Bundesebene Geistlicher Impuls

Gedanken zum schlafenden/träumenden Josef

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Hochfest des Heiligen Josef

Eine solche Darstellung kannte ich noch nicht: der schlafende, träumende Heilige Josef.
Ich wurde neugierig. Was bedeutet dieses Bild? Was sagt es mir?

Eine erste Antwort finde ich durch Papst Franziskus. Mut und Optimismus prägen sein Handeln. Der Heilige Josef ist ein wichtiger Begleiter in seinem Leben. Der Papst vertraut auf diesen zurückhaltenden, aber aufmerksamen Heiligen. Er schätzt besonders diese ungewöhnliche Darstellung des Heiligen Josef: den schlafenden, träumenden Heiligen Josef. Was macht den Heiligen Josef aus?

Er wägt ab, er grübelt geradezu, wie das zugeht, mit der Schwangerschaft Marias. Er will nicht von ihr weggehen und sie bloßstellen. Da erscheint ihm ein Engel im Traum und offenbart ihm die Botschaft Gottes: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist [ … ] ihm sollst du den Namen Jesus geben“ (Mt 1, 18ff).

Josef, aus dem Geschlecht Davids; Josef, der Gerechte, der Handwerker, der „Mann des Alltags“ traut dem Traum. Der Traum ist für ihn eine verborgenen Sprache Gottes, der Traum ist Gottes leise Stimme. Josef ist aber kein müder Tagträumer oder verschlafener Traumtänzer. Der träumende Josef wird zu einem Mann der entschlossenen Tat: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1, 24).

Gott spricht durch den Engel zu ihm im Dunkel der Nacht und in der Tiefe des Schlafes, und Josef „erwacht“ zu sich selbst und zu seiner Berufung. Das Kind, das Gottes Heilswillen und Treue darstellt, wird er väterlich annehmen und behüten. Josefs Träume beeinflussen die Kindheit Jesu – immer wieder neu und positiv.

Josef handelt durch seine Taten – ohne Worte. Er tut, was er im Traum wahrnimmt.
Er bricht tatkräftig nach Bethlehem auf, flieht mit der Familie nach Ägypten und kehrt wieder zurück.
Im Schlaf, im Traum, ist Josef wach für das, was Gott mit ihm vorhat. Sein Schlaf ist kein Ausdruck von Trägheit, sondern Zeichen der Offenheit für Gott. Wer schweigt, lernt hören.
Josef übernimmt die Rolle des Verteidigers, des Wächters, des Beschützers.
In der Darstellung des schlafenden, träumenden Heiligen Josef wird all dies lebendig.

Es wird berichtet, dass Papst Franziskus kleine Zettel unter den schlafenden Heiligen legt: Zettel, auf denen Probleme, Bitten, Gebete (der Gläubigen) aufgeschrieben sind. Er bittet den Heiligen Josef, „darüber zu schlafen“, und damit meint er: Die vielen Anliegen der Menschen zu seinen eigenen Anliegen zu machen, zu helfen, zu handeln. Es ist ein aktiver Schlaf und ein handelnder Traum, der das Leben und die Sorgen der Menschen ernst nimmt.

Zettel unter den Heiligen Josef legen: So konkret wird Fürbitte! Es ist eine ungewöhnliche, aber eine starke, vertrauensvolle Geste. Es entsteht eine besondere Nähe durch die Gewissheit, dass meine eigene Kraft nicht alles ist; dass andere mich wirksam begleiten; dass Gott an meiner Seite mit mir geht und dass der Heilige Josef ein antwortender Weggefährte ist. Josef, der Mann der Tat, weiß, wann es Zeit ist, vom Schlaf aufzustehen und das Richtige zu tun.

Er ist zugleich ein starker und stiller Mann. Während er schläft, tut er alles: Er träumt und hört, er träumt und betet, er träumt und handelt. Sein Schlaf und seine Träume zeigen uns, dass es einer eigenen Bereitschaft, einer Offenheit für Gottes Handeln bedarf, um

  • sich helfen zu lassen,
  • sich einem anderen anzuvertrauen,
  • Vertrauen zu haben,
  • Gottes Gnade alles zuzutrauen,
  • in mein Inneres hineinzuhören,
  • Träume zu haben, aber nicht verträumt zu sein,
  • zu schlafen und zugleich aufzustehen,
  • zu hören und zu handeln,
  • in der Schwäche stark zu sein.

Der schlafende, träumende Heilige Josef lässt mich fragen: Auf wen höre ich? Wem vertraue ich? Glaube ich an Gottes Handeln in meinem Leben?
Der schlafende, träumende Heilige Josef ist ein Bild für gelebtes Christsein, für Gottes Nähe zum Menschen und für die Bereitschaft, in dieser Welt wach zu handeln und den eigenen Glauben zu leben.

Im Download-Bereich „Glaube und Kirche“ gibt es aktuell bereit gestelltes Material rund um den Heiligen Josef.


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