Alexandra Siepmann arbeitet in Berlin als neue Referentin für Jugendwohnen beim Verband der Kolpinghäuser.

Dr. Alexander Herb, Geschäftsführer des Verbandes der Kolpinghäuser, und Alexandra Siepmann bei einem Besuch im Bundessekretariat.

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Jugendwohnen wichtig für erfolgreiche Ausbildung

Interview mit Alexandra Siepmann

Kolping ist der größte gemeinnützige Träger von Jugendwohnen in Deutschland. Aber wissen das die Entscheider in Politik und Wirtschaft? Darüber sprach Martin Grünewald mit der neuen Referentin für Jugendwohnen beim Verband der Kolpinghäuser.

Der Berufsausbildungsstart naht. Der Sohn oder die Tochter muss auswärts einen Ausbildungsplatz antreten. Kann dabei das Jugendwohnheim entscheidend helfen?
Alexandra Siepmann: In Deutschland gibt es rund 450 Einrichtungen mit etwa 20.000 Plätzen, in denen junge Menschen während ihrer Ausbildung ein Zuhause finden. Kolping ist der größte gemeinnützige Anbieter von Jugendwohnen in Deutschland. Das geht unmittelbar auf Adolph Kolping zurück, der Gesellenhospize gegründet und somit das Jugendwohnen erfunden hat.

Wenn ein 18-Jähriger das Elternhaus verlässt, ist das ja kein leichter Schritt.
Genau. Deshalb sehen sich die meisten Einrichtungen als aktive Begleiter der jungen Menschen, die dort eine Heimat finden. In den meisten Häusern begleiten ausgebildete Sozialpädagogen die Bewohnerinnen und Bewohner nach Bedarf in den persönlichen Fragen des Alltags. Die Einrichtungen verstehen sich nicht als bloße Vermieter, sondern vielmehr als Angebote der Jugendsozialarbeit. Und so bilden sie einen wichtigen Baustein für eine erfolgreiche Ausbildung. Denn Teilnehmende des Jugendwohnens brechen seltener ihre Ausbildung ab.

Wissen das auch die Entscheider in Politik und Wirtschaft?
Nicht automatisch. Häufig ist das Jugendwohnen den genannten Akteuren zwar abstrakt bekannt, aber es fehlt meist ein genaueres Wissen und Bewusstsein, es in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Wir informieren über Abläufe, Angebote und Chancen des Jugendwohnens. Morgen besuche ich zum Beispiel eine Veranstaltung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Herausforderung der Fachkräftesicherung. Dort begegne ich verantwortlichen Akteuren aus Politik, Handwerk, Industrie und Handel. Ziel der Tagesveranstaltung ist es, die Netzwerkarbeit zu verbessern. Meine Aufgabe ist es dabei, das Angebot des Jugendwohnens als Baustein zur Fachkräftesicherung zu platzieren.

Also machen Sie politische Lobbyarbeit?
Ich möchte, dass möglichst viele Jugendliche eine Chance haben, ihre gewünschte Ausbildung durch das Jugendwohnen ermöglicht zu bekommen. Dazu informiere ich über die Lebenslagen Jugendlicher, ihre Möglichkeiten, bei uns ein Zuhause zu finden und über die Rahmenbedingungen der Einrichtungen, damit diese erhalten und verbessert werden können.
Das bildet aber nur einen Teil meiner Arbeit ab. Als Referentin des Jugendwohnens im Verband der Kolpinghäuser nehme ich konkret die Themenfeldverantwortung der Bundesarbeitsgemeinschaft katholische Jugendsozialarbeit wahr. Dazu gehört, im Austausch unter den Einrichtungen fachlich zu begleiten, aktuelle Bedarfe herauszuarbeiten und Perspektiven gemeinsam zu entwickeln. Das gilt sowohl nach innen wie nach außen.

Warum ist diese Stelle neuerdings in Berlin angesiedelt?
Das liegt doch auf der Hand: Das Jugendwohnen ist ein bundespolitisches Thema im Parlament, in Ministerien und in Verbänden. Und die sind alle in der Bundeshauptstadt beheimatet. Das erfordert Präsenz in Berlin.

Was qualifiziert Sie für diese Aufgabe?
Zunächst habe ich eine Ausbildung als Diplompädagogin absolviert. Für Verbände arbeite ich seit meinem Berufseinstieg auf Diözesan-, Landes- und Bundesebene. Zum Beispiel habe ich als Bildungsreferentin für die Deutsche Pfadfinderschaft (DPSG) gearbeitet. Dabei habe ich gelernt, Themen verbandlicher Arbeit und Diskussionen auf unterschiedlichen Ebenen zu begleiten. In der politischen Interessenvertretung habe ich mehrere Jahre Erfahrungen gesammelt, unter anderem mit Fördermittelgebern, im Dialog mit Ministerien und in Kontakt mit Bundestagsabgeordneten. Dabei habe ich die Interessen von Verbänden auf Bundesebene in einem sozialpolitischen Themenfeld koordiniert.

Wie sind die ersten Eindrücke?
Mir gefällt besonders, dass die Grundidee von Adolph Kolping, jungen Menschen in der Fremde ein Zuhause zu geben, heute so aktuell ist. Der Verband der Kolpinghäuser hat seine Geschäftsstelle in Köln genau an der Adresse, an der Adolph Kolping einst das erste eigene Gesellenhospiz errichtete. Ich vertrete eine Tradition, die heute genauso wertvoll ist wie damals und offen für jedermann.

Was können Kolpingsfamilien heute dafür tun? 
Ich würde jede Kolpingsfamilie dafür begeistern wollen, auf das Jugendwohnen in ihrer Nähe zuzugehen. Dann können sich gemeinsame Schnittstellen zeigen – von der unverbindlichen Einladung zum Sommerfest über Bildungsangebote bis hin zu Patenschaften für die jungen Menschen in Ausbildung.

Die Fragen stellte Martin Grünewald


Weitere Informationen
Jugendwohnen – Alexandra Siepmann