Bannermarsch vom Petersberg zum Pfarrhof St. Lambert

Messe an der Heiligenkirche auf dem Petersberg

Stellv. Diözesanpräses Pfarrer Jörg Stengel (links) und Pfarrer Martin Tiator

Aus den Regionen

Entscheidungen verändern

Diözesan-Wallfahrt des Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer nach Bockenheim – Wallfahrerinnen und Wallfahrer trotzen der Hitze.

"Jeden Tag haben wir Entscheidungen zu treffen", stellte Pfarrer Jörg Stengel in seiner Predigt vor der Heiligenkirche auf dem Petersberg. "Was tue ich? Wo gehe ich hin? Kaufe ich bei diesem oder jenem Geschäft? Diesen oder jenen Artikel? Auch unterwegs: Biege ich nach rechts oder links ab, fahre ich geradeaus? All das sind Entscheidungen." Aber es gäbe auch andere, weitreichendere Entscheidungen: Lebensentscheidungen. "Diese eine Frau, diesen einen Mann, und alle anderen nicht. Und es bleibt dabei verborgen, wie der Lebensweg ausgesehen hätte, wenn man sich an dieser bestimmten Stelle für eine bzw. einen anderen entschieden hätte." Die Bibeltexte des Tages riefen in die Entscheidung, in die Nachfolge. Elía rufe Elíscha in die Nachfolge als Prophet, indem er seinen Mantel "besitzergreifend" über ihn wirft. Elíscha zögere nicht: "Er nimmt die Entscheidung Gottes für sich an und macht sie sich zu Eigen. Und diese Entscheidung wird sein Leben grundlegend und nachhaltig verändern." Indem er seine Rinder schlachtet, die Joche als Feuerholz benutzt zur Zubereitung des Fleisches, breche er gleichsam mit seinem bisherigen Leben und schneide sich den Rückweg ab. Er folge jetzt nur noch dem Ruf, der an ihn ergangen ist. Eine radikale Entscheidung!

Der Stellvertretende Diözesanpräses des Kolpingwerkes fragte weiter: "Darf Gott in meinem Leben etwas ändern? Etwas, das auch spürbar ist. Wie weit hat der Glaube an Gott gestaltende Kraft für mein Leben? Gibt es Dinge, die ich gezielt tue oder auch unterlasse, weil ich zu Gott gehöre, weil ich Christ bin?" Adolph Kolping habe sich dem Ruf Gottes gestellt. "Ursprünglich wollte er in die Wissenschaft gehen, hat sich aber durch die religiöse Desorientierung und die soziale Not der Gesellen ansprechen lassen, stattdessen ihnen zu dienen und dafür seine eigenen Pläne fallen zu lassen. Eine für sein Leben prägende und nachhaltige Entscheidung. Etwas zurücklassen, das ich haben könnte, um eines anderen willen, das ich tun soll." Heute entschieden sich gerade im Kolpingwerk Menschen, nicht einfach alles so zu lassen, wie es ist, sondern Zeit, Lebensenergie, persönliche Begabungen und Fähigkeiten, nicht selten auch Geld zur Verfügung zu stellen, um anderen zu einem Leben unter besseren und gerechteren Bedingungen zu verhelfen. Pfarrer Stengel wörtlich: "Eingreifen ins alltägliche Geschehen zum Wohl des Nächsten als gelebtes Christsein, als Gestalt gewordenes Evangelium, das ist eine konkrete Entscheidung zur Nachfolge."

Es hänge von Menschen ab, welchen Weg eine Gesellschaft gehe. Stengel prangerte die wachsende Verrohung an, die um sich greife, sei es in der Sprache, im Ton, im gegenseitigen Umgang, in der politischen Kultur, im Hinblick auf Ehrlichkeit und Seriosität. Abschließend fragte der Prediger noch einmal: "Darf Gott, darf der Glaube in meinem Leben etwas Konkretes ändern? Darf diese Veränderung mir auch etwas abverlangen, weil sie vielleicht ganz anders aussieht, als ich es mir gedacht habe?" Dort, wo Menschen sich darauf einließen, könnten sich Dinge ändern.

Pfarrer Martin Tiator feierte in Konzelebration die Heilige Messe mit. Mit dem "Kolpinggrab"-Lied endete der Wallfahrtsgottesdienst. Im Anschluss folgten die Pilger dem Bannermarsch der Kolpingsfamilien hinab zum Pfarrhof an der katholische Kirche St. Lambert. Dort fand ein Frühschoppenkonzert der Kolpingkapelle Ramsen statt.

Bilder: kolping-raab