So sind wir

Möglichkeit, den Glauben lebendig zu halten

Wie gründet man eine Kolpingsfamilie? Die Kolpingsfamilie Höchenschwand ist so eine neu gegründete Kolpingsfamilie. Hier liest Du von den Erfahrungen der Kolpingmitglieder mit der Neu-Gründung.

Die guten Erfahrungen im Kolpinghaus motivieren Ivan Hoyanic, eine Kolpingsfamilie zu gründen. Bis das umzusetzen ist, dauert es eine Weile. Und auch nach der Gründung ist es nicht einfach, den Funken überspringen zu lassen. Wirklich aktiv ist eine kleine Gruppe Entschlossener.

Die Kraft, die im Beginnen liegt, kaum einer hat sie besser beschrieben als der Schriftsteller Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen": "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben." Weil Veränderungen zum Leben gehören, gehören auch immer wieder Neubeginne dazu. Manche geschehen einfach, andere nehmen wir eigenständig in die Hand. Pfarrer Ivan Hoyanic ist jemand, der selbst aktiv wurde – er wusste schon seit vielen, vielen Jahren, dass er eine Kolpingsfamilie gründen wird. Er war Seelsorger an mehreren Orten, aber erst im baden-würrtembergischen Höchenschwand sollte ihm gelingen, was er sich als Student fest vorgenommen hatte. Damals kam er nach Freiburg und fand so schnell keine Wohnung. Die Ordensschwestern im Kolpinghaus boten ihm ein Zimmer an. Dort, so sagten sie, könne er so lange bleiben, bis er eine eigene Unterkunft gefunden habe. "Das hat mir sehr geholfen und ich habe mir vorgenommen, dass ich, um den Geist Kolpings weiterzutragen, eine Kolpingsfamilie gründen werde", erzählt Pfarrer Hoyanic. Ende Juli 2013 war es dann soweit: die Kolpingsfamilie Höchenschwand-Häusern wurde ins Leben gerufen. Nach der Neugründung stimmten 65 Gründungsmitglieder, darunter 35 Jugendliche, über die Satzung ab und wählten das Leitungsgremium.

Keine leichte Zeit fürs Ehrenamt

Bereits im März 2006 führte Pfarrer Hoyanic erste Gespräche mit Christen aus seinen beiden Gemeinden. Unter anderem hatte er die Pfarrgemeinderatsmitglieder dazu eingeladen. Alle Anwesenden unterzeichneten am Ende der Versammlung eine Absichtserklärung, in der sie versicherten, eine Kolpingsfamilie gründen zu wollen. Was sich so mühelos anhört, war es nicht. Für seine Idee musste Pfarrer Hoyanic vorab kräftig werben und einiges an Überzeugungsarbeit leisten. "Ich musste viel erklären, denn hier in der Gegend war das Kolpingwerk kaum bekannt", erzählt er. Weder in Höchenschwand noch im nahen Häusern noch sonst in der Umgebung hatte es bisher eine Kolpingsfamilie gegeben. Nach der Unterzeichnung gingen jedoch weitere Jahre ins Land, bis der Entschluss in die Tat umgesetzt werden konnte. Denn: ein neues Gemeindezentrum wurde gebaut, Pfarrer und Gemeindemitglieder hatten alle Hände voll zu tun. "Erst als alles fertig war, konnten wir uns dem Projekt Kolping wieder widmen", erklärt Pfarrer Hoyanic. "Und jetzt bauen wir weiter auf, vor allem ist es uns ein Anliegen, die Jugend zu gewinnen." Momentan bestehe die Kolpingjugend fast ausschließlich aus Ministranten.

