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Für eine Kirche ohne Angst!

Das Bundespräsidium des Kolpingwerkes Deutschland zur Kampagne #outinchurch

Das Kolpingwerk Deutschland unterstützt das Grundanliegen der Kampagne #outinchurch - Für eine Kirche ohne Angst auf eine wirksame Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von LGBTIQ+-Personen in der katholischen Kirche hinzuwirken. Lesbische, schwule, bisexuelle, transidente, intersexuelle und queere Personen sollen einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Handlungs- und Berufsfeldern in der Kirche erhalten.

Die Initiative weist nach Ansicht des Bundespräsidiums auf bedenkliche Missstände in der Kirche im Umgang mit LGBTIQ+-Personen hin, die weitreichende persönliche Folgen haben. Der generationsübergreifende katholische Verband – mit bundesweit mehr als 215.000 Mitgliedern in knapp 2.300 Kolpingsfamilien vor Ort – hält Forderungen nach Veränderungen im kirchlichen Arbeitsrecht und nach einer Verantwortungsübernahme für die bisherige Diskriminierung in Verkündigung und Glaubensvollzug durch Amtsträger der katholischen Kirche für berechtigt. Eine Situation der Diskriminierung, in der Menschen in Angst leben müssen, bedeutet eine vollkommene Abkehr von dem seelsorglichen Kernanliegen der katholischen Kirche. Eine diesbezügliche Umkehr im Denken und Handeln ist zwingend geboten.

Teils bestürzende Lebensgeschichten machen deutlich, dass Menschen seelisches Leid zugefügt wird, was die ohnehin durch die Missbrauchsfälle tief in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterte katholische Kirche zusätzlich in Verruf bringt. Damit die katholische Kirche aber ihren Kernauftrag – die Verkündigung der frohen Botschaft – dauerhaft erfüllen kann, muss sie Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und um Vertrauen werben. Der Umgang mit LGBTIQ+-Personen ist dabei weit mehr als ein Randthema. Der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland hatte bereits kürzlich in einem Orientierungsbeschluss zur Geschlechtergerechtigkeit auf die Hintergründe dauerhafter, strukturbedingter Benachteiligungen hingewiesen, um einen Bewusstseinswandel herbeizuführen.

Der Wandel des Bewusstseins muss in der katholischen Kirche endlich konkrete Konsequenzen nach sich ziehen. Aus diesem Grunde beteiligen sich Mitglieder des Kolpingwerkes intensiv an den aktuellen Beratungen des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Deutschland und bringen sich mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen in die Diskussionen u. a. über Macht und Machtmissbrauch sowie über ein Leben in gelingenden Beziehungen ein. Das Bundespräsidium erwartet, dass die Synodalberatungen zu einer grundlegenden Veränderung im Umgang der katholischen Kirche mit Menschen in vielfältigen Lebensformen, ihrer Berufung in kirchliche Ämter und damit auch im kirchlichen Arbeitsrecht führen. Ein Erfolg der Beratungen wird einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige Kirche in Deutschland leisten – eine Kirche, die nahe bei den Menschen ist!

Einer Kooperation als Unterstützer und aktiver Kampagnenpartner der Initiative schließt sich das Bundespräsidium gleichwohl zum jetzigen Zeitpunkt nicht an. Denn der Verband befindet sich aktuell in einer innerverbandlichen Programmdiskussion, die teilweise auch Forderungen der Kampagne #outinchurch berührt und der nicht vorgegriffen werden soll.  Transparenz und offene Diskurse mit den Mitgliedern, die auf der Basis sehr unterschiedlicher Kirchenerfahrungen auf die Gegenwart und ihre Herausforderungen schauen, sind der gewählte Modus. Auch daran bemisst sich das Ziel, als Kolpingwerk Deutschland zu einer glaubwürdigen, kommunikationsstarken und den Menschen eng verbundenen katholischen Kirche in Deutschland beizutragen.

 

Foto: Katarina Heyer