News

Auch die Jugendberufshilfe braucht einen Digitalisierungsschub!

Positionspapier der Ständigen Fachkonferenz Berufliche Bildung in der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland – Bundesarbeitsgemeinschaft e. V.

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bieten kann: Arbeit wurde im Homeoffice erledigt, Besprechungen und Dienstreisen wurden durch Videokonferenzen ersetzt, Schülerinnen, Schüler und Studierende lernten zu Hause mit digitaler Unterstützung. Diese Situation hat Potenziale und Grenzen der Digitalisierung aufgezeigt. In vielen Bereichen musste digital aufgerüstet werden: bei der technischen Ausrüstung ebenso wie bei den digitalen Qualifikationen für die Mitarbeitenden und die damit einhergehenden neuen Arbeitsweisen. Mit dem DigitalPakt Schule sind Möglichkeiten geschaffen worden, Schulen für digitales Lernen aufzustellen und die technische Ausstattung zu verbessern.

Bildungsbenachteiligte Jugendliche haben dagegen von digitalen Angeboten kaum profitieren können. Sie verfügen oft nicht über einen ausreichenden Internet-Zugang, es fehlt die technische Ausstattung oder die Kompetenzen, mit digitalen Medien selbständig zu lernen. Die Träger der Jugendberufshilfe waren und sind sehr engagiert, Kontakte und Beziehungen zu den Jugendlichen verstärkt hybrid zu gestalten. Neue digitale Angebote werden konzipiert und erprobt.

Um auch benachteiligten jungen Menschen die Chancen der Digitalisierung zu eröffnen und sie auf eine Arbeitswelt 4.0 vorbereiten zu können, müssen den Trägern der Jugendberufshilfe die notwendigen finanziellen Ressourcen für die digitale Ausstattung ihrer Arbeit und die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt werden. Ansonsten drohen gerade Jugendliche mit Förderbedarfu weiter abgehängt zu werden. Zudem müssen alle jungen Menschen in ihrer Ausbildung Zugang zu leistungsfähigem Internet sowie gleiche Möglichkeiten zur Nutzung digitaler Anwendungen haben – schon aus Gründen der Bildungsgerechtigkeit.

Derzeit können freie Träger der Jugendberufshilfe keine Mittel aus dem DigitalPakt Schule beantragen. Damit die Jugendberufshilfe ihre Aufgaben auch in digitaler Form adäquat weiterentwickeln und umsetzen kann, ist sie jedoch auf finanzielle Unterstützung zur technischen Ausstattung von Mitarbeitenden und Jugendlichen sowie für die Weiterqualifizierung angewiesen.

Die Ständige Fachkonferenz Berufliche Bildung fordert deswegen, dass auch bildungsbenachteiligte junge Menschen in den Blick genommen werden und die gleichen digitalen Chancen erhalten wie die Schülerinnen und Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Hier müssen dringend Fördermöglichkeiten geschaffen werden – zum Beispiel über die Öffnung des DigitalPakt Schule, einen eigenen DigitalPakt für die Jugendberufshilfe oder andere Fördermöglichkeiten. Dies gilt insbesondere für die aktuelle Situation. Es ist zugleich eine Investition in die Zukunft, da diese jungen Menschen oft nur so einen Zugang zur Arbeitswelt 4.0 bekommen.

Die Ständige Fachkonferenz Berufliche Bildung vertritt die katholischen Träger berufsbezogener Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Sie dient der Kooperation und gemeinsamen politischen Interessenvertretung. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Berufsvorbereitung, Aus- und Weiterbildung sowie insbesondere die Qualifizierung individuell und strukturell benachteiligter Menschen. Gegründet wurde die Konferenz 1970 als Bundesarbeitsgemeinschaft für berufliche Bildung. Seit 2016 ist sie als ständige Fachkonferenz unter dem Dach der KEB Deutschland organisiert. Das Kolpingwerk Deutschland ist Mitglied in der Ständigen Fachkonferenz Berufliche Bildung.