Werner Sondermann, Heijo Schepers, Ulrich Vollmer

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... Jugendwohnen ...

... Berufsbildungswerk: Drei Bilder, die beispielhaft für die 230.000 Mitglieder des Kolpingwerkes, die 230 Kolpinghäuser und die 22 Bildungseinrichtungen mit 6.200 Mitarbeitenden stehen.

Ulrich Vollmer

Hein-Josef Schepers

Werner Sondermann

Das Kolping-Netzwerk für Geflüchtete: Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit der drei Bereiche.

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Engere Zusammenarbeit von Verband, Einrichtungen und Unternehmen?

Wie können Verband, Einrichtungen und Unternehmen besser zusammenarbeiten und gemeinsam mehr erreichen? Ein Gespräch mit Werner Sondermann, Heijo Schepers und Ulrich Vollmer.

Kolping – das bedeutet nicht nur 230.000 Mitglieder in 27 Diözesanverbänden. Es bedeutet auch mehr als 6.000 Mitarbeitende in 22 Bildungswerken sowie 230 Kolpinghäuser in Deutschland. Wie können Verband, Einrichtungen und Unternehmen besser zusammenarbeiten und gemeinsam mehr erreichen? Dazu unser Interview.

Warum ist es sinnvoll, dass der Bundessekretär auch bei den Kolping-Bildungsunternehmen mit im Vorstand tätig ist? Welche Vorteile hat das?
Werner Sondermann:
Die Einbindung des Kolping-Bundesverbandes wurde von den Bildungsunternehmen immer gewünscht. Der Bundesvorstand hat Ulli dann beauftragt. Das macht auch Sinn, weil es Verbindungslinien zur Jugendsozialarbeit auf Bundesebene gibt. Eine weitere Verbindungslinie zum Jugendwohnen führt ebenfalls über Ulli Vollmer. Die Vernetzung ist nicht zufällig, sondern wirklich gewollt. Wie können die Einrichtungen in die Kommunikation mit dem Verband treten? Die Kommunikation mit dem Verband ist eine wichtige Aufgabe, die in der Regel auch wahrgenommen wird.

Ist das beim Verband der Kolpinghäuser ähnlich?
Heijo Schepers:
Ganz genauso. Die Kolpinghäuser bilden ja eigentlich die Wiege, das Zuhause, den Geburtsort der Kolpingsfamilien. Wir haben den starken Eindruck, dass wir gerade heute umso mehr miteinander verknüpft und verbunden sind. Es gibt viele Themen, die den Personalverband und die Einrichtungen intensiv zusammenarbeiten lassen sollten. Das wird zukünftig noch stärker der Fall sein. Von daher ist es für mich eine vollkommene Selbstverständlichkeit und ein großer Gewinn für den Verband der Kolpinghäuser (VKH), dass der Bundessekretär an verantwortlicher Stelle mit dabei ist.

Werner, welche weiteren Schnittmengen neben der politischen Interessenvertretung gibt es zwischen dem Verband und den Kolping-Bildungsunternehmen?
Werner Sondermann:
Die wichtigste ist eine inhaltliche. Nicht umsonst haben wir uns auf die Fahne geschrieben: „Bildung mit Wert“. Diese Werte kommen natürlich aus dem Kolpingwerk. Sie werden übernommen und sehr stark nach außen getragen, auch in der politischen Außenvertretung. Ein Beispiel bildet der Parlamentarische Abend in Berlin, bei dem wir ganz bewusst einen theologischen Aspekt aufgreifen. Das ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal und generiert sich aus dem Verband heraus.

Wo liegt bei den Kolpinghäusern die Schnittmenge zwischen Verband und Einrichtungen?
Heijo Schepers:
Kolping wird häufig über die Einrichtungen wahrgenommen, unter anderem über die Kolpinghäuser. Deshalb hat der Verband natürlich großes Interesse daran, dass die Kolpinghäuser und Einrichtungen bestehen und fest mit dem Personalverband verknüpft sind. Die inhaltliche Arbeit kommt zum gemeinsamen geschichtlichen Fundament hinzu.