Als er von Pfarrer Hoyanic angesprochen wurde, erging es Heinz Kohlbrenner ähnlich wie den anderen. "Mir war Kolping zwar ein Begriff, doch ich wusste nicht viel darüber", sagt er, der einige Jahre im Vorstand war. Die Begeisterung des Pfarrers sei aber sofort auf ihn übergesprungen. "Was er erzählte, machte mich neugierig". Auch Cornelia Liebwein war schnell angetan. "Die Idee schien mir von Anfang an unterstützenswert", sagt sie. Ihren Glauben zu leben, sei ihr immer schon wichtig gewesen. "Kolping ist eine weitere Möglichkeit, den Glauben lebendig zu halten." Cornelia gehört inzwischen zu den Vorstandsmitgliedern. Auch ihr ist wichtig, Jugendlichen eine Anlaufstelle zu geben. "Gerade in der heutigen Zeit", sagt sie. Das Interesse sei allerdings kaum da. Nicht bei den jungen Leuten, aber auch nicht bei den Älteren. "Es gibt zwar immer wieder Presseberichte, wir machen auch viele Aktionen und engagieren uns in der Gemeinde, aber letztlich erhalten wir von außen keine Resonanz", so Cornelia.

Heinz glaubt, dass es nicht nur für Kolpingsfamilien schwer sei, Mitglieder zu gewinnen. "Es ist überhaupt keine leichte Zeit fürs Ehrenamt", befindet er. Er mache den Leuten keine Vorwürfe deshalb. Viele hätten so viel zu tun, dass sie abends zu erschöpft seien, um sich noch groß zu etwas aufzuraffen. "Vielen kann man es wohl gar nicht mehr zumuten, sich irgendwo zu engagieren", überlegt er laut. Auch innerhalb der Kolpingsfamilie Höchenschwand-Häusern seien nur die wenigsten aktiv, um die zehn Leute. Die anderen vierzig gäbe es vor allem "auf dem Zettel". Je nach Aktion sei das Interesse mal mehr, mal weniger da. "Kündigen wir Ausflüge an, ist die Begeisterung oft groß, doch wenn es dann so weit ist, kann es schon passieren, dass wir nur mit fünf Leuten dastehen", erzählt Heinz. Er mache immer häufiger die Erfahrung, dass sich Menschen im Voraus nur ungern festlegen wollen. "Die sagen, ich kann nicht zusagen, wer weiß, was in einem halben Jahr ist, aber ich weiß ja auch nicht, was in ein paar Monaten ist, und sage trotzdem fest zu." Seiner Stimme ist anzuhören, dass er die Sache dennoch mit Humor nehmen kann. "Es bringt ja nichts, zu jammern."

Man wolle nach vorne blicken, man mache weitere Pläne. "Kolping wird immer Zukunft haben", sagt Heinz. Auch weil Mitmenschlichkeit immer Zukunft haben werde. "Wir leben an unserem Ort nicht nebeneinander her, wenn jemand in Not ist, geht uns das etwas an", so Heinz weiter. Als ein Haus in der Umgebung abbrannte, habe man um die 2.000 Euro gesammelt. Das Geld kam aus einem Flohmarkt, den der Kirchenchor organisiert hatte, und dem sich die Kolpinger anschlossen. "Wem spenden, wohin spenden, das wird uns auch weiterhin beschäftigen", sagt Heinz. Sein Blick geht nicht nur ins eigene Umfeld. "Was Kolping in so vielen Ländern leistet, ist enorm, das beeindruckt mich sehr." Seinen jährlichen Mitgliederbeitrag sehe er als Spende für die weltweiten Projekte – Projekte, die auch erstmal ins Rollen gebracht werden mussten. "Jedes brauchte seinen Anlauf, seine Zeit, und bei uns ist es nicht anders", sagt Heinz. Hauptsache der Anfang sei gemacht.

Die Kolpingsfamilie Höchenschwand-Häusern hat 57 Mitglieder. Sie gehört zum Diözesanverband Freiburg. Dem Diözesanverband gehören insgesamt 176 Kolpingsfamilien an, in denen es 12.853 Mitglieder gibt. 

Text: Sylvie-Sophie Schindler
Fotos: Kolpingsfamilie Höchenschwand


Dieser Beitrag ist auch erschienen im Bildband "So sind wir! 27 Einblicke in Kolpingsfamilien vor Ort", 192 Seiten, Format: 19 x 25,5 cm, Artikel-Nr: 1027, Preis: 12,95 EUR.