Diese Osterdarstellung ist von der Künstlerin Hildegard Reiser (1929 – 2019). Das Original befindet sich im Bundessekretariat des Kolpingwerkes Deutschland.

Bundesebene Geistlicher Impuls

Weil Christus unsere Hoffnung ist.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Ostern

Als Christen glauben wir, dass sich an Ostern die Welt verändert hat, und zwar in einem alles entscheidenden Sinn. Aus der Nacht des Kreuzes und des Grabes, aus der Nacht der Verzweiflung, aus der Krise des Glaubens erwacht das Leben - das ewige Leben In Christus. Und wir glauben, dass es für uns geschieht, wir glauben, dass wir selbst schon Anteil an diesem neuen Leben erhalten haben.

Freilich, wenn wir unsere Welt betrachten, dann können wir uns fragen: Was hat sich denn seit Ostern vor 2000 Jahren groß verändert? Oder: Hat sich überhaupt etwas verändert durch den Osterglauben? Ist die Welt nicht immer noch genauso schlecht oder vielleicht noch schlechter als damals? Krisen und Kriege, Lügen und Intrigen, Natur- und andere Katastrophen beherrschen die Welt; die Gier nach Macht, Geld und immer mehr Genuss scheint sie mehr denn je zu regieren.

Wenn Christus durch seine Auferstehung Tod und Sünde besiegt hat und wenn ich durch die Taufe ein neuer Mensch geworden bin, dann heißt das für mein Leben: Nicht dieser Teufelskreis von Hass und Vergeltung bestimmt mein Leben. Nicht Angst und Resignation gewinnen die Oberhand über mich. Nicht Leid und Enttäuschung bringen mich aus dem Gleichgewicht, sondern: Das Leben bestimmt mich. Die Hoffnung, der Mut und die Stärke, die mir der auferstandene Christus schenkt.

„Corona ist längst weitaus mehr als nur eine Seuche, die unsere medizinische und pharmakologische Forschungsintelligenz herausfordert. Es geht um unser Leben, um den Sinn unseres Lebens, um ein Andersleben im Blick auf Diesseits und Jenseits“, so habe ich gelesen. Und: „Eine in weiten Teilen christentumsvergessene Gesellschaft dürfte dabei ein bisschen Inspiration durchaus noch von den Christen erhalten, die ernstnehmen, was sie glauben, lieben und hoffen.“ Ja, das ist wahr. Als Christen sehen wir einen Sinn des Lebens, der sich in diesem Leben ausdrückt. Als Christen können wir Dimensionen des Lebens teilen, die bestärkend und kraftvoll sind. Weil Christus unsere Hoffnung ist, weil er lebt und mitten unter uns ist, prägt uns seine Nähe für die Herausforderungen dieser Zeit. Er ist unsere Hoffnung, die uns hier und heute Leben schenkt.

Und nicht nur in meinem ganz persönlichen Leben hat die Auferweckung Jesu und das geschenkte neue Leben Konsequenzen, sondern auch für uns als Gemeinschaft der Glaubenden, als Verband: Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung müssen für uns Fremdworte bleiben.

Das sind große Worte, die gelebt sein wollen, gefüllt mit meinem ganz konkreten Leben. Das ist doch schon so schwierig. Nur die Kreisläufe zu durchbrechen, wo ich Einfluss habe. Ob das immer so gelingt? Aber anspruchsvoll in all dem, was gut ist, wollen wir doch sein – als Christinnen und Christen.

Wir spüren, dass die Feier des Osterfestes, dass unser Glaube an die Auferstehung die Grenzen dieser Welt aufgesprengt und neue Einblicke - auf Gott hin - zulässt.

Einblicke mit Konsequenzen, denn: Wir können nur glaubhaft Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung sein, wenn wir uns selbst als Suchende und Empfangende wissen und wenn wir dann versuchen, mit den bedrückten und benachteiligten Menschen solidarisch zu sein. Denn Menschen müssen heute vielerorts befreit werden von ungerechten Lebensbedingungen, in die sie ohne Schuld hereingeboren wurden, vom Egoismus der Ausbeutung und des Profitdenkens, von sozialer und politischer Unmündigkeit. Da sehen wir Vertreibung und Flucht, Korruption und Gewalt, Missbrauch und Missachtung. Jeder Mensch hat die gleiche Würde, ist von Gott her aufgerichtet, ja ein auferstandener Mensch. Hier bringen wir uns ein mit der immer neuen österlichen Botschaft: Christus lebt – er ist auferstanden. Das ist etwas anderes, als Ostern zu einem Hasenfest verkommen zu lassen.

Das bedeutet Ostern: Die Erkenntnis, dass wir gleichwertig vor Gott sind, dass er die letzte Instanz ist, dass wir uns einmal verantworten müssen. Und es wird uns deutlich, was Gottes Liebe vermag: den völlig neuen Beginn, in dem alle Ungerechtigkeiten dieser Erde fallen und das Leben Zukunft hat. Solches Denken müssen wir als Christen einbringen in Wissenschaft und Gesellschaft, in Politik und Staat. Solches Denken gibt den Menschen Vorrang, verteidigt die Würde und glaubt an die Zukunft.

Ostern beschenkt uns mit dem Glauben, der die Welt verändern kann. Die Auferstehung Jesu öffnet uns neue Dimensionen, die unserem Leben Sinn und Kraft geben. Mit Christus dürfen wir leben, denn er hat den Tod besiegt. Seine Auferstehung sprengt unser Denken. Lassen wir uns als Suchende von ihm finden und als Glaubende von ihm neu ergreifen. Er ist unsere Zukunft. Er lebt mit uns. Er ist auferstanden.