Ist denn bei den Einrichtungen und Unternehmen die Nähe zum Verband wirklich so stark gewollt?
Werner Sondermann:
Der Wunsch und Wille ist natürlich da. Unser Vorstand ist durchaus besetzt mit Personen, die Kolping nahestehen. Es sind also keine Leute von außen, sondern die das Kolpingwerk kennen und teilweise auch erlebt haben. In Reinform gelingt uns das nicht immer. So könnte man beispielsweise fragen: Wie viele der mehr als 6.000 Mitarbeitenden sind denn nun Kolpingmitglied? Das ist eine Frage der Identifikation, da ist noch Luft nach oben.
Zurück zur Frage: Natürlich ist das gewünscht und gewollt. Da ist auch die Frage nach der Henne und dem Ei nicht zu stellen. Bildung ist einer der ursprünglichen Aufträge, die Adolph Kolping aufgegriffen hat. Bildung war immer ein Thema bei Kolping, auch beim Gesellenvater, wenn man sich die Lehrpläne für die Bildung der Gesellen anschaut. Er hat diese Bildung immer mit Wert vermittelt. Deswegen haben wir das Motto im Bildungswerk Paderborn aufgenommen. Der Slogan ist dann von den Kolping-Bildungsunternehmen übernommen worden.

Ich kann mir vorstellen, dass es bei den Trägervereinen der Kolpinghäuser durchaus Unterschiede gibt. Dass also manche sehr nahe am Verband angebunden sind, andere aber weniger nahe, vielleicht haben sie sich mit der Zeit sogar entfernt.
Heijo Schepers:
Im VKH sind je nach Zählart 140 bis 150 Mitglieder in einer Struktur zusammengefasst. Aber es gibt darüber hinaus noch ein Potenzial an Häusern, die Mitglied werden könnten, was wir uns auch wünschen. Für alle Kolpinghäuser, die das Kolping-„K“ draußen am Gebäude tragen und damit den Wert der Wortbildmarke „Kolping“ nutzen, sollte es selbstverständliche Pflicht sein, Mitglied des Dachverbandes VKH zu werden.

Wir haben gehört, dass der Bundessekretär die personelle Schnittstelle zwischen dem Verband sowie den Einrichtungen und Unternehmen ist. Ist das eine einfache Aufgabe?
Ulrich Vollmer:
Es ist auch eine reizvolle Aufgabe, denn dadurch erlebe ich eine große Vielfalt des Engagements bei Kolping, es prägt meine Arbeit wesentlich mit! Ich würde gerne an die Arbeit in der Leitbildkommission in den Jahren 1996 bis 2000 erinnern. Dort wurde intensiv über die Bedeutung der Einrichtungen und Unternehmen diskutiert. Im Leitbild wurde dann u.a. verankert: Das Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland gibt Orientierung für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen und Unternehmen. Beide Zusammenschlüsse – ob jetzt KBU oder VKH – orientieren sich in ihren Grundlagendokumenten am Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland. Zuvor haben wir nie so bewusst zum Ausdruck gebracht, dass die Einrichtungen und Unternehmen das Bild von Kolping in der Öffentlichkeit mitprägen. Ergebnis: Viele Persönlichkeiten des öffentlichen und kirchlichen Leben sagen, dass wir als Kolping breit und in der Fläche aufgestellt! Wir haben da ein „Pfund, mit dem wir wuchern können“!

Ist denn diese personelle Verknüpfung ausreichend und überhaupt in der Intensität leistbar oder kann sich so etwas weiterentwickeln?
Ulrich Vollmer:
Ich gehöre jetzt seit einigen Jahren beiden Vorständen an. In beiden erlebe ich eine große Bereitschaft, darüber nachzudenken,wie sich eine noch intensivere Zusammenarbeit gestalten lässt. Wo müssen wir uns weiterentwickeln? Der VKH hat jetzt erneut für sich definiert, was seine Schwerpunkte sind. Dabei hat er immer Bezug genommen auf verbandliches Handeln und Wirken. Im KBU erlebe ich dieses genauso. Es wird stets gemeinsam darauf geachtet, die Philosophie unseres Verbandes – orientiert an den Zielen und Aufgaben – umzusetzen und zu verwirklichen. Werner Sondermann hat auf den wichtigen Bereich der Bildung hingewiesen. Ich sage immer, Bildung ist ein Wesensmerkmal von Kolping. Wenn wir morgen entscheiden würden, Bildung gehöre nicht mehr zu unserem verbandlichen Auftrag, dann würden wir – so meine ich – nicht im Sinne Adolph Kolpings handeln!

