Bundesebene Geistlicher Impuls

Um Menschen aufzurichten, bin ich als Christ auf der Welt!

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Die Bibel erzählt von Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Die aufgezeichneten Episoden halten nicht einfach nur fest, was sich einmal zugetragen hat. Die Szenen sind auch deshalb aufgezeichnet, weil sie etwas Typisches enthalten, weil sie angeben, was ein Einzelner oder das Volk immer wieder mit Gott erfahren kann.

In der heutigen Lesung aus dem Buch Jona erhält Jona von Gott den Auftrag, der Stadt Ninive den Untergang anzusagen. Er führt den Auftrag aus und muss dabei erleben, dass nicht eintrifft, was er in Gottes Namen gesagt hat. So einfach und gerade wie dies erzählt wird, ging das aber nicht, fing es nicht an und hörte es nicht auf. Den Auftrag erhielt Jona schon früher (vgl. Jona 1, 1-2). Er floh vor ihm (vgl. 1, 3-16), weil er spürt: Es wird Schwierigkeiten geben.

Da kann ich mir nur die Finger verbrennen!

Eine Untergangsdrohung auszusprechen, das kann nicht gut ausgehen. So etwas hört niemand gern. Sie können ihm den Mund verbieten, ihn einsperren, wie sie es des Öfteren mit den Propheten getan haben. Und auch Gott kann über sein eigenes Wort (die Drohung) hinweggehen.

Wenn Gott den vom Propheten ausgerufenen Untergang dann nicht eintreten lässt, steht der Prophet dumm da. Davor hat Jona Angst. Das befürchtet er. Und? Es kommt ja dann auch so (vgl. 3,10) und bereitet ihm enorm Mühe (vgl. 4, 1-11). Darum will er nichts damit zu tun haben und flieht in ein Gebiet, von dem er meint, dort vor dem Zugriff Gottes sicher zu sein. Ein solches Land oder Meer gibt es nicht. Gott erwischt ihn auf der Flucht und holt ihn auf wunderliche Weise zurück (vgl. 2, 1-11). So geht er dann doch und richtet die Botschaft aus. Aber: Es passiert nicht das, was er ansagt, sondern das, was Gott mit der ganzen Aktion vor hatte: die Rettung der Weltstadt Ninive.

Im Johannes-Evangelium heißt es: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3, 17). Gott will Menschen nicht richten, sondern aufrichten. Als Christ habe ich es immer mit Menschen zu tun. Um Menschen aufzurichten, bin ich als Christ auf der Welt!

Wir alles wissen: Sich für andere einzusetzen, kann Schwierigkeiten bringen. So fliehen wir immer wieder in tausend Ausreden hinein: Es nützt ja doch nichts, ich brauchte doch auch meine Ruhe. Ich fliehe vor dem Auftrag Gottes ins Land oder Meer der Oberflächlichkeit und Mittelmäßigkeit und meine, Gott finde mich nicht.

Dass ich mit dem Auftrag, für die Menschen da zu sein, manchmal dumm dastehe, ist kein Beweis dafür, dass mein Einsatz ihnen nicht zum Guten gereicht. Dass ich beim Auftrag, die Menschen aufzurichten, mich ausgenützt fühle, ist kein Beweis dafür, dass mein Einsatz ihnen nicht hilfreich ist. Dieser Blick auf Jona in Verbindung mit meinem Leben ist eine Herausforderung. Gott hat mit Jona eine Weltstadt am Leben erhalten. Vielleicht wirkt er auch – in viel kleineren Maßstäben – durch mich?

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Bild: jeffjacobs 1990 auf pixabay.com