Maron Fuchs begeisterte das Publikum mit einem eigens für Sternenklar vorbereiteten Poetry Slam.

Bei #klargesagt war auch das Publikum gefragt! Mithilfe der App Plickers wurden Live-Umfragen durchgeführt und das Ergebnis direkt in die Diskussion auf dem Podium einbezogen.

Cheese! Die Moderatoren Anna-Sophia Hornig und Sven-Marco Meng machen am Eröffnungsabend ein Selfie mit der Menge.

Auch sportliche Betätigung stand auf dem Programm. Die Kolpingjugend ist eben vielseitig!

Und knips! In der Selfiebox des DV Rottenburg-Stuttgart durfte es kreativ zugehen.

Ruhezone im bunten Treiben auf dem Frankfurter Roßmarkt – ein Päuschen muss sein.

Wer kreativ werden wollte, konnte einen eigenen Jutebeutel gestalten.

Den Sternen nahe! Am oberen Ende des Holz-Turms wurde am späten Nachmittag der Sauerstoff schon knapp.

Am Altar war auch der am Vortag bemalte Stern dabei: Viele kleine Teile setzen ein großes Ganzes zusammen.

Die Stimmung während des Gottesdienstes war famos. „Wir sind Kolping“ – das haben alle gemeinsam.

#klargesagt: Wie können wir aus dem Glauben heraus nachhaltig leben? Vom Podium gab es praktische Tipps.

Frag doch mal...! Bei der Aktion des DV Münster konnten Zuschauerinnen und Zuschauer neue Sichtweisen zu Themen kennenlernen.

Der DV Bamberg hatte das Städte- spiel „Puzzles“ mitgebracht

Coffee to si – im Workshop des DV Paderborn wurden wiederverwendbare Kaffeebecher gestaltet

Die Workshops im Mainhaus boten Raum zu Diskussion und Reflexion.

Kolpingmagazin

Steht unsere Zukunft in den Sternen?

Drei Tage Begegnung, Austausch und Interaktion! Unter dem Motto „Sternenklar – Du baust die Zukunft!“ hat im September das bundesweite Event der Kolpingjugend stattgefunden. Dafür machten sich mehr als 1.200 junge Engagierte auf den Weg nach Frankfurt am Main.

Als Freitagabend um Punkt 20 Uhr das Licht im Casino der Goethe-Universität erlosch und die Bühnenshow begann, war die allgemeine Vorfreude auf ihrem Höhepunkt angelangt. Nach 664 Tagen Vorbereitung fiel nun endlich der offizielle Startschuss für Sternenklar. Die eigene Zukunft aktiv mitzugestalten – das hatte die Bundesleitung der Kolpingjugend Deutschland als Ziel des Groß-Events formuliert. „Wir leben in einer bewegten und bewegenden Zeit, die das Fundament unserer Gesellschaft zunehmend in Frage stellt. Die Kirche steht vor neuen Herausforderungen, und auch Kolping als großer Verband ist im Wandel. Wohin die Reise genau geht, können wir nicht sagen, aber wir wollen gemeinsam mit euch an dieser Zukunft bauen“, begrüßte Peter Schrage das Publikum.

Die thematische Vielfalt von Sternenklar kündigte sich am Eröffnungsabend bereits im weiteren Bühnenprogramm an – so wurde beispielsweise die Handyspendenaktion von missio vorgestellt, welche das Kolpingwerk Deutschland als Kooperationspartner unterstützt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten bereits im Vorfeld ihre Schubladen nach unbenutzten und oftmals schlichtweg vergessenen Mobiltelefonen durchstöbert und diese mit nach Frankfurt gebracht, um sie vor Ort in eine der Sammelboxen zu werfen. Denn durch das Recyceln der in den Handys verbauten Rohstoffe, die vor allem im Kongo unter schlimmen Bedingungen gewonnen werden, lässt sich ganz einfach ein kleiner Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen leisten.