Ist es denn aus Sicht der Bildungsunternehmen vorstellbar oder sogar wünschenswert, auf Dauer die Zusammenarbeit institutioneller abzusichern?
Werner Sondermann:
Es wird immer mal wieder diskutiert, welche Verbünde es auf Bundesebene insgesamt geben kann. Ich will das gar nicht ausschließen, das muss gut überlegt sein. So etwas muss wachsen. Die Grundsatzfrage, die man sich immer wieder gemeinsam stellen muss, lautet: „Passt das zu Kolping?“
Ich kann auch Beispiele nennen, bei denen es schon praktiziert worden ist: beim Thema Kolping-Netzwerk für Geflüchtete. Er einmal Schritt für Schritt projektbezogen vorwärts zu gehen, ist einfacher als etwas in einem riesengroßen Schritt zu installieren.
Zweites Beispiel Jugendwohnen: Es ist interessant in der Statistik zu sehen, wieviel Jugendliche inzwischen in den Einrichtungen der Kolping-Bildungsunternehmen wohnen, nämlich 2.793. Da gibt es bereits eine Menge Schnittstellen zum Verband der Kolpinghäuser. Insgesamt gibt es aber noch ein großes Potenzial.
Ulrich Vollmer: Mittlerweile gibt es fließende Grenzen. So sind Kolping-Bildungsunternehmen inzwischen auch Träger von Integrationshotels oder des Jugendwohnens. Deshalb ist die Frage berechtigt. Wie erreichen wir für die zahlreichen Einrichtungen und Unternehmen eine höhere gemeinsame Verbindlichkeit?Ich meine: Wenn jemand als Einrichtung oder Unternehmen den Namen „Kolping“ trägt, dann muss er zugleich verpflichtet sein, einem der Zusammenschlüsse – dem Verband der Kolpinghäuser oder dem Verband der Kolping-Bildungsunternehmen – anzugehören.Wir brauchen höheres Maß an Verbindlichkeit. Wir sollten das strategisch – im Rahmen unseres Zukunftsprozesses „Upgrade ... unserWeg in die Zukunft“ – in jedem Fall auf den Weg bringen.

Wie ist die Situation bei den Kolpinghäusern? Ist da eine stärkere Vernetzung gewünscht, auch wenn es nicht ganz einfach ist, den Weg dorthin zu finden?
Heijo Schepers:
Ich möchte das, was Ulli gerade gesagt hat, noch verstärken. Denn im VKH wünschen wir uns nichts mehr als eine stärkere Verbindlichkeit. Unser Bild in der Öffentlichkeit wird geprägt vom äußeren Auftreten, und dazu gehören auch Standards. Wir wünschen uns deshalb im Organisationsstatut eine verbindliche Regelung, dass alle Häuser und Einrichtungen, die das „K“ im Namen tragen, auch Mitglied einer dieser großen Organisationen sein müssen. Nicht können, sollen, wollen, sondern müssen.
Die Themen, die uns gemeinsam berühren, liegen auf dem Tisch. Wir glauben fest daran, dass sich Synergieeffekte erzielen lassen. Gekrönt wird dieser Gedanke natürlich durch den Blick auf die politische Landschaft. Da wären wir gemeinsam besser am Ball. Momentan hören wir von den betroffenen Akteuren im politischen Raum immer wieder, dass sie Kolping nicht fünf Mal treffen wollen, sondern einen gemeinsamen Ansprechpartner benötigen.

Die Kolping-Bildungsunternehmen haben in Berlin ein Vertretungsbüro, aber sind ja nur einer von mehreren Kolping-Playern, die mit der Politik sprechen. Wäre da eine Bündelung sinnvoll?
Werner Sondermann: Es darf nicht passieren, was in Berlin vor Jahren schon öfter passiert ist, dass nämlich die Kolping-Kollegen gerade die Türklinken losgelassen hatten und wir mit vollkommenem Unverständnis von Bundestagsabgeordneten empfangen wurden, die gesagt haben: „Sie waren doch gerade hier!“ Das war so eine Hase-Igel-Situation, ein unguter Konkurrenzkampf.

Wäre so eine Bündelung in Berlin auch seitens des Kolpingwerkes Deutschland gewollt?
Ulrich Vollmer:
Wir haben diese Frage im Bundespräsidium bereits intensiv erörtert. Werner Sondermann hat es zutreffend beschrieben: Wir „müssen“ diese unselige Situation, die es in der Vergangenheit gegeben hat, endlich auflösen. Niemand in Berlin versteht, wenn wir dort nicht koordiniert auftreten. Unser Bundessekretariat wird dennoch in Köln bleiben! Im November 2018 wird die Neuwahl einer/eines Bundesvorsitzenden erfolgen. Der Bundesvorstand hat Ursula Groden-Kranich, MdB, für das Amt der Bundesvorsitzenden nominiert. Ich denke, wir werden gemeinsam entsprechende Strukturen schaffen und diesbezügliche Absprachen treffen müssen.

