Bundesebene

Armut in Familien entgegenwirken!

Kolpingwerk Deutschland fordert entschlossenes Handeln für Familien in Armut

Das Kolpingwerk Deutschland erinnert daran, dass Familien in Deutschland einen besonderen Anspruch auf Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft haben. Dennoch würden rund 1,8 Millionen Kinder in Familienhaushalten leben, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sind. Weite man die Definition von Armut auf die sogenannte Armutsrisikoquote aus, seien 13,3 Prozent der Familienhaushalte von Armut betroffen; bei Alleinerziehenden seien es sogar 33,2 Prozent. Aufgrund dieses Sachverhalts weist der Bundeshauptausschusses auf die Situation von Armut in Familien hin und stellt Forderungen:

Staatliche Fürsorgeleistungen

Von hoher Bedeutung ist stets eine niedrigschwellige Beantragung familienbezogener Leistungen. Zwischen Oktober 2016 und September 2017 betrafen fast ein Drittel der Kürzungen von Leistungsansprüchen im Bereich des SGB II Familien mit Kindern.

Das Kolpingwerk Deutschland fordert, jene Sanktionen gänzlich abzuschaffen, die in der Folge zu einer Unterschreitung des Existenzminimums führen.

Wohnungsnot

Familien und insbesondere Alleinerziehende finden immer seltener geeigneten bezahlbaren Wohnraum. Vor dem Hintergrund der Wohnungsnot, insbesondere in den Ballungszentren, müssen die Rahmenbedingungen politisch so gestaltet werden, dass mehr bezahlbarer familiengerechter Wohnraum geschaffen wird. Spekulation und die Zweckentfremdung von Wohnraum müssen verhindert werden. Auf Bundesebene muss der soziale Wohnungsbau deutlich ausgebaut werden.

Faire und gute Löhne

Sind Kinder von Armut betroffen, so gilt dies für die gesamte Familie. Das Kolpingwerk verweist darauf, dass Arbeitsverhältnisse und die zu erzielenden Löhne existenzsichernd sein müssen. Das Kolpingwerk fordert in diesem Zusammenhang eine Stärkung der Sozial- und Tarifpartnerschaft, die Ausweitung von Branchen- und Flächentarifen sowie die konsequente Umsetzung des Mindestlohns für alle (abhängig) Beschäftigten. Die Höhe des Mindestlohnes ist so zu gestalten, dass die Beschäftigten in einem angemessenen Rahmen Sorge für den Unterhalt ihrer Familie tragen können, dass sie für das Alter vorsorgen können und dass eine gesellschaftliche Teilhabe garantiert ist.

Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit

Die Vereinbarkeit von familiärer Sorgearbeit und Beruf ist nach wie vor schwer möglich. Insbesondere Frauen sind betroffen, da sie nach wie vor einen Großteil der familiären Sorgearbeit leisten. Besonders Alleinerziehende stehen in diesem Zusammenhang vor großen Problemen.

Es braucht Zeit und finanzielle Sicherheit nicht nur für Eltern, die innerhalb des Familiensystems ihre Kinder erziehen, sondern auch für diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich um die Betreuung und Pflege von Familienangehörigen zu kümmern. Mit Blick auf die in Familien geleistete Sorgearbeit darf Teilzeitbeschäftigung nicht zu einer Falle werden, zum Beispiel, wenn sich sorgende Tätigkeiten nicht ausreichend auf die Rente niederschlagen. Das Kolpingwerk bewertet das seit dem Jahr 2019 geltende Rückkehrrecht bei Teilzeit als einen Schritt in die richtige Richtung.

Der Bundeshauptausschuss des Kolpingwerkes Deutschland tagt vom 8. bis 10. November in Freiburg. Er ist das – zwischen den alle vier Jahre stattfindenden Bundesversammlungen – tagende Beschluss-, Kontroll-, Kooperations- und Koordinationsorgan des katholischen Sozialverbandes mit seinen mehr als 230.000 Mitgliedern.

Die vollständige Erklärung im Wortlaut

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