Bundesebene News

Kolpingwerk Deutschland fordert Garantierte Alterssicherung

Mit einer rentenpolitischen Neupositionierung bringt sich der Bundesvorstand des Kolpingwerkes in die Debatte zur Zukunft des deutschen Rentensystems ein. Neben dem bisherigen Ziel, Altersarmut zu vermeiden, betont der katholische Sozialverband die Bedeutung einer langfristig gesicherten Finanzierung der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Mit der Idee einer Garantierten Alterssicherung hat sich der Bundesvorstand des Kolpingwerkes auf einen umfangreichen Debattenbeitrag zur Zukunft des Rentensystems verständigt. Die Idee einer Garantierten Alterssicherung sieht vor, dass jeder und jede gesetzlich Rentenversicherte bei Renteneintritt ein garantiertes Alterseinkommen erhält, sofern fünf Beitragsjahre nachgewiesen werden. Die pauschale Höhe soll bei 784 Euro für Alleinstehende bzw. 1295 Euro für Ehepaare liegen und bemisst sich damit an den Vorgaben des 12. Existenzminimumberichts der Bundesregierung. Darauf aufbauen sollen die individuellen Ansprüche aus der Gesetzlichen Rentenversicherung. Wer also mindestens fünf Jahre Beitragszeit in der Gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen kann, erhält im Endeffekt nicht nur die Garantierte Alterssicherung, sondern zusätzlich eine leistungsbezogene Rente, die sich wie bisher an den individuell erworbenen Rentenanwartschaften bemisst.

„Das Umlageverfahren der Gesetzlichen Rentenversicherung hat sich über viele Jahrzehnte bewährt und soll weiterhin den Kern unseres Rentensystems bilden. Denn Lebensleistung muss sich im Alter widerspiegeln“, erklärt Bundessekretär Ulrich Vollmer. „Dennoch gibt es zunehmend mehr Menschen, die auch nach vielen Jahren der Erwerbs- und Familienarbeit im Ruhestand von Altersarmut betroffen sind. Mit der Garantierten Alterssicherung schlagen wir eine Grundversorgung vor, die für einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung Altersarmut unmöglich macht. Und zwar losgelöst von einer Bedarfsprüfung.“ Finanziert werden soll die Garantierte Alterssicherung aus Steuermitteln. Im Gegenzug zu den notwendigen Steuererhöhungen schlägt Kolping eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrags vor.

Die vom Bundesvorstand vorgenommene rentenpolitische Neupositionierung geht damit über das bisherige Sockelrentenmodell der Katholischen Verbände hinaus. Dazu ergänzt Ulrich Vollmer: „Wir haben das Rentenmodell der Katholischen Verbände in den vergangenen Jahren neu bewertet. Das Hauptziel – Altersarmut vermeiden – ist aus unserer Sicht nach wie vor gültig.“ Für das Kolpingwerk gehe es darüber hinaus aber auch um die Frage, wie das Rentensystem langfristig auf einem soliden finanziellen und zugleich generationengerechten Fundament stehen kann.

Deshalb finden sich in der gemeinsamen Neupositionierung des Bundesvorstandes des Kolpingwerkes Deutschland sowie der Kolpingjugend Ideen für eine nachhaltige und stabile Finanzierung des Rentensystems. Dazu gehört die Dynamisierung des Renteneintrittsalters nach 2029 und die Einführung eines standardisierten Altersvorsorgeproduktes in Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung. Letzteres könnte eine Alternative zur umstrittenen Riester-Rente darstellen.

Mit Interesse erwartet das Kolpingwerk die Ergebnisse aus der Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“. Diese wurde von der Bundesregierung im Frühjahr 2018 eingesetzt und soll im März Ideen für eine langfristige Reform des Rentensystems vorlegen. „Für ein gerechtes und dauerhaft stabiles Rentensystem braucht es mutige Ideen. Wir hoffen, mit unseren Vorstellungen die rentenpolitische Debatte zu bereichern“, bemerkt Ulrich Vollmer.

Zur Neupositionierung im Wortlaut


Bild: Wilfried Ohnke auf pixabay