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Mit Gottvertrauen und Tatkraft in die Zukunft

Grußwort zum Josefschutzfest 2021

Der 1. Mai – der Tag der Arbeit – hat für unseren Verband eine besondere Bedeutung. Wir gedenken an diesem Feiertag auch des heiligen Josefs – des Handwerkers und Ziehvaters Jesu, den bereits Adolph Kolping zum Schutzpatron unseres Verbandes erwählt hat. Dieser Tag erhält 2021 einen weiteren Akzent: Papst Franziskus hat dieses Jahr mit seinem apostolischen Schreiben Patris Corde zum „Jahr des heiligen Josefs“ ausgerufen.

Mit diesem Schritt verweist Franziskus auf die außergewöhnlichen Erfahrungen, die wir in der derzeitigen Pandemie machen. Wir gewinnen einen neuen Blick auf die Arbeit und auf die Menschen, die diese leisten. In der modernen Arbeitswelt hatten wir uns daran gewöhnt, das Ansehen der Menschen in erster Linie nach Erfolg, Leistung und Karriere zu bemessen. Doch in der aktuellen Pandemie wird deutlich, dass es nicht nur die Manager sind, die das wirtschaftliche Leben erhalten, bestimmen und voranbringen. Einfache Menschen kamen in den Blick, Menschen wie du und ich. Wir mussten erst wieder neu lernen, dass „unser Leben von gewöhnlichen Menschen gestaltet und erhalten wird“, so Franziskus. Menschen, die normalerweise nicht im Vordergrund stehen und dennoch unverzichtbar sind. Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen, an den Kassen der Supermärkte, als Ordnungskräfte und in vielen „systemrelevanten Berufen“ ihre Arbeit tun. Menschen, die als Eltern in der Doppelbelastung von Homeoffice und Homeschooling Tag für Tag ihren Beitrag leisten, damit sie und ihre Familie die Krise durchstehen. Menschen, die unverschuldet in Arbeitslosigkeit und existenzielle Not geraten, die alleine zuhause an Vereinzelung und Einsamkeit leiden.

Auch der heilige Josef war solch ein Mensch. Er steht in den biblischen Geschichten im Hintergrund, und man erfährt kaum etwas über ihn. Nur an wenigen Stellen tritt er als ein Mann der Tat in Erscheinung – unauffällig und unaufgeregt, aber mutig, verantwortungsvoll und zupackend. Ein Mann, der Träume hatte und aufgeschlossen war für die Botschaften Gottes. Er war offen für Änderungen und Wendungen in seinem Leben. Immer war er da, wenn er gebraucht wurde. Auch und gerade in schweren Zeiten. Ohne große Worte kümmerte er sich um seine kleine aber doch so bedeutsame Familie und brachte sie heil durch Not, Verfolgung und Vertreibung. „Der heilige Josef erinnert uns daran, dass all jene, die scheinbar im Verborgenen oder in der ‚zweiten Reihe‘ stehen, in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielen“, stellt Franziskus fest.

Der heilige Josef erkannte, wo er gebraucht wurde. Er lamentierte nicht, sondern handelte in großem Gottvertrauen und zeigte Tatkraft – beides Eigenschaften, die ihn mit Adolph Kolping verbinden. Beide rufen uns heute dazu auf, unsere Gegenwart mit ihren Nöten und Fragen in den Blick zu nehmen, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und so die Zukunft zu gestalten. Der Aufruf gilt jedem von uns, „ohne Unterschied, wie es ihm nach Maßgabe seiner Kräfte und Mittel nur möglich ist", so Adolph Kolping.

Die Verbandsleitung des Kolpingwerkes Deutschland hatte dieses vor Augen als sie überlegte, wie wir im „Jahr des heiligen Josefs“ das Josefschutzfest begehen können – ein Fest, dass eigentlich ein Anlass ist, um vor Ort in unseren Kolpingsfamilien Gemeinschaft zu erfahren und Begegnungen zu ermöglichen. Leider wird uns dies alles pandemiebedingt nicht möglich. Deshalb laden wir dazu ein, nicht in Unzufriedenheit über die derzeitig belastende Situation zu verharren, sondern den Blick nach vorn zu richten und das Notwendige zu tun, um die Kolpingsfamilien vor Ort und unseren Verband sicher für die Zukunft aufzustellen. Unter dem Motto „ZukunftsFest“ haben wir vier unterstützenswerte Projekte ausgewählt – eines pro Handlungsfeld unseres Verbandes. In jedem dieser vier Projekte gilt es, Engagement zu stärken und neue Perspektiven zu öffnen: Wir wollen belasteten Familien einen unbeschwerten Urlaub ermöglichen, Kolpingfamilien vor Ort in ihrer generationsübergreifenden Arbeit stärken, jungen Menschen ein Zuhause während ihrer Ausbildung geben und jungen Freiwilligen die Chance auf eine prägende Lebenserfahrung ermöglichen. Bitte unterstützt diese Anliegen soweit ihr könnt – nach Maßgabe eurer Mittel und Kräfte.

Der heilige Josef hat mit Gottvertrauen und Mut, Geduld und Tatkraft gezeigt, wie auch wir zum Heil unserer Mitmenschen beitragen und damit selbst Teil des göttlichen Schöpfungs- und Heilsgeschehens werden können. Ein Gedanke und Auftrag – ganz im Sinne Adolph Kolpings – für das Josefschutzfest 2021 in diesem „Jahr des heiligen Josefs“.

 

Ursula Groden-Kranich MdB  
Bundesvorsitzende

Josef Holtkotte
Bundespräses

Ulrich Vollmer 
Bundessekretär