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„Kölner Gespräche 2021": Weiterentwicklung der Erinnerungskultur

Seit 2006 veranstaltet das Kolpingwerk Deutschland alljährlich die „Kölner Gespräche“ – die dieses Jahr erstmals digital stattfanden. Gastredner war Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat bei den „Kölner Gesprächen“ dazu aufgerufen, die Erinnerungskultur weiterzuentwickeln. Das sei angesichts der sinkenden Zahl an Zeitzeugen und des wachsenden zeitlichen Abstands zum Holocaust ungeheuer wichtig. Die Erinnerungskultur müsse „mit modernen Formen auch junge Menschen ansprechen, egal, woher sie oder ihre Familien stammen“, forderte der 66-Jährige, der als Gastredner eingeladen war.

Nachdem die Veranstaltung des Kolpingwerkes Deutschland vergangenes Jahr pandemiebedingt noch ausfallen mussten, fand sie dieses Jahr erstmals ausschließlich im Internet statt. Zu sehen war der Videostream am Samstag (13. März) sowohl auf Kolping.de als auch im Web-TV des Kooperationspartners „Domradio“. Bewusst werden bei den „Kölner Gesprächen“ Themen und Fragen aus Gesellschaft sowie Politik, Religion und Kirche aufgegriffen und jeweils in den öffentlichen Diskurs gebracht. Angesichts des Festjahres zur 1.700-jährigen jüdischen Geschichte in Deutschland stand die in Köln und Würzburg aufgezeichnete Veranstaltung diesmal unter der Überschrift „Mitten in unserer Gesellschaft – Gegen das Vergessen.“

Kooperation mit Kultusministerkonferenz

In ihrer Begrüßungsrede sagte daher auch Ursula Groden-Kranich, MdB, die Bundesvorsitzende des Kolpingwerkes Deutschland, dass gemeinsam immer wieder daran gearbeitet werden müsse, „das Judentum mitten in unserer Gesellschaft erblühen zu lassen“ und jederzeit dafür einzustehen, „dass Antisemitismus hier keinen Platz haben darf“. Leider sei dieser aber noch viel zu oft sicht- und spürbar, machte Schuster in seinem Vortrag mit dem Titel „Gegen das Vergessen“ deutlich. „Heute ist auf Schulhöfen und im Sport das Wort „Jude“ ein Schimpfwort geworden“, betonte er.

Um jüdische Geschichte, Religion und Kultur in ihrer ganzen Vielfalt zu vermitteln, kooperiere der Zentralrat bereits mit Verlagen und der Kultusministerkonferenz (KMK). Gemeinsam würden etwa Schulbücher, didaktische Materialien und Lehrpläne überarbeitet.

Wissen über das Judentum zu vermitteln, reiche aber nicht aus, um Schülerinnen und Schüler gegen Antisemitismus zu wappnen und sie dafür zu sensibilisieren. „Es muss über die verschiedenen Formen des Antisemitismus aufgeklärt werden, die die Jugendlichen heutzutage vor allem im Internet antreffen“, sagte Schuster. Auch Lehrerinnen und Lehrer müssten gezielt fortgebildet werden. Im Sommer werde daher eine Arbeitsgruppe der KMK und des Zentralrats Empfehlungen vorstellen, wie Schulen mit Antisemitismus umgehen beziehungsweise ihm vorbeugen können.

Video auf YouTube abrufbar

Der Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, Josef Holtkotte, dankte Schuster für dessen Achtsamkeit, mit der er „unsere Zeit und Gesellschaft, die Geschichte und den Menschen beleuchtet“ hat. Schusters Stimme werde gebraucht, um Überzeugungen zu stärken, die Menschen schützen und Leben bewahren. Dass jeder Mensch im Licht Gottes wandele, sei die gemeinsame Überzeugung von Judentum und Christentum. Nur mit Respekt voreinander und mit einem Verständnis füreinander würden die Wege der Menschen friedliche Wege bleiben.

Wer die Erstausstrahlung der „Kölner Gespräche“ verpasst hat, hat dennoch die Chance, sich die Wort- und Musikbeiträge anzusehen: Die komplette Aufzeichnung der Veranstaltung ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal des Kolpingwerkes verfügbar.

Fotos: Daniel Karmann