Bundesebene Geistlicher Impuls

Vergebung als Frucht der Versöhnung.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag.

Der Evangelist Matthäus weiß um Probleme, die sich ergeben, wenn Menschen als Gemeinschaft und Gemeinde zusammenkommen. Im 18. Kapitel seines Evangeliums stellt er eine Gemeindeordnung zusammen. Darin sind Empfehlungen enthalten, die freilich nicht in der Sprache der Paragraphen oder Normen abgefasst sind. Viel eindringlicher redet der Evangelist in Bildern und Gleichnissen. So warnt er im Gleichnis vom verlorenen Schaf die Gemeindemitglieder davor, einfache Menschen überheblich zu behandeln. Oder er zeigt den Weg auf, wie denn mit einem Bruder umgegangen werden soll, der offensichtlich Unrecht tut. Unmittelbar daran schließt er das Gleichnis von Schuld und Vergebung an, um das es heute geht.

Petrus stellt die Frage: „Herr, wenn mein Bruder an mir schuldig wird, wie oft muss ich ihm verzeihen? Siebenmal?“ Die Frage für Petrus ist: Wann ist das Maß voll? Und er ist wohl überzeugt, mit der Zahl „sieben“ schon ziemlich hoch gegriffen zu haben. Welche Bedeutung hat die Frage von Schuldigwerden und Vergebung? Wie sollen wir miteinander umgehen?

Die Antwort Jesu: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ sollt ihr vergeben.

Vergeben heißt weggeben. Das griechische Wort für vergeben, wörtlich übersetzt, heißt loslassen. Das „siebenundsiebzigmal“ des Herrn ist also in erster Linie keine Quantität, sondern eine Aussage über die Qualität unserer Vergebung. Bis in die tiefsten Fasern unseres Herzens hinein sollen wir vergeben. Der Grund dafür ist: Wir sollen dem anderen das geben, wovon wir selber am meisten leben und was wir täglich brauchen: Vergebung als Frucht der Versöhnung. Das Gleichnis Jesu verdeutlicht dies.

Der König, dessen unvorstellbar großer Schuldenerlass geschildert wird, zeigt die Großherzigkeit Gottes. Der Knecht aber, dem vergeben wird, hat nichts dazugelernt. Er ist trotz der ungeheuren Barmherzigkeit des Königs der alte geblieben und lässt so seinen Mitknecht (sogar rechtens) ins Gefängnis werfen. Er hat nicht gemerkt, wovon er eigentlich lebt: von der Vergebung.

Gleichnisse haben es an sich, dass sie „ein-leuchten“. So sind auch wir wohl zurecht erbost über jenen Knecht.

Eigenart der Gleichnisse ist es aber auch, dass sie immer den meinen, dem sie „hier und jetzt“ erzählt werden. Wir selber sind angesprochen. Sind nicht wir selber oft jener Knecht, der sich unfähig zeigt, dem anderen das zu geben, wovon er selber lebt? Von der Versöhnung!

Wir sind eingeladen, uns von Gott und mit uns selbst versöhnen zu lassen. Wir sind von Gott geliebt und auch von guten Mitmenschen. Wenn aber Er und andere gut zu uns sind, dürfen wir es auch wagen, im Laufe unseres Lebens immer vorbehaltloser zu anderen gütig und barmherzig zu sein. Wir erfahren dann Vergebung als das schönste Geschenk!

 

 

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Bild: Gennaro Leonardi auf pixabay.com