So gab die Eröffnungsveranstaltung die Marschrichtung für die kommenden Tage vor und schwor die Teilnehmenden auf das Wochenende ein. Nach dem offiziellen Part verlagerte sich das Geschehen dann schnell ins persönliche Gespräch: Unter den Jugendlichen war die Wiedersehensfreude groß. Bei dem einen oder anderen Kaltgetränk gab es dann auch reichlich zu besprechen.

Nach dem Aufwachen in der Turnhalle erstmal in die Kirche – nicht ungewöhnlich für eine Veranstaltung wie Sternenklar. In der beeindruckenden Kulisse der Jesuitenkirche St. Ignatius wurden die zahlreichen Frühaufsteher mit eher ungewöhnlichen Klängen begrüßt: „Da da dadadadaaaa da...“ Zum Tagesimpuls der AG Jugend und Kirche lief die Titelmusik von Star Wars. Aber was haben Sternenklar und der Krieg der Sterne gemeinsam – außer natürlich den Stern im Namen? Ziemlich viel, wie durch Texte, Lieder und vorgetragene Psalme schnell deutlich wurde. „Du baust die Zukunft“ – das geht nicht ohne einen Blick auf Vergangenes, auf Bewährtes und nicht zuletzt auf die Fehler, die man selbst oder auch andere gemacht haben. Wer die Zukunft bauen will, der muss also vergeben können, dem muss vielleicht auch selbst vergeben werden. Und letztlich geht es bei Krieg der Sterne ja genau darum: Das Böse findet stets den Weg zurück zum Guten.

Beschwingt von diesem geistlichen Impuls stürzten sich die jungen Menschen dann auch direkt ins geschäftige Treiben des Tages. An gleich drei Orten in der hessischen Metropole zeigte die Kolpingjugend mit einem abwechslungsreichen Programm wie politisch, weltoffen und nachhaltig Jugendverbandsarbeit ist. Während im Mainhaus und am Casino Workshops zu verschiedensten Themen stattfanden, war am Roßmarkt auch die interessierte Öffentlichkeit zum Austausch eingeladen. Mitten im Herzen Frankfurts wurden inhaltliche Akzente dabei vor allem durch drei Podiumsdiskussionen gesetzt, bei denen sich Redner unter dem Motto #klargesagt zu Europa, Glaube und Verband austauschten.

Ein weiteres Highlight war dann am Samstagmittag die Verlesung einer politischen Erklärung unter dem Motto „Demokratie schmeckt uns“. Darin betonte die Bundesleitung der Kolpingjugend, dass es mehr denn je geboten sei, sich gegen fremdenfeindliche Aktionen und rechtes Gedankengut zu wenden. Auch in Zeiten globaler Umbrüche und wachsender Unsicherheit dürften Menschen nicht auf die Versprechungen rechter Protagonisten hereinfallen.
„Es ist nicht an uns, pauschal all jene zu verurteilen, die – vielleicht auch aus Enttäuschung und Frustration – mit Pegida sympathisieren, vielleicht auch die AfD wählen. Wir rufen sie auf, die eigene Haltung und das eigene Handeln zu hinterfragen und für andere Meinungen offen zu sein. Und wir möchten sie davon überzeugen, dass es der falsche Weg ist. Stattdessen braucht es den Mut, offen aufeinander zuzugehen, Sorgen und Ängste anzusprechen und im Miteinander auf Lösungen hinzuarbeiten.“ Die Erklärung wurde mit anhaltendem Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer bestätigt.

Die wohl verdiente Mittagspause nutzten die meisten Teilnehmenden von Sternenklar, um sich ein bisschen auf dem Roßmarkt umzuschauen. Denn hier präsentierten sich Gremien und Gliederungen, aber auch Einrichtungen und Kooperationspartner an verschiedenen Ständen und hatten unterhaltsame Mitmach-Aktionen im Gepäck.

