Geistlicher Impuls

Versuchungen

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum 1. Fastensonntag

Am 1. Fastensonntag hören wir im Evangelium von der Versuchung Jesu. Das ist eine sehr vertraute Erzählung. Und dennoch wird sie vielen auch fremdartig vorkommen, wirklich und unwirklich zugleich. Woher kommt das?

Nun, diese Erzählung ist natürlich keine Reportage. Und doch will sie eine Wirklichkeit des Lebens Jesu erzählen, die dem Evangelisten sehr wichtig ist. Darum verlegt er die Handlung in die Wüste. Das ist ein Ort, der auf das Wesentliche konzentriert, ein Ort für bedeutsame Entscheidungen. In den drei bekannten Episoden wird ein inneres Ringen Jesu entfaltet, bei dem am Ende ein eindeutiges „Ja“ zu seiner von Gott gegebenen Berufung steht. Er wird als Gottessohn den Weg des Menschen menschlich zu Ende gehen, ohne Zuhilfenahme übermenschlicher Kräfte. Der Sohn Gottes wollte ganz und gar Mensch sein, um auf diese Weise die zu erlösen, die oft doch mehr als Mensch sein wollen. Wäre Jesus den Versuchungen erlegen, dann hätte der Evangelist hier abbrechen müssen. Dann hätte er Jesus noch als tüchtigen Handwerker mit einigen magischen Fähigkeiten schildern können. Aber das wäre es dann auch gewesen. So aber kann Jesus den Weg des Menschen solidarisch zu Ende gehen und zeigen, dass Solidarität einer der Namen Gottes ist.

Was ist denn so verführerisch an den Versuchungen, dass sie zu einer solchen Gefährdung werden können?

Die Versuchungen setzen bei den Ur-Wünschen des Menschen an:

Besitz
Brot – das ist ein Bild für das Bedürfnis des Menschen nach Besitz. Aus Steinen Brot machen, das heißt: Besitz, Reichtum in großen Mengen. Wer möchte das nicht? Einmal wirklich reich sein... Das wär's. Das Teuflische an diesem Bedürfnis ist jedoch, dass es sich so schwer beherrschen lässt. Aus Hunger nach Besitz wird leicht Unersättlichkeit, dann Habgier und Habsucht. Wenn Besitz meinen Verstand besetzt, ist er Sucht. Dann spätestens habe ich einen wesentlichen Teil meines Menschseins verfehlt. Alles haben, das kann nur Gott.

Geborgenheit
Der Engel, der einen in die Arme schließt und trägt, der einen auffängt – das ist ein Bild für das Bedürfnis des Menschen nach Geborgenheit, gelungener Partnerschaft. Jemanden haben, bei dem man sich einfach fallen lassen kann, wer möchte das nicht? Aber wenn ein Mensch vom anderen „alles“ erwartet, wenn er ihm alles bedeuten und jeden Lebenssinn vermitteln soll, dann wird er überfordert. Alles geben, das kann nur Gott.

Macht
Alle Reiche der Welt besitzen – das ist ein Bild für das Bedürfnis des Menschen nach Geltung und Macht. Es gibt eine tiefsitzende Angst im Menschen, nichts zu gelten und kein Ansehen bei den Menschen zu haben. Das kann bei manchen zu einer übersteigerten Aktivität führen: Sie suchen Ansehen und Autorität um jeden Preis. Wer nicht absolut an der Spitze ist, ist noch nicht am Ziel.
Wer trunken ist von Macht, hat den Kopf längst nicht mehr frei. Wenn Macht zur Vollmacht wird, ist sie bereits Übermacht. Allmächtig ist Gott allein.

In diesen Ur-Wünschen des Menschen steckt eine Tendenz zum Maßlosen: Aber der Mensch ist eben Mensch und nicht Gott. Jesus hat dieser Tendenz zum Maßlosen nicht nachgegeben; nicht aus Bescheidenheit, sondern weil er dem Menschsein dienen wollte. Er weiß, wer sein Gott ist. Auf diesen Gott ist Verlass, dauerhaft, nicht auf die „Götter“, die mehr versprechen als sie halten. Die können kurzfristig blenden, aber wenn das Leben ernst wird, bleibt nichts von ihnen zurück.

Die Fastenzeit lädt ein, diese und eigene Versuchungen zu hinterfragen. Mir den Spiegel vorzuhalten. Meine Fluchten aufzuspüren.

Warum?

Damit ich gut mit Gott, mit den Anderen, mit mir selbst auf dem Weg bleiben kann.


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