Ist das für den VKH auch interessant?
Heijo Schepers:
Ja natürlich! Wir sind davon überzeugt, dass es notwendig ist, gemeinsam aufzutreten. Wir glauben fest daran, dass sich damit berechtigte Anliegen effektiver vertreten lassen und durch eine entsprechende Organisationsstruktur auch Synergieeffekte eintreten können.

Wie kann man die gegenseitige Identifikation und Wertschätzung, dass sich der Verband mit den Einrichtungen identifizieren und dass sich ebenso die Einrichtungen mit dem Verband identifizieren, noch besser fördern?
Ulrich Vollmer:
Ein Beispiel, bei dem es uns aktuell gelungen ist, die Identifikation zu stärken, ist der mehrjährigen Prozess zur Erarbeitung eines gemeinsamen Corporate Designs (CD). Nicht ohne Grund haben wir bewusst gesagt, wir wollen gemeinsam – u.a. unter Einbindung der Zusammenschlüsse VKH und KBU – ein gemeinsames CD erarbeiten. Dazu warten wir jetzt die Beschlusslage durch die Bundesversammlung im November 2018 ab. Ich bin da sehr zuversichtlich. Endlich eine gemeinsame Wort-Bild-Marke zu haben und nach außen hin gemeinsam erkennbar zu werden, das ist von größtem Wert und ist von großem Vorteil!
Werner Sondermann: Bei den Bildungsunternehmen haben wir mittlerweile unter den Mitarbeitenden sehr unterschiedliche Prägungen und Glaubenseinstellungen. Kolping bildet erst einmal die Marke. Aber was steckt hinter dieser Marke, was steckt hinter der Aussage „Kolping – Bildung mit Wert“? Wie prägt sich das im Leben der Unternehmen aus, wo kommt das vor? Ich meine, es macht Sinn, beispielsweise für Mitarbeitende eine Grundschulung darüber anzubieten, was Kolping eigentlich bedeutet und die Historie aufzubereiten. Mit großer Freude sehe ich, dass Einrichtungen vermehrt mit ihrer Mitarbeiterschaft nach Köln reisen, um das Bundessekretariat, Kolping International und die Minoritenkirche zu besuchen. Ich wäre schon ganz froh, wenn es uns gelingen könnte, das Angebot für eine Fachtagung mit dem Thema „Was bedeutet Bildung mit Wert – im Sinn von Adolph Kolping“ zu machen.

Wäre es denn wünschenswert, dass z. B. die Mitarbeitenden in den Einrichtungen und Unternehmen das Kolpingmagazin erhalten?
Werner Sondermann:
Das Kolpingmagazin bekommen die Einrichtungen. Zwar nicht für jeden Mitarbeitenden, aber zumindest in den Gemeinschaftsräumen steht es zur Verfügung. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn wir jeden einzelnen Mitarbeitenden mit diesem verbandlichen Medium informieren könnten.

Wie ist die Situation bei den Kolpinghäusern?
Heijo Schepers:
Gott sei Dank haben wir jene Zeiten hinter uns, in denen die Identifikation der Kolpinghäuser mit dem Personalverband nicht zum Besten stand, auch weil die entsprechende Wertschätzung seitens des Personalverbandes nicht gegeben war. Die Kolpingsfamilien haben die Kolpinghäuser gegründet. Irgendwann hat es sich so entwickelt, dass sich die Verantwortlichen im Personalverband nicht weiter mit Immobilienfragen beschäftigen wollten und diese Aufgabe an eigene Rechtsträger delegiert haben. Das hat dazu geführt, dass sich beides ein wenig auseinanderentwickelt hat. Gott sei Dank hat es eine Kehrtwende gegeben. Diesen Prozess der gegenseitigen Wertschätzung wollen wir gemeinsam vorantreiben. Das setzt voraus, dass alle auf dem gleichen Wissensstand sind.
Werner Sondermann: Diese Entwicklung darf übrigens nicht allein auf Bundesebene stattfinden, sondern ebenso auf Diözesanebene.

