Geistlicher Impuls Bundesebene

Weggemeinschaft des Glaubens

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Fest "Taufe des Herrn"

Das Fest „Taufe des Herrn“ schließt im liturgischen Kalender den Weihnachtskreis ab. Unsere Grundstimmung ist vielleicht kaum noch weihnachtlich; für die Geschäftswelt war Weihnachten noch vor dem Jahreswechsel „erledigt“, die Karnevalisten sind längst in der Session angekommen.

Dazu passt allerdings das Evangelium, das uns Jesus nicht mehr als Kind, sondern als Erwachsenen vorstellt – im Übergang von der verborgenen Existenz eines Zimmermanns zum öffentlichen Prediger: „Erscheinung des Herrn“ am Jordan!

Es sind große Bilder, welche von der Taufe Jesu erzählen. Erfahrungen der Nähe Gottes.

Von solchen Erfahrungen her ist es dann vielleicht auch möglich, wieder eine andere Beziehung zur eigenen – meist in der Kindheit – erfolgten Taufe zu bekommen. Denn die Taufe könnte man ja etwas poetisch umschreiben als eine persönliche Liebeserklärung Gottes an jeden Menschen: „Ich, dein Gott, schließe mit dir einen unauflöslichen und ewigen Bund. Ich nehme dich an und bejahe dich als mein Geschöpf. Ich fasse dich an der Hand und lege meinen Geist auf dich. Ich will dich lieben und durchtragen, solange du lebst.“ (vgl. Jes 42,1.6;46,4)

Sich an Liebeserklärungen zu erinnern, tut gut. Deswegen täte es auch uns als Christen ab und zu gut, sich an die Liebeserklärung zu erinnern, die uns Gott in der Taufe geschenkt hat.

Was wäre denn hier zu erinnern?

Zunächst einmal, dass wir durch die Taufe geliebte Söhne und Töchter Gottes geworden sind. Auch wenn wir uns selber gar nicht als liebenswert erfahren: Gott hält zu uns. Er will die Gemeinschaft mit uns nicht aufkündigen. Aus seiner Hand können wir nicht herausfallen, nichts kann uns von seiner Liebe trennen – gleichgültig, wie unser Weg im Einzelnen verläuft, ob wir uns von Gott zeitweise oder sogar ganz abwenden. Das ist der Unterschied zu unseren Liebeserklärungen: Gott liebt uns mit einer Liebe, die nicht an unseren Leistungen und an unseren Taten Maß nimmt. Er liebt uns mit der Liebe, mit der er von Ewigkeit her dem Sohn zugewandt ist. Wäre es anders, würde Gott uns je nach dem Maß unserer Liebe lieben, dann könnten wir uns auf Gott nicht verlassen. Aber Gott ist verlässlich, und wir sind durch die Taufe seine geliebten Söhne und Töchter.

Und das wäre dann das zweite Geschenk der Taufe: Die Gemeinschaft mit Gott ist kein isoliertes Verhältnis, dass der je einzelne Mensch zu Gott unterhält, sondern wir sind durch die Taufe zu einer Gemeinschaft des Glaubens verbunden. Wir brauchen unseren Weg nicht alleine zu gehen. Kirche will Weggemeinschaft sein. Das wird leider oft zu wenig erfahrbar; die meisten Menschen erfahren Kirche als Institution und Amt. Und manche Christen empfinden die Glaubensgemeinschaft der katholischen Kirche eher als Hindernis denn als Hilfe für ihr Christsein. Der heutige Festtag hilft uns, nicht den Blick verstellen zu lassen auf die Chancen und Kostbarkeiten, die mit der Weggemeinschaft des Glaubens verbunden sind. In der Kirche geht es zuallererst darum, dass getaufte Menschen miteinander unterwegs sind und dabei einer des anderen Last trägt.

Schließlich: Die Taufe eröffnet uns ewige Zukunft. Wer mit dem Wasser der Taufe besiegelt wurde, dem ist verheißen, dass sein Leben mit dem Tode nicht einfach abbricht, sondern ganz in die Gemeinschaft und Nähe Gottes hineingeborgen wird. Das Eigentliche ist mit diesem Leben noch nicht beendet, das kommt erst noch.

In der Taufe erinnern wir uns daran, dass uns eine ewige Zukunft bei Gott verheißen ist. Und dass wir deswegen gelassen leben können und nicht ständig Angst haben müssen, etwas zu verpassen.

Ich weiß nicht, wo Ihr Taufbrunnen stand. Wo immer es war – von dort her dürfen wir bis heute den Anruf Gottes hören, der damals an uns erging: „Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. Ich will in Ewigkeit nicht von dir lassen.“

Leben wir in dieser Verheißung – mit Gott. Er geht mit uns. Immer.


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Bild: falco auf Pixabay