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Europa braucht eine Stimme!

Mit den diesjährigen Kölner Gesprächen am 16. März 2019 hat das Kolpingwerk Deutschland Europa zum zentralen Thema gemacht. Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt für die Aktion des Kolpingwerkes Deutschland im Vorfeld der Europawahl mit dem Titel „Europa braucht eine Stimme“.

Als Gastredner hatte das Kolpingwerk Stephan Toscani eingeladen, den Landtagspräsidenten des Saarlandes und früheren Europaminister des Saarlandes.

Zur Begrüßung sagte die Bundesvorsitzende Ursula Groden-Kranich mit Blick auf die Europa-Aktion: „Als Kolpingwerk Deutschland haben wir die Wählerinnen und Wähler aufgerufen, mit ihrer Stimme ausschließlich jene Kandidatinnen und Kandidaten zu unterstützen, die glaubhaft und entschlossen für ein friedliches und stabiles Europa eintreten." 

„Europa braucht eine Stimme!“: In seinem Vortrag wies Stephan Toscani auf zwei wichtige Aspekte dieser Forderung hin. Einerseits brauche Europa engagierte Befürworter gegen all diejenigen, die sich antieuropäisch äußern und antieuropäisch gegen Europa handeln. Andererseits könne Europa nur dann stark und handlungsfähig sein, wenn Europa einig sei, wenn es mit einer Stimme spreche.

Mit Bezug auf ein Zitat Adolph Kolpings sagte Toscani, dass die Nöte Europas uns lehrten, was zu tun sei. Die Europäische Union sei seit ihrer Gründung immer Krisen ausgesetzt gewesen. Aktuell fordere aber die Kumulation mehrerer Krisen das „europäische Einigungswerk“ heraus. Beispielsweise die Flüchtlingsfrage und die noch nicht wirklich gelöste Finanzkrise. Außerdem würden europäische Werte von innen heraus – von Mitgliedsstaaten – in Frage gestellt. Von außen werde die Europäische Union ebenfalls herausgefordert. So entwickle Russland immer mehr eine Politik, die darauf ausgerichtet sei, Europa auseinander zu treiben und zu spalten. Und die Nachkriegsordnung, die die Amerikaner selbst geprägt haben, werde vom US-Präsidenten und von der US-Administration selbst infrage gestellt.

Unerlässlich für ein starkes, handlungsfähiges Europa sei ein gutes deutsch-französisches Verhältnis. „Es gibt nur dann europäische Antworten und Lösungen, wenn Deutschland und Frankreich zusammenarbeiten. Wenn Deutschland und Frankreich nicht zusammenarbeiten und sich gegenseitig blockieren, dann geht gar nichts in der europäischen Union, dann finden wir auf all die Fragen – auf die Nöte unserer Zeit – keine Antworten“, sagte Toscani.

In Europa gebe es mit dem Neoliberalismus eine paradoxe europäische Bewegung, betonte Toscani. Überall in Europa würden populistische Kräfte stärker, die Europa infrage stellten und oft sogar europafeindlich seien. Deren Antwort auf Probleme laute immer „Rückzug auf den Nationalstaat!“. Toscani erinnerte dabei an eine europäische Identität, die eine nationale Identität und eine regionale Identität keinesfalls ausschließe. Im Gegenteil: Er sei überzeugt, alle drei Identitäten würden sich sehr gut ergänzen!

„Wir haben einen gemeinsamen europäischen Lebensstil; es gibt ihn, den European Way of Life und er ist etwas anderes als der American Way of Life“, sagte Toscani weiter. Die Verbindung von wirtschaftlichem Wohlstand mit sozialen Standards auch in Kombination mit ökologischen Standards, mache diesen gemeinsamen europäischen Lebensstil aus. Und dazu gehörten auch die gemeinsamen europäischen Werte: „Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit“.

Toscani mahnte an, die Bedeutung der einzelnen Länder Europas im weltweiten Kontext nicht zu überschätzen. Die einzelnen Nationen, auch Deutschland, hätten alleine keine Chance. Einzeln würden sie von den Großen wie China und den USA nicht wahrgenommen. „Wir haben nur eine Chance, wenn wir als Europäer zusammenstehen." Dabei gab er zu bedenken, dass die Europäische Union einer der größten Wirtschaftsräume der Welt sei.

Im anschließenden von Alexander Suchomsky, jugendpolitischer Bildungsreferent im Kolpingwerk Deutschland, moderierten Gespräch betonte die Bundesvorsitzende Ursula Groden-Kranich, dass wir uns unbedingt immer wieder bewusst machen müssten, wie wertvoll Europa für uns sei. „Wir haben in Europa seit über 70 Jahren Frieden – und zwar in EU-Europa. Ich wünsche, dass die junge Generation auch erkennt, dass es nicht selbstverständlich ist, sondern dass man dafür kämpfen muss." Auch deshalb sei es ihr so wichtig, Politik zu machen und gerade den jungen Menschen zu sagen: „Ihr müsst Euch da engagieren, sonst geht es Euch ein Stück weit wie in England mit dem Brexit.“

Stephan Toscani ergänzte, dass Europa und der Friede für uns so selbstverständlich seien, dass wir den Wert nicht recht erkannt hätten. Doch jetzt, wo Europa ernsten Krisen, hier auch dem Brexit, ausgesetzt sei, sei es wichtig, dass nicht nur die Politiker sich für Europa einsetzten, sondern dass jeder Einzelne überlege, was er für Europa tun könne – im täglichen Gespräch und in der Argumentation. 

Bereits der den Kölner Gesprächen vorangestellte Wortgottesdienst unter der Leitung von Rosalia Walter, Geistliche Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland, stand ganz im Zeichen Europas.

Die Texte des Gottesdienstes stehen unter der Bildergalerie zum Herunterladen bereit.