Mit von der Partie war beispielsweise der Bund der Deutschen Katholischen Jugend mit seiner 72-Stunden-Aktion. „Im Mai 2019 wollen wir wieder die größte soziale Aktion Deutschlands werden“, erklärte Melanie Goßmann das ambitionierte Ziel. Bereits 2018 hatten sich rund 117.000 Jugendliche und junge Erwachsene drei Tage lang in verschiedensten Projekten engagiert, um die Gesellschaft ein bisschen bunter, offener und solidarischer zu machen. Projekte können dabei interreligiös, politisch, ökologisch oder international ausgerichtet sein. Denkbar wären zum Beispiel Nachbarschaftstreffen, Müllsammel-Aktionen oder internationale Sportturniere. „Wichtig ist der gemeinsame Einsatz für andere oder mit anderen“, fasste Melanie Goßmann zusammen. Es habe sie motiviert, in Frankfurt auf durchweg begeisterungsfähige Menschen zu treffen: „Es waren viele Leute hier am Stand, die in der Vergangenheit schon mal mitgemacht haben, drei Gruppen haben sich sogar spontan angemeldet.“

Auch der Spaß kam am Roßmarkt nicht zu kurz. Ein sprichwörtliches Heimspiel hatte der DV Limburg mit seinem Stand „Ich und mein Holz“. Hier konnten die Kolpingjugendlichen eigene Holzbausteine sägen, bemalen und zu einem großen Turm stapeln. „Im richtigen Blickwinkel sind wir mit dem Turm größer als die Frankfurter Skyline geworden“, kommentierte Erik Wittmund mit einem Augenzwinkern und nicht ohne Stolz. Den ganzen Tag lang war er am Stand mit jungen Menschen ins Gespräch gekommen: „Bei der Aktion wird jeder zu einem Teil des großen Ganzen – quasi ein individueller Baustein für die Zukunft!“

Einige Zelte weiter konnten Beobachter mal Schulterzucken, mal begeistert nach oben gereckte Fäuste, mal ein schüchternes Lächeln entdecken. Angelehnt an das „Interview ohne Worte“ der Süddeutschen Zeitung verliehen die Teilnehmenden hier nämlich ihrer Meinung zu Europa pantomimisch Ausdruck. „Alle hatten unterschiedliche Ideen. Mir ist aber aufgefallen, dass zur Frage ‚Was kann die EU besser machen?’ oft eine Form von Zusammenhalt dargestellt wurde“, erklärte Katharina Maier, Landesleiterin der Kolpingjugend Bayern. Der Landesverband hatte sich mit seinen DVs zusammengetan und ein gemeinsames Angebot auf die Beine gestellt. Dazu gehörte ebenfalls eine riesige Europa-Karte, auf der man seinen Heimatort und sein liebstes Reiseziel eintragen konnte. Die Kolpingjugendlichen offenbarten dabei einen leichten Hang zu skandinavischen Urlaubsländern – vielleicht weil das Wetter am Roßmarkt an diesem Tag so gut war.

Auch das Infomobil des Kolping-Netzwerkes für Geflüchtete und der Info-Truck von missio Aachen zum Thema „Menschen auf der Flucht“, zogen zahlreiche Gäste an. Hier bot sich die Möglichkeit, am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Ostkongo die Ausnahmesituation Flucht anhand einer multimedialen Ausstellung nachzuvollziehen. So schien das Schicksal betroffener Menschen weniger weit weg vom Alltag der meisten Jugendlichen in Deutschland.

Für den knurrenden Magen war der Candybär des DV Münster am Roßmarkt im Gedränge unterwegs, um süße Überraschungen zu verteilen. Wer dann noch nicht genügend Nervennahrung vernascht hatte, konnte sich am Stand des DV Fulda mit frischem Popcorn eindecken – und zwar unter dem Motto: „Die Bibel – ganz großes Kino“. Fairen Tatico Kaffee in nachhaltigen Kaffeebechern gab es bei der Kaffeerösterei Langen. Im Notfall stand auch die Chill-Out-Area des DV Paderborn für ein kurzes Mittagsschläfchen bereit. Alternativ lud der DV Freiburg geschwätzige Gemüter zum größten Kolping-Stammtisch der Welt.

