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Ein neues Leitbild braucht Leidenschaft

Im Rahmen der Kampagne #KOLPINGwirkt stellt die Kommission zur Leitbildentwicklung im Kolpingwerk Deutschland ihre Arbeit vor.

Eine Kommission für ein neues Leitbild im Kolpingwerk Deutschland. Es mag für manche nach trockener Theorie und zähem Ringen um die einzelne Formulierung klingen, bis hin zur Wortklauberei. Und tatsächlich geht es bei der Arbeit an einem neuen Leitbild vielfach um die Liebe zum Detail. Zu wichtig sind manche inhaltlichen Fragen, als dass man die notwendige Hingabe vermissen lassen dürfte. Was aber nach grauer Theorie aussieht, ist in diesen Zeiten für 30 Frauen und Männer ein zugleich ambitioniertes und höchst attraktives Unternehmen. Die Kommission zur Leitbildentwicklung ist eine bunt gemischte Versammlung von Menschen aller Generationen und aus allen Teilen der Republik, die vor allem eines miteinander verbindet: ihre Leidenschaft für das Kolpingwerk und seine bleibende Vitalität angesichts gesellschaftlicher und kirchlicher Krisen. Und ihre hohe Identifikation mit einem Bundesverband, der sich für die Zukunft aufstellen möchte – auf dass Kolping wirkt, gemeinschaftlich und solidarisch.

Fragen dieser Zeit

Leidenschaft für Kolping-Arbeit auf der Höhe der Zeit und hohe Identifikation mit den verbandlichen Traditionen sind seit nunmehr zwei Jahren gefordert, wenn es an die Beratungen zum weiterentwickelten Leitbild geht. Die Anfänge dieses Prozesses liegen dabei nicht erst in der Gründung der Kommission. Bereits in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts gelangten die Verantwortlichen des Kolpingwerkes zu der Überzeugung, dass das im Jahr 2000 beschlossene Leitbild überarbeitet und weiterentwickelt werden muss. Viele verbandliche und gesellschaftliche Fragen sind in den letzten Jahren aufgetaucht, neue Perspektiven haben sich genauso entwickelt wie neuartige Herausforderungen. Digitalisierung und Globalisierung waren noch anders beleuchtet, Diskussionen über Klimaschutz und über Diversität waren vergleichsweise zarte Pflänzchen. Mit dem Zukunftsprozess „Kolping upgrade“, dessen Anfang auf der Bundesversammlung 2016 datiert, begann die intensive Auseinandersetzung mit den Fragen dieser Zeit und mit tragfähigen Antworten im Kolpingwerk.

Wer kann Mitglied bei Kolping werden? Wie können die verbandlichen Gliederungen und die Einrichtungen und Unternehmen besser vernetzt werden? Was bedeutet es, in diesen Zeiten Teil der Katholischen Kirche zu sein?

Diese und andere Fragen wurden fortan kontrovers diskutiert. Den Verantwortlichen war es von Anfang an ein Anliegen, eine möglichst breite Beteiligung im Verband herzustellen. Nicht nur die Bundesversammlung und der Bundeshauptausschuss sollten über die zentralen Fragen verbandlicher Identität und Programmatik beraten, sondern möglichst alle Mitglieder und auch alle Mitarbeitenden sollten die Gelegenheit bekommen, eigene Anstöße zu geben und eigene Erfahrungen beizusteuern. Auf dezentralen Regionalforen im Jahr 2018 sowie einem zentralen Zukunftsforum 2019 in Fulda wurden die Beratungen intensiviert. Es folgten Zukunftsdialoge in den Diözesanverbänden – und es folgte ein Bruch für die umfangreichen persönlichen Begegnungen und den ausgearbeiteten Zeitplan, bedingt durch die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020, die Kontaktbeschränkungen und eine um sich greifende Unklarheit, wann und wie es weitergehen kann.

Vorankommen in der Pandemie

Am Vorabend jenes einschneidenden Ereignisses für das Leben aller Menschen innerhalb und außerhalb des Verbandes, im Februar 2020, hatte sich die Kommission Leitbildentwicklung konstituiert. Alle Landes- und Regionalverbände, die Einrichtungen und Unternehmen, die Kolpingjugend und die Gremien des Bundesverbandes hatten kompetente Akteure ernannt und gewählt, deren Auftrag nun also die Weiterentwicklung des Leitbildes von 2000 und die Aufnahme der vielen wichtigen Impulse aus den verbandlichen Dialogen der Vorjahre war – vieles aber musste nun digital geschehen.