Was kann das Kolpingwerk Deutschlandfür eine bessere Zusammenarbeit tun?
Ulrich Vollmer:
Nicht ohne Grund haben wir entschieden, dass alle Leitungsverantwortlichen die Zeitschrift „Idee & Tat“ in den Einrichtungen und Unternehmen erhalten sollen. Darin gibt es die neue Rubrik „Einrichtungen und Unternehmen“. Damit werden auch alle Engagierten vor Ort in den Kolpingsfamilien und in den überörtlichen Gliederungen unseres Verbandes informiert. Zudem gibt es die Idee, dass jeder Mitarbeitende bei Kolping, gleich ob Mitglied oder nicht, zukünftig das Kolpingmagazin erhält. Ich meine, es wäre doch gut, wenn auch alle Mitarbeitenden – egal welche Funktion sie bekleiden – wissen, was bundesweit im Verband sowie seinen Einrichtungen und Unternehmen passiert.
Wir brauchen gegenseitige Wertschätzung für das, was geleistet wird! Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mitarbeitende und jeder Engagierte stets versucht – ganz im Sinne Adolph Kolpings und damit auch im Sinne des Kolpingwerkes – positiv tätig zu sein.
Der Bundesvorstand hat zudem entschieden, die Vorstände der Zusammenschlüsse regelmäßig einzuladen. Wir wollen uns Zeit nehmen, miteinander ins Gespräch zu kommen, uns gegenseitig zu informieren und ggf. auch Vereinbarungen zu treffen, was gemeinsam getan werden soll.
Wichtig ist, dass wir das nicht nur auf Bundesebene hinbekommen, sondern dass dieses auch auf Diözesanebene – und wenn notwendig – ggf. auch vor Ort erfolgt. Ich denke da an die Kolpingsfamilien, die ein Kolpinghaus haben. Denn der jeweilige Rechtsträger des Kolpinghauses steht hier in einer Treuhandfunktion für die Kolpingsfamilie.

Kommen wir zu den aktuellen Entwicklungen. Wie ist das beim VKH? Was beschäftigt Euch momentan?
Heijo Schepers:
Beim Jugendwohnen hat sich eine neue Perspektive aufgetan. Nach der Veröffentlichung einer großen Studie, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurde, wurde deutlich, wie stark das Thema Jugendwohnen doch die Gesellschaft insgesamt betrifft. Seitdem ist eine Entwicklung im Gange, die zu Neueinrichtungen führt. Den neuen Standorten in Hamburg und Berlin werden weitere folgen.
Im Hotelbereich sind wir auf einem guten Weg mit der Hotelkooperation (Kolping Hotels und Resorts = KHR) und gehen davon aus, dass sich die Zahl der Mitglieder in dieser Kooperation in naher Zukunft vergrößern wird. Wir werden außerdem unsere Zusammenarbeit mit den Kolping-Familienferienstätten noch weiter vertiefen. Der VKH ist ja bereits für die Ferienstätten in vielen Bereichen tätig, zum Beispiel in Verwaltungsfragen und bei der Öffentlichkeitsarbeit. Wir hoffen, dass wir das, mittelfristig gesehen, auch auf eine organisatorische Ebene bringen können; die Familienferienstätten könnten Mitglieder beim VKH sein.
Der klassische Bereich der Vereinshäuser bereitet allen Beteiligten die größten Kopfschmerzen, weil er schrumpft. Das hat viele Ursachen. Es gibt immer weniger gut ausgebildete Pächter, die eine Gastronomie mit Veranstaltungsräumen wirtschaftlich führen können. Die Frage der auskommenden Pacht spielt eine große Rolle. Die Kolpingsfamilien können außerdem nur auf eine kleiner werdende Zahl derjenigen, die sich aktiv einbringen, zurückgreifen. Das führt oft dazu, dass sich die Frage der Existenz eines Hauses stellt, die nicht immer positiv beantwortet werden kann.

Könnt ihr dort helfen?
Heijo Schepers:
Ja, es ist ja eine wichtige Dienstleistungsaufgabe des Verbandes, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir sollten möglichst frühzeitig angesprochen werden, damit Positives bewirkt werden kann.