Aufgrund des bunten Treibens erhielten auch interessierte Passanten einen spontanen Einblick in die Themen, für die sich die Kolpingjugend Deutschland einsetzt. Ein wahrer Publikumsmagnet war der Gardetanz der Kolping-Prinzengarde Warstein: Viele Passanten wunderten sich, wer da wohl athletische Hebefiguren zum Besten gibt.

Im Mainhaus ging es währenddessen etwas ruhiger zu, was jedoch keine Auswirkungen auf die inhaltliche Tiefe der Workshops hatte – ganz im Gegenteil. Im Workshop „Fluchtursachen“ regte Referentin Maren Becker beispielsweise zu Gedankenspielen an: Welche Gründe würden mich dazu bringen, Deutschland zu verlassen und länger in einem fremden Land zu leben? Anhand eines „WeltSpiels“ wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu aufgerufen, einzuschätzen, wie sich die Weltbevölkerung auf die Kontinente verteilt. Gerade am Beispiel Afrika wurde deutlich, dass es eine große Diskrepanz zwischen dem Anteil an der Weltbevölkerung und dem Anteil an Wirtschaftskraft gibt. Am Ende stand schließlich die Diskussion, was jeder einzelne tun kann, um die Ressourcenverteilung gerechter zu machen. 

In einem anderen Workshop erklärte die AG heute für morgen unter dem Motto „Rente? Krieg ich eh nicht, wenn ich alt bin...“ das aktuelle Rentensystem sowie mögliche Alternativen. Im Workshop wurden zudem wichtige Begriffe erläutert – zum Beispiel was Entgeltpunkte sind und wie es um die Generationengerechtigkeit steht. Anschließend wurden in einem Rollenspiel unterschiedliche Lebenssituationen eingenommen, auf Basis derer man Aussagen über die Rente bewerten sollte. War eine Aussage positiv, durften die Workshop-Teilnehmenden einen Schritt nach vorne gehen. Einige gingen ein paar Schritte, andere wiederum blieben stehen. Am Ende waren alle über den ganzen Raum verteilt. Ob das wohl so gerecht ist?

Wer arbeitet, der darf auch feiern: Abgerundet wurde der ereignisreiche Tag vom gemeinsamen Beisammensein und Feiern im Casino der Goethe-Universität. Dort zeigten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie auch nach gut zehn Stunden Programm noch genügend Energie hatten, um bis in die Nacht hinein zu tanzen. Chapeau!

Seinen feierlichen Abschluss fand das Wochenende mit einem eindrucksvollen Abschlussgottesdienst vor der Frankfurter Skyline. Zu den Tönen des Sternenklar-Songs zogen die vielen Banner bei strahlendem Sonnenschein ein – gefolgt von Georg Bätzing, Bischof im Bistum Limburg, der auch Schirmherr des Events war. Als Konzelebranten wohnten der Messe Johannes Wübbe, Weihbischof im Bistum Osnabrück, und Josef Holtkotte, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, bei.

„Man sagt: Die Zukunft steht in den Sternen. Aber oft scheinen die Sterne unerreichbar“, griff Bischof Bätzing in der Predigt das Motto der Veranstaltung auf. Schon für die Heiligen Drei Könige sei der Stern ein Zeichen der Hoffnung gewesen, als sie ihm zur Krippe folgten. Ähnlich gehe es auch uns heute immer wieder: Wir suchen Vorbilder, an denen wir unser Handeln orientieren können. „Und welch bessere Vorbilder kann es da geben als Jesus Christus und auch Adolph Kolping?“

