Bundesebene Geistlicher Impuls

Wo ist der heilige Geist spürbar?

Geistlicher Impuls zu Pfingsten von Rosalia Walter, der geistlichen Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland.

Ist unsere Welt von allen guten Geistern verlassen? Diesen Eindruck kann man haben angesichts der Ereignisse, die wir in diesen Wochen und Monaten erleben.

Wo ist der Heilige Geist spürbar?

Die frohe Botschaft des Johannes schildert die Situation der Jünger nach dem Tod Jesu. Eingeschüchtert, verschreckt und traurig, so dürfen wir uns die Jüngerschar am Pfingsttag vorstellen. Sie sitzen bei verschlossenen Türen und verschlossenen Herzen beisammen. Sie haben Angst. Sie verstehen die Welt nicht mehr und wissen nicht, wie sie mit den Ereignissen, die sie erlebten, umgehen sollen. Zweifel und Fragen, die zeitlos sind.

Durch verschlossene Türen kommt Jesus in die Mitte der zutiefst verängstigen Jünger, zeigt sich als der Auferstandene und bekräftigt mit dem Friedensgruß sein Vermächtnis: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (14,27). Er gibt sich als Auferstandener zu erkennen, und die verzweifelten Jünger freuen sich.

Die Begegnung mit Jesus verändert die Lage! Wir zucken innerlich ein bisschen zusammen, wenn wir lesen, wie er das tut: Er blies sie an und sprach: Nehmt hin den Heiligen Geist! Keine Angst vor der Infizierung mit einem Virus – stattdessen die Infizierung mit dem Heiligen Geist. Der Geist wird von Jesus durch Anhauchen übertragen. Das erinnert an die Erschaffung des Menschen in der Schöpfungsgeschichte. Erst Gottes Einhauchen macht den Menschen lebendig.

Durch die Infizierung mit dem Heiligen Geist werden aus verängstigten Jüngern mutige Apostel. Mitten hinein in die Leblosigkeit haucht Jesus den Heiligen Geist. Wieder lebendig geworden, ausgerüstet mit dem Heiligen Geist, können sich die Jünger wieder äußern, sind Feuer und Flamme und finden neue Worte. Sie werden als vom Geist Ergriffene zu freimütigen Boten und sorgen für Staunen und Verwunderung bei den Umstehenden (vgl. Apg 2,11).

Die Ausrüstung mit dem Heiligen Geist macht sie bereit, nun den Auftrag Jesu auszuführen, den er ihnen gibt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob uns die Bedeutung dieser Worte immer bewusst ist, wenn wir uns Gedanken über den Zustand der Welt, die Zukunft der Kirche und das Leben als Christ machen. Dass Jesus seine Jünger aussendet und mit einem Auftrag ausstattet, der genauso beschaffen ist wie der Auftrag, den Jesus von seinem Vater erhalten hatte: Das muss man sich erstmal klar machen.

Das bedeutet: Jesus reicht den Staffelstab an seine Jünger weiter. Sie sollen nun sein Werk fortsetzen. Dabei ist klar: Sie übernehmen nicht einfach seine Rolle. Er, Jesus, ist der Heiland, der Sohn Gottes. Was er getan hat, ist einzigartig: Sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind der Wendepunkt in der Geschichte.

Was mit Jesus anfing, soll nun fortgesetzt werden. Mit Pfingsten bricht eine neue Zeit an. Aus Frust wird Lust, aus Trauer Freude, aus Lethargie Begeisterung. Das feiern wir an Pfingsten. Damals haben die Jünger einen neuen Impuls für ihr Leben bekommen, der bis heute in der Kirche wirksam und lebendig ist, einen neuen Lebensatem, einen Antrieb, dass es Freude macht zu glauben, dass es Erfüllung bringt, aus diesem Glauben zu leben.

Als vom Geist Ergriffene wurden die Jünger damals zu freimütigen Boten und sorgten für Staunen und Verwunderung bei den Umstehenden (vgl. Apg 2,11). Als Getaufte und Gefirmte liegt es heute an uns, es ihnen gleich zu tun, damit der Heilige Geist spürbar und erlebbar wird.

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Bild: Gerd Altmann auf pixabay.com