch, unser Leben aus dem Glauben an Jesus Christus, der für uns Orientierung und Halt ist, zu führen. Dieser Glaube muss auf die Fragen und Probleme unserer Lebenswirklichkeiten tragfähige Antworten geben und zeitgemäße Formen annehmen können. [...]

III. Junge Menschen sind Experten ihrer Lebenswirklichkeit
Niemand kann die Lebenswirklichkeit junger Menschen so gut kennen, wie sie selbst. Jede Generation sieht sich vor der Herausforderung, eine Art zu finden, ihren Glauben zu leben, die zur ihr passt. Für diese Suche braucht es Hilfe und Unterstützung. [...]

IV. Die Vielfalt der Glaubensgemeinschaften ist eine Chance für die Kirche
Innerhalb der Kirche gibt es auch Gemeinschaften junger Menschen, die sich nicht als Verband organisieren. Sie rücken andere Aspekte des Glaubens in den Vordergrund, setzen in ihrer Gemeinschaft andere Schwerpunkte und zeichnen sich durch andere Charismen aus. Wir sehen in dieser Vielfalt eine Chance für unsere gemeinsame Kirche: Die unterschiedlichen Profile von verbandlichen und nicht-verbandlichen Gemeinschaften müssen sich nicht ausschließen, sondern können sich ergänzen. [...]

V. Adolph Kolping ist uns Vorbild in Wort und Tat für einen vielfältigen Verband
Wir als Kolpingjugend sind ein vielfältiger Verband, der die Lebenswirklichkeit seiner Mitglieder ernst nimmt und akzeptiert. Die Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben, ist geprägt von unserem Gründervater, dem seligen Adolph Kolping. Er nahm die Lebenswirklichkeit der Menschen in seiner Zeit wahr. Aus seinem Glauben heraus setzte er sich für sie ein und dafür, die sozialen Herausforderungen seiner Zeit zu bewältigen und seinen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft zu leisten.[...]
In seiner Nachfolge setzen wir sein Werk in unserer Zeit fort, engagieren wir uns politisch und gestalten aus unserem Glauben heraus die Gesellschaft aktiv mit. [...]


„Demokratie schmeckt uns“

Bei „Sternenklar – Du baust die Zukunft!“ hat die Bundesleitung der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland auf dem Roßmarkt in Frankfurt eine Erklärung verlesen. Den kompletten Wortlaut findest Du hier. Hier liest Du Auszüge der Erkärung:

Unter dem Motto „Verantwortung ergreifen. Willkommen heißen!“ hatten wir zum Kolpingtag 2015 vor allem junge Menschen aufgerufen, ein Zeichen für eine frohe Willkommenskultur und gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Mit unserer Aktion „Verantwortung ergreifen. Willkommen heißen!“ haben wir über den Kolpingtag hinaus ein Zeichen für ein offenes Deutschland gesetzt. Dazu waren alle aufgerufen, Fremden die Hand zu reichen und gemeinsam Zeichen zu sein. Offen aufeinander zugehen tut unserer Gesellschaft gut!

Leider hat sich die Stimmung in unserem Land seit 2015 nicht zum Besseren verändert. Hierzulande, aber auch in vielen Teilen Europas, entwickeln sich seit geraumer Zeit gesellschaftliche Strömungen und Bewegungen, die – wie zum Beispiel Pegida – ganz offen fremdenfeindliche Hetze betreiben.

Auch im politischen Bereich ist es im letzten Jahr zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Denn zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten ist mit der Alternative für Deutschland eine politische Kraft in den Deutschen Bundestag eingezogen, deren Mitglieder zum Teil unverhohlen unsere demokratische Ordnung in Frage stellen. Sie tun dies teilweise durch ihre Grundsatz- und Wahlprogramme. Sie tun dies vor allem aber durch gezielte Aussagen ihrer Vertreter. Wenn das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet wird, wenn man offen bekennt, dass man jemanden, wie Jérôme Boateng nicht als Nachbarn haben möchte, wenn man aus dem Dritten Reich entlehnte Begriffe wie „völkisch“ wieder in den üblichen Sprachgebrauch einführen will – dann gilt es für uns als Kolpingjugend, als überzeugte Demokratinnen und Demokraten, ein klares Zeichen dagegen zu setzen. Wir wollen nicht, dass rechtes Gedankengut in der Mitte unserer Gesellschaft „salonfähig“ wird!

Doch bleibt es nicht immer nur bei solchen ohnehin gefährlichen Phrasen. In den letzten Wochen ist es erneut zu Entwicklungen gekommen, die uns als Kolpingjugend zutiefst erschüttern: Fremdenfeindliche Aktionen und Protestmärsche, rechtsradikale Gewaltakte, ausländerfeindliche Hetze in der Öffentlichkeit sowie ausgrenzende Anfeindungen in den sozialen Medien. Rechtsextreme Aktionen verurteilen wir aufs Schärfste!

Wir leben in einer Zeit globaler Herausforderungen und Umbrüche, die zu Recht nachdenklich stimmen und sich auf vielfältige Weise auf unser Leben auswirken. Es gibt Menschen, die verunsichert und enttäuscht sind, sich vielleicht sogar abgehängt fühlen von Wohlstand, Sicherheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Extreme Bewegungen und Parteien wissen genau diese Ängste und Vorurteile auszunutzen, um für ihr Weltbild zu werben. Es ist nicht an uns, pauschal all jene zu verurteilen, die – vielleicht auch aus Enttäuschung und Frustration – mit Pegida sympathisieren, vielleicht auch die AfD wählen. Wir rufen sie auf, die eigene Haltung und das eigene Handeln zu hinterfragen und für andere Meinungen offen zu sein.[...] Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen und politischen Fehlentwicklungen darf nie dazu führen, dass man radikalen Rattenfängern anheim fällt! Rechte Gruppierungen und Parteien versuchen ihren Vorteil aus den aktuellen Problemen in Europa und der zunehmenden Verunsicherung in der Bevölkerung zu ziehen. Gleichzeitig stellen sie ein geeintes Europa und dessen Werte in Frage und verbreiten ihre nationalistischen Gedanken. Mit ihren Beschlüssen hat die Kolpingjugend schon mehrfach ein klares Zeichen für ein geeintes Europa gesetzt.[...]

In der Kolpingjugend gehen wir mit unserem Engagement von jungen Menschen für junge Menschen mutig voran, um das Bewusstsein für gesellschaftliches Handeln zu stärken.[...] Bei uns lernen junge Menschen, wie wichtig ein demokratisches Miteinander ist. [...] Wir setzen uns für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religion ein. [...]