Die Herausforderungen unserer Zeit würden laut Bischof Bätzing gut durch die Strophen des Sternenklar-Songs wiedergespiegelt. Da gehe es zunächst um die Schöpfung: „Wir sind Teil des Klimawandels und tragen somit auch einen Teil der Schuld an der Zerstörung unserer Umwelt. Wie werden wir damit umgehen?“ Auch unsere politische Verantwortung und dabei insbesondere das Thema Europa werde aufgegriffen: „Wenn das Projekt Europa misslingt, misslingt unsere Zukunft“, sagte dazu Bischof Bätzing. Daneben könne auch das Thema Digitalisierung hinzugefügt werden. In der Predigt ermunterte er die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dazu, sich kritisch mit der Gegenwart auseinanderzusetzen und mit den eigenen Zukunftsvisionen in Gesellschaft und Kirche einzubringen. Weihbischof Lübbe betonte, dass uns bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen auch die Verbandsfarbe Orange helfen kann. Der Verband sei wie eine Familie, in dem vieles einfacher zu erreichen sei als alleine: „Kolping – das ist nicht von gestern, das ist von heute für morgen.“

Nach der stimmungsvollen Messe traten die Sternenklar-Teilnehmenden die Heimreise schließlich mit einer Sendung und dem Auftrag an, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Denn ob in Europa, in der Kirche oder im Kleinen unseres Alltags: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an, wir bauen die Zukunft!


#klargesagt: Unser Verband – Wir bauen die Zukunft

Wie bist Du zu Kolping gekommen? Welche Bedeutung hat das Ehrenamt für Dich? Mithilfe der App Plickers zeigte sich auf dem Roßmarkt ein eindeutiges Stimmungsbild: In den meisten Fällen wird man entweder hineingeboren oder gelangt über zwischenmenschliche Kontakte in den Verband hinein. Und wenn man da dann erst einmal aktiv ist, ist das Ehrenamt für viele junge Menschen ein wichtiger Teil der Persönlichkeit.
Anna-Maria Högg, Bundesleiterin der Kolpingjugend Deutschland, schilderte ihren kolpingschen Werdegang zum Beispiel so: „Ich bin hineingeboren in den Verband, war zuerst vor Ort aktiv und verspüre auch heute noch eine große Verbundenheit zu meiner Kolpingsfamilie.“ Von der Ortsebene ging es weiter zur Diözesanebene, dann zur Landesebene und bei Anna-Maria sogar bis zur Bundesebene.
„Durch das Ehrenamt kann man neue Impulse in den Alltag hineinbringen und viele neue Leute kennenlernen“, sagte Christopher Eing, Kolpingmitglied in der Kolpingjugend Wessum. Für Maurice Müller, Mitglied der Kolpingjugend Marl St. Georg, ist es wichtig, aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen: „Als Kolpingjugend stemmen wir da einen wirklich großen Teil, wir organisieren Veranstaltungen, sammeln Spenden.“
Und wie schaut es in ein paar Jahren aus, schließlich läuft momentan der Zukunftsprozess „Kolping Upgrade – unser Weg in die Zukunft“? „In 20 Jahren werden wir mehr Mitglieder haben, der Verband wird bekannter sein und zwar nicht nur in Europa, sondern auch international“, beschrieb Tamara Kieser, Mitglied der AG Jugend und Kirche, abschließend ihre Kolping-Zukunftsvision. 


