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Gedenktafel enthüllt

An der Erfurter Lorenzkirche wurde am 30. Jahrestag des Mauerfalles im Beisein zahlreicher Christen feierlich eine Gedenktafel enthüllt.

Die Tafel informiert seit dem 9. November mitten im pulsierenden Stadtzentrum darüber, das hier im Jahr 1978 die ersten ökumenischen Friedensgebete der DDR begannen. 

Im Beisein der leitenden Geistlichen beider großen Kirchen erinnerte der Erfurter Journalist Michael Meinung, langjähriger Vorsitzender der örtlichen Kolpingsfamilie, vor der Tafel-Enthüllung daran, dass sich dieses Friedensgebet von Erfurt aus über die gesamte DDR ausbreitete und ab 1983 auch regelmäßig in der Leipziger Nikolaikirche stattfand. Ursache für das Entstehen der Erfurter Friedensgebete sei bekanntlich die Einführung des schulischen Wehrunterrichtes durch die SED-Diktatur gewesen.

Alt-Oberbürgermeister Manfred Ruge, der den Pfarrer der katholischen Lorenzgemeinde, Marcellus Klaus, und seinen damaligen evangelischen Amtsbruder, Senior i.R. Helmut Lauszat, um gemeinsame Enthüllung der Tafel bat, würdigte dabei die mutigen Erfurter Frauen und Männer, die vor 41 Jahren mit dem Friedensgebet begannen. Erfurts Europaabgeordnete Marion Walsmann (CDU) stellte den spezifischen Erfurter Beitrag zur friedlichen Revolution in den Mittelpunkt und dankte allen, die sich damals und heute als Christen und Demokraten für Frieden, Freiheit und das Gemeinwohl einbringen.

Ganz in dieser Intention standen dann auch das anschließende Friedensgebet des heiligen Franziskus, das Domvikar Bernhard Drapatz vorbetete sowie der vom Saxophon begleitete vielstimmige Gesang des "Dona nobis pacem".

Mit der neuen Lorenz-Gedenktafel sowie der schon vor längerer Zeit angebrachten Erinnerungstafel an der Stasi-Gedenkstätte Andreasstraße – sie wurde am 4. Dezember 1989 als erste in der DDR besetzt – besitzt Erfurt zwei öffentliche Hinweise, die bleibend mit dem mutigen Wirken von Christen und Kolpingmitgliedern verbunden sind.

Text: Michael Meinung
Fotos: Veronika Meinung