Was tut sich im Kolpingwerk Deutschland?
Ulrich Vollmer:
Durch die Bundesversammlung 2016 wurde ein Zukunftsprozess beschlossen. Angesichts von gesellschaftlichen und kirchlichen Umbruchprozessen sowie der demographischen Entwicklung wollen wir uns so aufstellen, dass wir als Kolpingwerk zukünftig sowohl in Gesellschaft als auch Kirche präsent sind und unsere Aufgabe wahrnehmen können. Wir fragen: Wie kann es gelingen, dass wir als Mitgliederverband stark und so attraktiv für Menschen bleiben, damit diese sich zu den Kolpingsfamilien vor Ort hingezogen fühlen? Oder wie können wir dafür sorgen, dass es in den Kolpingsfamilien ein starkes Bewusstsein dafür gibt, Teil eines Verbandes zu sein, der bundesweit – und auch weltweit – organisiert ist?
Diese Fragestellungen interessieren uns auch im Zusammenhang mit den Einrichtungen und Unternehmen. Was macht das Profil von Kolping zukünftig aus, wie definieren wir uns? Ich denke, nachdem unser Leitbild im Jahre 2000 beschlossen wurde, ist es 20 Jahre später an der Zeit, auch der nächsten Generation die Chance zu geben, diese Fragen zu beantworten. Zu den Themen gehört auch das gemeinsame Verständnis von Verband sowie seinen Einrichtungen und Unternehmen.

Was bewegt die Kolping-Bildungsunternehmen?
Werner Sondermann:
Die Themen der Kolping-Bildungsunternehmen werden auch im Verband insgesamt diskutiert. Ein Beispiel: Wie wirkt sich der Trend zur Digitalisierung aus? Wie verändert sich die Arbeitswelt? Wie stellen sich die Kolping-Bildungsunternehmen darauf ein?
Weiteres Beispiel: Die Frage nach dem Fachkräftemangel bildet einen inhaltlichen Schwerpunkt im Verband und für uns als Bildungsträger. Wir haben die Fragen des Sozialgesetzbuches diskutiert. Hier ergeben sich neue Aufgaben in den Kolping-Bildungsunternehmen.
Diskutiert werden auch Themen wie: Warum schaffen Kolping-Bildungswerke ein Mehrgenerationenhaus? Ist das eine Aufgabe für uns? Oder: Warum kümmern wir uns um die Pflegeausbildung? Da gibt es immer wieder die Vernetzungssituation auch in der inhaltlichen Auseinandersetzung. Für das Verständnis der Mitglieder ist ganz wichtig zu spüren, dass wir am gleichen Strang ziehen. Inhaltlich gibt der Verband ein Stück weit die Vorgabe.
Ulrich Vollmer: Die größte Herausforderung wird sein: Wie bekommen wir – ganz gleich ob vor Ort, überörtlich und in den Gliederungen des Verbandes, ob in den Einrichtungen und Unternehmen – ehrenamtliche, hauptamtliche, hauptberufliche Mitarbeitende und Leitungskräfte, die wissen, was Kolping heute ist und die sich mit Herzblut für Adolph Kolping und sein Werk einsetzen.

Die Fragen stellte Martin Grünewald


Ulrich Vollmer 

  • seit 1976 Mitglied des Verbandes
  • mehr als 30 Jahre im Ehrenamt tätig
  • 2008 Wahl zum Bundessekretär des Kolpingwerkes Deutschland
  • trägt u.a. Sorge dafür, dass der Verband ehrenamtlich geleitet werden kann
  • Anzahl der Mitglieder des Kolpingwerkes Deutschland mehr als 230.000
  • weitere Aufgabe ist Kontaktaufnahme zu verbandlichen Einrichtungen und Unternehmen
  • stellvertretender Vorsitzender des VKH (Verband der Kolpinghäuser)
  • Mitglied im Vorstand der Kolping-Bildungsunternehmen 

Hein-Josef Schepers

  • Kolpingmitglied seit 1963
  • Vorsitzender des Verbandes der Kolpinghäuser (VKH)
  • Über 40 Jahre war er Vorsitzender des Kolpinghaus Bocholt e.V.
  • 230 Kolpinghäuser (z.T. Jugendwohnheime, Hotels, Vereinshäuser) stehen in Deutschland allen Menschen offen
  • Schwerpunkt: Kolping Jugendwohnen
  • Mit 35 mal Kolping Jugendwohnen ist Kolping der größte Träger von Jugendwohnen in Deutschland

Werner Sondermann

  • Kolpingmitglied seit 1963
  • Vorsitzender des Verbands der Kolping-Bildungsunternehmen (KBU)
  • war 37 Jahre in verantworlicher Funktion im Kolping Diözesanverband Paderborn tätig
  • 22 Kolping-Bildungsunternehmen in Deutschland
  • Diese unterhalten regional in 220 Orten Einrichtungen zur beruflichen sowie zur Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Insgesamt ca. 120.000 Teilnehmende und mehr als 6.200 Mitarbeitende