Foto: Swaantje Hehmann

So sind wir

Gemeinsam wuppen für den guten Zweck

Am Wochenende haben Kolpingsfamilien in der Region wieder Kleider gesammelt: Auf Werner Titgemeyers oranger Wollmütze prangt in weißen Lettern das Wort "Verantwortung". Seit rund 40 Jahren ist er zweimal jährlich bei den Sammlungen der Kolpingsfamilien dabei. Jetzt war es wieder soweit.

Holzhausen, Samstag, 8.45 Uhr: Der tiefgraue Himmel regnet sich über einer Gruppe Männer aus. Ein Nachzügler rückt an, ein anderer holt sich noch Frühstück, es werden Witze erzählt. Als die Gruppe vollständig ist, werden Warnwesten verteilt. Die Kolpingsfamilie ist eine von 14 Kolpingsfamilien aus dem Bezirk Iburg – neben Holzhausen-Ohrbeck gehören auch Bad Iburg, Bad Laer, Borgloh, Dissen-Bad Rothenfelde, Gellenbeck, Georgsmarienhütte-Malbergen, Glandorf, Glane, Hagen, Harderberg, Kloster Oesede, Oesede und Remsede dazu – die wieder Kleidung sammeln.

Werner Titgemeyer ist seit rund 40 Jahren bei der zweimal jährlich stattfindenden Sammlung der Kolpingsfamilien dabei. Zunächst hatten die Freiwilligen Altpapier gesammelt. Als das dann von der Stadt übernommen wurde, schwenkten sie auf Altkleider um. Titgemeyer bespricht die Fahrtrouten und verteilt die zwölf Aktiven auf die vier Fahrzeuge, drei Kleintransporter und einen Trecker mit Anhänger. Die wurden von Firmen aus der Region zur Verfügung gestellt. Nicht für jeden ist ein Platz im Führerhaus, manche fahren auf den Ladeflächen mit. Es sei aber in all den Jahren noch nie etwas schiefgegangen, erzählt Titgemeyer.

Die Kleidersammlung gehört in Holzhausen schon lange zum jährlichen Programm, man kennt sich. Gleich bei einem der ersten angefahrenen Häuser wird der Organisator auf Plattdeutsch begrüßt. Kleiderspenden hat die Familie dieses Jahr zwar nicht, aber einen Schnaps für Titgemeyer, der heute zum Glück nicht selbst am Steuer sitzt. „Das gehört halt dazu“, sagt er. Weiter geht es quer durch den Ort. Im Transporter klappert es bei jeder Unebenheit im Boden. Und nach und nach füllt sich die Ladefläche mit den durchsichtigen Plastiksäcken, auf denen das Kolping-Logo abgebildet ist. Die hatten Freiwillige zwei Wochen zuvor im Ort verteilt. Manchmal stünden die Kleiderspenden nicht rechtzeitig an der Straße, so Titgemeyer: „Aber da fahre ich dann eben auch nach der Sammlung noch vorbei.“

Am Steuer sitzt diesmal Markus Hein. Er hat schon als Kind bei der Kleidersammlung mit angepackt, 15 Jahre ist das jetzt her. Zwischen den Stationen tauschen er und Titgemeyer den neuesten Tratsch im Ort aus, sprechen über gemeinsame Freunde und die Sammelaktionen der letzten Jahre. Hein erspäht die nächsten Säcke, Titgemeyer öffnet die Schiebetür, springt aus dem Wagen und wirft die Spenden auf die Ladefläche. Das schmatzende Geräusch macht klar: Der Regen ist stärker geworden. Inzwischen sind die Wohnsiedlungen abgegrast, es geht zu den Höfen im Außenbereich. Die Straßen werden schmaler, die Kurven enger: „Hier darf uns aber auch nichts entgegenkommen“, scherzt Fahrer Hein. Er leistet Zentimeterarbeit, wendet den sperrigen Transporter auf engstem Raum. Nach etwa eineinhalb Stunden ist die Tour abgearbeitet, es geht zum Wiegen der Ausbeute.

420 Kilo sind es allein in diesem Wagen. Insgesamt kommen in diesem Bereich rund 2,5 Tonnen zusammen. Titgemeyer jedenfalls ist zufrieden: „Wir hatten schon mal mehr, aber das ist nicht schlecht.“ Am Ende kommen alle Kleiderspenden zum weiteren Transport auf einen Lkw-Anhänger. Sie bringen die Klamotten in ein Sortierwerk. In Zusammenarbeit mit der Kolping Recycling GmbH Fulda wird die Sammelware grundsätzlich dort zur Wiederverwendung fachgerecht sortiert. Die Erlöse fließen ausschließlich in die Sozialarbeit des Kolpingwerkes. Den nach Gewicht ermittelten Erlös verwenden die Kolpingsfamilien ganz unterschiedlich. Titgemeyer: „Das Ganze ist damit gleichermaßen Spaß und soziale Aufgabe.“

Inzwischen ist es 11 Uhr. Die zwölf Männer treffen sich derweil noch in Titgemeyers Keller zum gemeinsamen Abschluss. Die einen trinken Kaffee, die anderen Bier. Und sie ziehen Bilanz. „Zufrieden sind wir auf jeden Fall. Wir sind ja froh um jeden Sack, den wir kriegen“, erzählt Swen Titze. Auch er ist schon seit Kindertagen dabei. Das Aufkommen sei in den letzten Jahren allerdings zurückgegangen, so Titze. Vieles werde inzwischen einfach weggeworfen statt gespendet.

Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Manche der Aktiven helfen nun schon seit über 50 Jahren bei den Sammlungen. Es ist eine eingeschworene Truppe, die da nach getaner Arbeit anstößt. Trotzdem: „Über den ein oder anderen Helfer mehr würden wir uns schon freuen“, betont Organisator Titgemeyer. Mit einem gemeinsamen Essen lassen die Freiwilligen die Sammelaktion ausklingen. Langsam sind Haare und Kleidung wieder trocken, und die Gruppe blickt mit so etwas wie Vorfreude auf die nächste Kleidersammlung. Auch Titgemeyer hat den nächstem Termin am 26. Oktober schon im Blick: „Dann hoffentlich bei besserem Wetter.“

Neue Osnabrücker Zeitung vom 19.03.2019. Autorin: Leonie Plaar/Fotografin: Swaantje Hehmann