Anton ist einer, der zupacken kann. Gerne hilft er Älteren, zum Beispiel beim Autowaschen.

Moritz Kube vom Jugendleiterteam hilft mit beim Beerenpflücken.

Bei der Sozialaktion „Helfen Sie uns, anderen zu helfen – Kolpingjugend für Menschen in Not“. Die Kolpingjugend macht jetzt mehr als ein Drittel der Mitglieder aus.

Miteinander basteln, Aktionen durchführen und Spaß haben – die Kolpingjugend Illingen hat sich erfolgreich entwickelt.

Stockbrotbacken über dem offenen Feuer ist immer ein Erlebnis.

Bei einem Grundschulfest hat sich die Kolpingsfamilie an der Kinderbetreuung beteiligt. Das schafft auch Kontakte.

Kolpingmagazin So sind wir

Alltagshelfer aus Illingen

Kinder- und Jugendarbeit aufzubauen – das war keine leichte Aufgabe in Illingen. Immerhin lag das Durchschnittsalter in der Kolpingsfamilie bei Mitte 70. Jetzt sind alle glücklich.

Anton ist elf Jahre alt. Er sagt, dass er meistens jünger geschätzt wird. Aber es mache ihm nichts aus. Anton ist einer, der zupacken kann. Wenn Unkraut gerupft werden muss, rupft Anton Unkraut, muss Rasen gemäht werden, mäht er Rasen, und wenn ein Auto gewaschen werden muss, rückt Anton mit Wassereimer und Schwamm an. Es sind meist ältere Menschen, die seine Unterstützung brauchen. „80-Jährige können vieles nicht mehr so gut“, sagt er. Was ihnen schwer falle, sei für ihn ganz einfach. „Und dann mache ich das eben.“ Auch für den Pfarrer habe er schon einige Dinge erledigt, unter anderem habe er alles, was raus musste, Zettel, Papiere, Unterlagen, aus dem Druckerraum geräumt. Anton ist auch gerne mit anderen Jungs unterwegs, er spielt gerne, er fährt ins Zeltlager, aber für andere da zu sein, das bedeutet ihm besonders viel. „Es tut halt gut, anderen Leuten zu helfen“, sagt er. „Die sehen dann so glücklich aus.“

Anton Gabath ist nicht der einzige, der hilft. Die Kolpingjugend Illingen aus dem Diözesanverband Trier hat sich mit der Kolpingjugend Fischbach und der Kolpingjugend Heiligenwald zusammengetan für die jährlich stattfindende Solidaritätsaktion „Helfen Sie uns, anderen zu helfen – Kolpingjugend für Menschen in Not“. Die Idee entstand im Jahr 2014, die Resonanz war von Anfang an groß. Wer einen Helfer braucht, meldet sich telefonisch oder per Mail an. Mal soll Glas oder Altpapier weggebracht werden, mal Einkäufe gemacht, mal Straßenrinnen gereinigt werden. „Unsere ehrenamtlichen Dienste bieten wir an zwei Samstagen an, jeder bezahlt, was er möchte“, erklärt Moritz Kube aus dem Illinger Jugendleiterteam. Die Geldspenden gehen an soziale Einrichtungen vor Ort. Für ihr Engagement wurde die Kolpingjugend Illingen im April 2018 von Bischof Ackermann ausgezeichnet. Und eine nächste Sozialaktion ist bereits dabei, sich zu etablieren: Vergangenes Jahr besuchten die jungen Kolpingmitglieder erstmals ältere, alleinstehende Menschen, um mit ihnen zu singen, zu spielen oder vorzulesen.

Wäre Anton nicht bei der Kolpingsfamilie dabei, was wäre dann? „Dann hätte ich den Spaß nicht, ich säße zu Hause und hätte nichts gemacht“, sagt er. Vor vier Jahren sei er zur ersten Gruppenstunde gegangen, seitdem hätte er auch einige Freunde überzeugt, mitzumachen. Anton gehört noch zur jüngeren Kolpingjugend, die alle bis 12-Jährigen fasst, zusammen mit den Älteren sind sie 42 Kinder und Jugendliche. Sie stellen damit bei 120 Mitgliedern ein gutes Drittel. Dass der Nachwuchs so stark vertreten ist, war nicht immer so. „Im Jahr 2007 hatten wir 82 Mitglieder, der Altersdurchschnitt lag bei Mitte 70“, berichtet Horst Schiwack, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Illingen. Eine Idee, wieder mehr Jüngere zu gewinnen, musste her. Damals saß Hans-Willi Augustat, tragendes Mitglied und inzwischen seit 40 Jahren dabei, mit anderen Eltern aus der Kommunionskatechete zusammen. „Eine Mutter sagte, es wäre doch schade, wenn wir unseren Kindern nicht die Erfahrung bieten könnten, die wir gemacht haben“, erzählt Hans-Willi Augustat. „Und dann habe ich geantwortet, lass uns doch einfach eine Gruppe eröffnen, ihr habt drei Kinder, wir haben vier, sind schon mal sieben.“ Dazu kamen von zwei weiteren Ehepaaren je zwei Kinder – und fertig war die neue Gruppe.