Und was manchen zunächst fremdeln ließ, entpuppte sich in der Arbeit der Kommission als möglicher Modus der konzentrierten Weiterarbeit. Kommissions- und Kleingruppen-Sitzungen wurden digital durchgeführt, der Faden der Beratungen und das Bemühen um eine zukunftsorientierte Programmatik rissen nicht ab. Engagierten Kommissionsmitgliedern sei Dank!

In Kleingruppen wurden also zunächst die wichtigen Impulse des Leitbilds aus dem Jahr 2000 gewürdigt. Es sollte sich herausstellen, dass viele inhaltliche Anstöße dieses Vorgänger-Leitbilds gar nicht so sehr aus der Zeit gefallen sind. Es müsse vielmehr um Weiterentwicklung als um Neuaufstellung gehen. Auf einer guten und erprobten Basis kann aufgebaut werden.

In der Kommission Leitbildentwicklung wuchs trotz erschwerter Rahmenbedingungen durch die anhaltenden Kontaktbeschränkungen eine Leidenschaft für die Inhalte des Kolpingwerkes und für Textstücke, die das lebendige Verbandsleben auf ansprechende Art dokumentieren.

Dabei blieb die Kommission nicht auf sich allein gestellt. Immer wieder suchten die Verantwortlichen den Kontakt zu Expertinnen und Experten unterschiedlicher Couleur. Auf einen Austausch mit der Kolpingjugend über deren Anliegen an das Leitbild folgte ein Expertenhearing mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtungen und Unternehmen, die ihre Perspektive auf ein neues Kolping-Leitbild gewinnbringend zur Sprache bringen konnten. Auch außerverbandliche Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, der Kultur oder aus anderen Verbänden sollten zu Wort kommen.

Regionale Anhörungstage

Noch einmal wurde im Frühjahr 2022 der Kontakt mit möglichst vielen Menschen im Verband gesucht. Auf digitalen, aber auch wieder regionalen Anhörungstagen wurden erste Textentwürfe präsentiert und diskutiert. Die Mitglieder der Leitbildkommission teilen bei diesen Gelegenheiten ihre Erfahrungen mit vielen Interessierten aus allen Regionen und Diözesanverbänden. In manchen inhaltlichen Fragen geht es um den gelungenen Kompromiss zwischen Fortschritt und Tradition. Manchmal darf eine einzelne Formulierung klarer und entschlossener daherkommen. Die vielen Facetten eines großen Verbandes sollen abgebildet sein, gleichzeitig möge das neue Leitbild nicht zu ausführlich oder gar langweilig werden. Natürlich braucht es griffige Kurzformeln, wie jenes Format des „Kolping in 12 Sätzen“ von vor 22 Jahren.

Inzwischen ist die Kommission zur Leitbildentwicklung in die Zielgerade eingebogen. Nur noch wenige Monate sind es bis zur Bundesversammlung im November 2022. Hier soll ein neues, weiterentwickeltes Leitbild beschlossen werden. Noch kürzer ist die Zeit bis zum ersten Versand an die Delegierten. Die verbleibende Zeit wird noch einmal genutzt. Ein sechsköpfiges Redaktionsteam steckt vermehrt die Köpfe zusammen, um Textvorschläge auszuarbeiten. Am Ende trägt die Kommission mit ihren 30 Mitgliedern die Verantwortung dafür, dass dem Bundesvorstand eine Leitbild-Fassung übergeben wird, die diskutiert werden kann. Das Leitungsteam der Kommission besteht aus der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Klaudia Rudersdorf, dem Grundsatzreferenten des Kolping-Bildungswerkes Paderborn Sascha Dederichs und der Hildesheimer Kolpingjugend-Diözesanleiterin Katharina Diedrich. Sie halten die Fäden zusammen, geben die Richtung vor – und sie versprühen Optimismus, dass die manchmal schweißtreibenden Sitzungen und Klausurwochenenden sich lohnen. Weil die programmatischen Diskussionen eben auch die Stärken von Kolping in Erinnerung rufen: die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich auf neue Zeiten und neue Herausforderungen einzulassen – die generationsübergreifende Vielfalt des Verbandes – und die Leidenschaft für den Verband, seine Menschen und die vielen Menschen, für die er wirkt.

 

Ein Interview mit der Leitung des Kommission Leitbildentwicklung findet sich in der aktuellen Online-Ausgabe des Kolpingmagazins.

 

Im Rahmen der Kampagne #KOLPINGwirkt werden Fachbereiche des Kolpingwerkes Deutschland vorgestellt. Bereits erschienen sind folgende Beiträge: