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Berufliche Bildung stärken und digital fit machen

Die berufliche Bildung sowie die Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt standen im Mittelpunkt der Herbst-Sitzung des Arbeitskreises Kolping und Handwerk in Berlin.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben sich nach Einschätzung der Vertreter des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Kolpingwerkes deutlich auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt. Derzeit sind immer noch rund 29.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. ZDH- und Kolpingwerkvertreter stimmen darin überein, dass kleine und mittlere Betriebe, die sich trotz Kurzarbeit oder massiver Umsatzeinbußen weiter für die Fachkräftenachwuchssicherung stark machen, mit der beschlossenen Ausbildungsprämie zwar eine wichtige Anerkennung erhalten. Es sei aber auch festzustellen, dass wegen der restriktiven Förderbedingungen die Erwartungen der Betriebe vielfach enttäuscht worden sind.

„Die Bundesregierung ist aufgerufen, das Programm nachzubessern. Aus der Corona-Krise darf keine Ausbildungskrise werden. Wir im Handwerk geben niemanden verloren – keinen Jugendlichen und erst recht keine Generation Corona“, stellt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte fest.

Der Lockdown während der Corona-Pandemie hat aus Sicht von ZDH und Kolpingwerk deutlich gezeigt, dass es in allen Bildungsbereichen bei der Digitalisierung noch erheblichen Nachholbedarf gibt. Im Kontext des Digitalpaktes Schule plädieren der ZDH und das Kolpingwerk dafür, dass alle Schularten ausreichend in ihrer digitalen Infrastruktur gefördert werden. Wichtig dabei ist, dass die bereitgestellten Mittel von den Einrichtungen auch ohne große bürokratische Hürden abgerufen werden können und allen Lernorten der beruflichen Bildung zur Verfügung stehen. Die vorhandene Förderlücke für die Jugendberufshilfe muss zügig geschlossen werden. Erst auf dieser Grundlage kann die berufliche Bildung in digitaler Form erfolgreich durchgeführt und gestaltet werden.

Angesichts der regionalen Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt ist außerdem die Förderung der Mobilität von Jugendlichen von wachsender Bedeutung. Hier bietet das Jugendwohnen eine wichtige Unterstützung für junge Menschen in Ausbildung. Der ZDH und das Kolpingwerk setzen sich gemeinsam für eine bessere Förderung dieser Jugendwohnheime ein und wollen in der Öffentlichkeit noch mehr Bewusstsein für die Problematik des Wohnbedarfs von Auszubildenden schaffen.

„Ein wichtiges gemeinsames Anliegen ist auch, die Geflüchteten in Ausbildung zu unterstützen. Viele haben wegen noch nicht ausreichender deutscher Sprachkenntnisse Probleme, den Berufsschulunterricht und Prüfungssituationen zu bewältigen“, erklärte Ursula Groden-Kranich, die Bundesvorsitzende des Kolpingwerkes Deutschland.

ZDH- und Kolpingwerkvertreter diskutierten, wie im Rahmen eines Pilotprojekts diese Auszubildenden auch in ihrer Muttersprache parallel unterstützt werden können. Als sinnvoll wird schon derzeit ein sprachsensibler Berufsschulunterricht erachtet, um Berufsschüler an die deutsche Sprache heranzuführen. Im Arbeitskreis ist man sich einig und betont nochmals, wie zentral die deutsche Sprache nicht nur für die Absolvierung der Ausbildung, sondern auch für die Arbeit im Betrieb und den Kontakt mit den Kunden ist.

Im Arbeitskreis Kolping und Handwerk tauschen sich Vertreter des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und des Kolpingwerkes Deutschland regelmäßig über inhaltliche Positionen und über konkrete Formen der Zusammenarbeit aus.


Fotos: ZDH