#klargesagt: Europa – mehr als nur Sternchen

Für die Mehrheit des Publikums ist die Europäische Union ein wichtiger Bestandteil der eigenen Lebensrealität – das zeigte im Vorfeld  zumindest eine Live-Umfrage mithilfe der interaktiven App Plickers. Auch die Kolpingjugend beschäftigt sich seit Jahren kontinuierlich mit dem Thema und hat beispielsweise kürzlich einen Beschluss dazu gefasst, wie die EU ein Ort von Solidarität und sozialem Zusammenhalt werden kann.
Einen ersten Schwerpunkt setzte die Podiumsdiskussion auch direkt beim Thema Jugendarbeitslosigkeit. Dazu sagte Thomas Mann (CDU), der bereits seit 1994 Europa-Abgeordneter in Brüssel und Straßburg ist: „Ich bin da unter anderem stolz auf die Europäische Jugendgarantie.“ Mithilfe der Jugendgarantie können unter 25-Jährige nach vier Monaten Arbeitslosigkeit eine gezielte Förderung – beispielsweise in Form von Ausbildungsplätzen, Praktika und Fortbildungsmaßnahmen – beantragen.
Dass beim Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit auch eine gemeinsame Sozialpolitik notwendig sei, ergänzte Alexander Suchomsky, jugendpolitischer Bildungsreferent der Kolpingjugend Deutschland: „Wenn wir die EU im sozialen Bereich genauso aufstellen wie im Binnenmarkt, können wir den Populisten die Butter vom Brot nehmen.“ Eine europaweite Arbeitslosenversicherung oder eine länderübergreifende EU-Steuer für einen eigenen Finanzhaushalt seien nur beispielhafte Ideen.
Einen zweiten Schwerpunkt setzte die Diskussion dann anschließend beim Thema Kinderarmut. „Es kann nicht sein, dass es in Deutschland Kinder gibt, die kein Pausenbrot dabei haben“, forderte Ursula Groden-Kranich (CDU), seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Es sei falsch, im Bereich Jugendbildung zu sparen, denn das führe langfristig wiederum zu Armut – eine Art Teufelskreis. Eine stärkere Fokussierung auf Programme wie Erasmus+ könne hierbei Teil der Lösung sein.
Eine zusätzliche Stärkung außerschulischer Bildung verlangte in diesem Kontext Katharina Norpoth, ehrenamtliche Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): „Schließlich können Jugendverbände im Vergleich zur Schule noch sehr viel mehr Freiraum zur individuellen Entfaltung bieten.“ Man könne sie auch als Werkstätten der Demokratie bezeichnen: „Hier erlernen Jugendliche und junge Erwachsene die Grundsätze und auch die Vorteile partizipativer Zusammenarbeit.“


#klargesagt: Laudato Si – Klarheit schaffen

„Endlich hat damit auch die katholische Kirche einmal Klartext geredet“, fasste der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe die zweite Enzyklika von Papst Franziskus zusammen. „Laudato Si ist nicht bloß eine Umweltenzyklika. Franziskus will uns nachdrücklich zum Umdenken auffordern, sorgsamer und nachhaltiger mit unserem Planeten und seinen Ressourcen umzugehen.“
„Daran kann jeder von uns mitwirken“, betonte auch Martina Fornet Ponse, Referentin des kirchlichen Hilfswerkes Adveniat, das sich insbesondere für die Menschen in Lateinamerika einsetzt. Durch unser Handeln würden auch wir Europäer dazu beitragen, dass das Amazonasgebiet als Wirtschaftsraum beispielsweise durch Goldschürfung und Waldrodung ausgebeutet wird. „Lateinamerika scheint weit entfernt zu sein, doch der Sauerstoff jedes vierten Atemzuges, den ein Europäer macht, wird quasi in der Amazonasregion produziert.“
Als Möglichkeit für nachhaltiges Handeln stellte Till von Pidoll, Gründer der Firma Mobile Box, die Handysammelaktion vor. Die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie sei für das junge Startup immer wieder eine Herausforderung: „Wenn wir mehr Geräte sammeln, recyceln wir mehr Rohstoffe und verdienen dadurch auch mehr Geld, das wir spenden können. Doch ist es als junges Unternehmen sehr schwer, zu wachsen und stabil zu werden.“ Beispielsweise sei Amazon aufgrund mangelhafter Arbeitsbedingungen immer ein strittiger Vertriebsweg. „Es bleibt immer ein Abwägen, denn die perfekte Lösung gibt es nicht.“
Abschließend wünschte sich Weihbischof Wübbe, dass Nachhaltigkeit zum Anliegen aller Menschen werde. Insbesondere wir als Christen hätten einen Auftrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Gottes Schöpfung. Till ermutigte jeden Einzelnen, das zu tun, wozu man selbst in der Lage sei und wofür man leidenschaftlich brenne – egal wie klein der Beitrag erscheine.

Text: Franziska Tillmann
Fotos: Barbara Bechtloff, Tim Schroers