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Gott im Brot sehen – das Einfachste und das Allerheiligste

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl zu Fronleichnam.

Wie wird Fronleichnam in diesem Jahr werden? Die Pandemie hat in den vergangenen Jahren Prozessionen unmöglich gemacht oder erheblich eingeschränkt. Die aktuellen Umstände sorgen dafür, dass immer mehr Menschen ohne die Gemeinschaft der Kirche ihren Weg gehen wollen. Wir werden weniger. Auch die Prozessionen werden kleiner.

Und doch wird es wieder so sein: Blumenteppiche werden ausgelegt, Blasmusik erklingt, um den Gesang der Menschen zu begleiten, und die ganze Pracht, die die Kirche kennt, wird in Gottesdienst und Prozession aufgefahren, weil am Hochfest des Leibes und Blutes Christi, an Fronleichnam, das Allerheiligste gezeigt, angebetet und verehrt wird: Christus, der sich mit Leib und Blut ganz und gar  an die Menschen verschenkt.

Was wir da mit großer Pracht zeigen und feiern, ist eigentlich etwas ganz Schlichtes, ein Grundnahrungsmittel, das täglich auf dem Tisch des Hauses liegt. Wenn es fehlt, fehlt etwas ganz Wesentliches für unser Leben.

Das Brot, das geteilt und gegessen wird, wählt Jesus ganz bewusst, um den Jüngern zu vermitteln: „Das bin ich – hingegeben für Euch“. Damit zeigt er den Jüngern das Sinnbild seiner Lebenshingabe und macht deutlich, dass die, die Mahlgemeinschaft mit ihm haben, auch selbst aus der Kraft dieser Hingabe leben können und sollen.

Und damit sind wir mitten im Festgeheimnis: es geht um das Einfachste, das Naheliegendste und Schlichteste, das zugleich das  Allerheiligste ist.  Dass wir füreinander zum Brot werden, weil Jesus für uns zum Brot geworden ist. Dass wir dieses Brot in die Welt tragen, weil Liebe und Hingabe Segen bringen, Kraft geben und uns zu Menschen machen, die aufeinander achten und füreinander sorgen.

Wir spüren, wie wichtig und unerlässlich eine solche Haltung ist, wenn man sich für Frieden und Versöhnung einsetzt. Wir erhalten eine Ahnung von der Heiligkeit der Liebe, wenn wir erleben müssen, wie es ist, wenn die Liebe fehlt oder wenn der Liebe Gewalt angetan wird, wo Menschen ungerecht behandelt, gedemütigt, nicht beteiligt, unterdrückt, ausgegrenzt und missbraucht werden.

Manch einem mag das Brauchtum, das sich um die Fronleichnamsprozession herum entwickelt hat, fremd vorkommen, aber der Grundgedanke ist der: das, was dem Menschen am nächsten, nämlich an seinem Herzen liegt, was sein Leben täglich stärkt und erneuert, ist zugleich das Allerheiligste: die Liebe, die sich einsetzt und hinschenkt: für Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden.

Da sind auf einmal alle Lebensbereiche betroffen: im Kleinen unserer mitmenschlichen Beziehungen genauso wie in der großen Politik. Da hinein geht die Prozession mit dem Schlichtesten und dem Allerheiligsten. Da soll der Segen Gottes wirksam werden: im einfachen, naheliegenden, menschlichen.

Adolph Kolping sagt einmal: „Es ist auch eine soziale Wahrheit, daß der Mensch nicht bloß vom Brote lebt, sondern des Wortes Gottes bedarf, um zu existieren.“

Beides gehört zusammen: das Brot und das Wort des Lebens. Das wird uns am Fronleichnamsfest vor Augen geführt und ans Herz gelegt. Uns, die wir immer wieder im Brot des Lebens, das Sakrament der Liebe Gottes, Christus selbst und seine Liebe empfangen.

Orientieren wir uns an seinem Wort und an seinem Tun? – Nicht Glaubenssätze sind neu zu formulieren, dass sie wieder passen, der Geist Jesu und sein Gedankengut müssen von denen neu aufgenommen werden, die sich auf ihn berufen.

Wir öffnen uns seinem Geist, wenn wir immer wieder die Heiligen Schriften lesen und wenn wir uns in der Feier der Eucharistie an das erinnern, was er für uns getan hat, und ihm darin nachfolgen. Dann werden auch wir Christen glaubwürdiger sein, und die Menschen werden spüren, dass es mit unserem Allerheiligsten mehr auf sich hat, als die Pflege eines alten Brauches, und dass wir uns als Menschen und als Christen erweisen, wenn wir aus dieser Liebe leben.

 

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Bild: James Coleman on unsplash.com