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Klimaschutz muss generationengerecht, sozial und europäisch sein

Am Freitag findet der Klimastreik unter ungewohnten Bedingungen statt. Trotz der Corona-Pandemie ist es aber wichtig, weiterhin für eine nachhaltige Klimapolitik zu streiten. Die Bundesleitung der Kolpingjugend im Kolpingwerk Deutschland positioniert sich hierzu.

Der Klimawandel ist die größte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung unseres Jahrhunderts. Seit 2019 reift insbesondere in der jungen Generation ein starkes Bewusstsein für die Zukunft unseres Planeten: In den vergangenen Monaten sind weltweit Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam auf die Straße gegangen, um für Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Der Bewegung „Fridays for Future“ ist es damit gelungen, die politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel zum Umdenken zu bewegen.

Für die Kolpingjugend Deutschland geht es beim Umwelt- und Klimaschutz um etwas ganz Wesentliches: Die Bewahrung der Schöpfung. Denn die Auswirkungen des Klimawandels betreffen alles und jede*n. Ohne die natürlichen Grundlagen – Boden, Wasser und Sauerstoff – ist kein Leben auf diesem Planeten möglich. Schmelzende Polarkappen in der Arktis, anhaltende Buschbrände in Australien, Dürrephasen mitten in Europa, Überflutungen in unzähligen Gegenden der Welt: Extreme Klimaphänomene treten in ungewöhnlicher Häufigkeit auf und bedrohen die Existenz von Mensch und Tier. Der sogenannte „Point of no Return“ – der Zeitpunkt, an dem die Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen nicht mehr eingedämmt werden können – rückt damit immer näher.

Vielen Entscheidungsträger*innen in Politik und Wirtschaft ist der Zusammenhang zwischen den Klimaextremen und der menschengemachten Verantwortung in den vergangenen Monaten deutlich bewusster geworden. Aufgrund dessen ergreifen mittlerweile nicht nur Regierungen, sondern gerade auch Unternehmen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels. Dabei zeichnet sich aktuell jedoch eher ein diffuses, als ein völlig durchdachtes Bild ab. Im Zuge der Corona-Pandemie geraten dringend erforderliche Maßnahmen teilweise aus dem Blick. Aus Sicht der Kolpingjugend ist es aber unerlässlich, dass die Zukunft unseres Planeten weiterhin oberste Priorität hat.

Generationengerecht, europäisch, sozial – Die Basis für gute Klimapolitik

Der Klimaschutz muss generationengerecht gestaltet, sozial ausgewogen und europäisch umgesetzt werden. Diese Leitlinien bilden die Basis für eine gute Klimapolitik. Mit dem Klimaschutzpaket hat die Bundesregierung im vergangenen September einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Viele Fragen bleiben aber bisher noch unbeantwortet; die anvisierten Maßnahmen werden kaum ausreichen. Mit ihrem „European Green Deal“ hat die Europäische Kommission im Dezember nachgelegt. Sie unterstreicht damit, dass gelungene Klimapolitik nur gemeinsam auf europäischer Ebene gelingen kann.

Generationengerechter Klimaschutz

Jung bis Alt müssen an einem Strang ziehen, wenn es darum geht, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen. Die Mehrzahl der Verantwortungsträger*innen in Politik und Wirtschaft gehört nicht zur jungen Generation. Doch sie werden in den letzten Monaten vermehrt mit den Forderungen junger Menschen konfrontiert. Ziel der Klimapolitik muss es sein, die Interessen aller Generationen und Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen. Wichtig ist aber, dass Politiker*innen, Unternehmenslenker*innen und sonstige Verantwortungsträger*innen die Perspektive junger Menschen bei ihren Entscheidungen besonders stark gewichten. Denn für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben die Entscheidungen, die im Hier und Jetzt getroffen werden, lebenslange Auswirkungen. Die Folgen des Klimawandels dürfen nicht auf spätere Generationen abgewälzt werden, sondern müssen heute verhindert werden.

Sozialer Klimaschutz

Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels verursachen Kosten, die häufig jenen aufgebürdet werden, die nur einen geringen Anteil am Klimawandel tragen. Auch junge Menschen, die in der Regel über geringe oder moderate finanzielle Mittel verfügen, sind davon besonders stark betroffen. So werden Auszubildende, Studierende und junge Arbeitnehmer*innen relativ gesehen besonders stark belastet, wenn es zum Beispiel darum geht, die Kosten der Energiewende über die sogenannte EEG-Umlage zu finanzieren. Häufig leiden sie gleichzeitig unter hohen Mietkosten und finanzieren damit die umweltgerechte Sanierung von Wohnhäusern mit. Zugleich sind junge Menschen besonders häufig auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, deren Nutzung meistens viel zu teuer ist. Es braucht eine sozial ausgewogene Klimapolitik, die Menschen mit niedrigen Einkommen verhältnismäßig gering belastet.

Europäischer Klimaschutz

Die EU verfolgt eine gemeinsame Klimapolitik und hat mit ihrem European Green Deal ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm vorgelegt. Dieser strebt das Erreichen der sogenannten Klimaneutralität bis 2050 an. Ab diesem Zeitpunkt darf nur noch so viel Kohlendioxid ausgestoßen werden, wie gleichzeitig abgebaut werden kann. In vielen Mitgliedsstaaten ist die realistische Umsetzung dieses Ziels bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts äußerst zweifelhaft. Um alle Staaten der EU zur verbindlichen Einhaltung dieser Ziele zu verpflichten, bedarf es durchsetzungsfähiger Sanktionsmechanismen. So sollte jenen Staaten, die die Zwischenziele für 2030 und 2040 nicht einhalten, finanzielle Mittel aus den Strukturfonds der EU gekürzt werden. Dies ist zwar eine sehr harsche Form der Sanktion, aber sie soll unterstreichen: Nur wer glaubhaft und diszipliniert bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen mitwirkt, kann auch die finanzielle Solidarität anderer EU-Mitgliedsstaaten in Anspruch nehmen.

Konkreter Handlungsbedarf für das Klima

Generationengerechtes und sozialverträgliches Handeln, unterstützt durch eine gemeinsame europäische Strategie – nicht nur, aber vor allem mit diesen Leitlinien lässt sich Klimapolitik in Deutschland verfolgen. Konkret sieht die Kolpingjugend Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:

Energie und Ressourcen

Die Kolpingjugend fordert einen unverzüglichen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Ein endgültiger Ausstieg darf nicht erst im Jahr 2038 erfolgen. Um den Wegfall der Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle zu kompensieren, müssen bestehende Hürden für den Ausbau erneuerbarer Energien abgebaut sowie erneuerbare Energien zusätzlich gefördert werden. Vor allem bedarf es aber auch eines Ausbaus der für den Energietransport erforderlichen Stromnetze.

Infrastruktur und Verkehr

Die Kolpingjugend fordert einen entschiedenen Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Dazu braucht es sowohl einen Ausbau der Schieneninfrastruktur als auch mehr Züge sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr. Aber auch innerhalb von Städten und Dörfern muss Bahn- und Busfahren attraktiver werden. Dazu muss mindestens ein 365-Euro-Jahresticket gehören. Darüber hinaus müssen Radwege ausgebaut werden.

Bildung und Forschung

Die Kolpingjugend fordert die verbindliche Aufnahme von fächerübergreifenden Inhalten zum Umwelt- und Klimaschutz in die Lehrpläne aller Schulformen – von Biologie und Physik über Erdkunde bis hin zu Geschichte. Daneben müssen die finanziellen Mittel zur Erforschung klimafreundlicher Technologien an Universitäten und Fachhochschulen deutlich aufgestockt werden.

Landwirtschaft und Ernährung

Die Kolpingjugend fordert einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Neben einer stärkeren Förderung der ökologischen Landwirtschaft muss sich das Bewusstsein durchsetzen, dass der Konsum regionaler Lebensmittel in der Regel ressourcensparender und umweltfreundlicher ist. Denn durch kürzere Transportwege können CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden. Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes muss in der Verteuerung von Fleischprodukten liegen.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen basieren auf Überlegungen, die bei einer gemeinsamen Sitzung des Bundesfachausschusses „Verantwortung für die Eine Welt“ des Kolpingwerkes und der Kolpingjugend am 24. August 2019 in Frankfurt am Main formuliert wurden. Die vollständige Liste mit den Forderungen findet man auf Seite 27 in der Ausgabe 2019/4 von Idee & Tat.

 

Foto: Barbara Bechtloff