„Wenn sich das bei uns nicht so ergeben hätte, wäre es uns auch so ergangen wie anderen Kolpingsfamilien, die sich mit dem Nachwuchs schwer tun“, ist sich Hans-Willi Augustat sicher. Zwei Mal in der Woche finden nun die Gruppenstunden statt, montags treffen sich die Jugendlichen, an den Freitagen kommen vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder. Geleitet werden die Gruppen abwechselnd von neun Jugendleitern, die über das Kolpingwerk ausgebildet wurden. „Aus den dritten und vierten Klassen gibt es momentan acht Kinder, die in die Gruppenstunden kommen, aber noch nicht Mitglied sind“, so Jugendleiterin Isabell Augustat, die inzwischen auch als Jugendreferentin beim Kolpingwerk arbeitet. Im Ort hat es sich längst herumgesprochen, dass die Kolpingjugend viele Aktivitäten anbietet, unter anderem Schnitzeljagden und weitere Geländespiele, gemeinsames Basteln und Kochen, Filme ansehen und selbst drehen, Discotanz und Freizeiten. Kirchlich engagieren sich die Kinder und Jugendlichen bei Familiengottesdiensten, Frühschichten und Andachten. Allein auf Mundpropaganda hat man sich aber nie verlassen. Von Anfang an kümmerte sich die Kolpingjugend Illingen darum, in den Ortszeitungen präsent zu sein. In einem Amtsblatt dürfen sie wöchentlich über ihre Aktionen berichten. Die Jugendlichen gehen auch an Kindergärten und in Grundschulen und präsentieren sich in einer gemeinsamen Spielestunde.

„Und zum Glück macht Papa ja seine Hausbesuche“, sagt Isabell und schaut zu ihrem Vater Hans-Willi. Beide lachen. „Das ist so eine Eigenart von mir, die Leute zu überreden, so habe ich für unsere Kolpingsfamilie über 80 Personen geworben“, erzählt er. Irgendjemand müsse es ja machen. „Und mir fällt esl eicht.“ Am Ball bleiben, sich nicht schnell entmutigen lassen, das hat auch Isabell gelernt. „Es genügt nicht, Zettel in den Briefkasten zu werfen oder einmal anzurufen und zu fragen, hallo, bist du morgen dabei“, sagt sie. Man müsse sich schon sehr bemühen, die Leute immer wieder ansprechen, telefonieren, Mails schreiben oder WhatsApp-Nachrichten – und dabei die Balance halten. „Niemandem auf die Nerven gehen, aber dafür sorgen, dass man im Gedächtnis bleibt“, beschreibt es Isabell. „Und klar, das ist manchmal ganz schön anstrengend, aber so ist es eben, das gehört dazu.“ Dass man manche Menschen zu ihrem Glück zwingen muss, ist nicht nur so ein Sprichwort. Moritz beispielsweise wäre sonst nie zur Kolpingsfamilie gekommen. Er erzählt, dass eine Fahrt nach Assisi anstand, auf die er keine rechte Lust hatte. „Aber Hans-Willi hat immer wieder angerufen und gesagt, willst du nicht doch mitfahren“, erzählt er. „Ich bin sehr froh, dass er nicht locker gelassen hat.“

Sich zurückzulehnen sei keine Option. Auch wenn man es könnte, wo es doch gerade so gut läuft. „Wir sind Realisten, morgen kann es schon wieder anders sein“, erklärt Hans-Willi die Unermüdlichkeit der Kolpingsfamilie. Es sei doch so: „Wir wollen was haben, also müssen wir dafür sorgen, dass wir was kriegen.“ Wichtig sei, gerade wenn man bei allem Machen und Tun selbst mal ein Tief habe, darauf zu vertrauen, dass es weitergeht. „Es gibt immer noch Menschen, die religiös und sozial ansprechbar sind und sich nicht vom Alltag blenden lassen. Man muss sie abholen, auch wenn es sehr schwierig ist, sie zu finden.“ Die Geborgenheit einer Gemeinschaft würden doch alle suchen. Und gerade Kinder würden sich im Miteinander aufgehoben fühlen. „Ich bin ein Einzelkind und kenne es, wie es ist, alleine zu spielen“, erzählt Moritz. „Hier haben wir Freunde gefunden, die wir sonst nicht gefunden hätten“, sagen Anton und seine drei Jahre ältere Schwester Frieda. Schön sei, „dass wir uns alle so gut verstehen“. Und dass alle zusammenhelfen würden. Jüngst gab es eine weitere Aktion, bei der wieder alle an einem Strang gezogen haben. Weil die Gießkannen auf den Illinger Friedhöfen immer weniger werden und die vorhandenen nur noch schlecht erhalten sind, und sich keiner sonst zuständig fühlte, spendete die Kolpingjugend aus ihrem Etat 20 neue Gießkannen. „Dadurch bleiben wir im Gespräch“, so Isabell.

Text: Sylvie-Sophie Schindler
Fotos: Barbara Bechtloff, Kolpingsfamilie Illingen