Bundesebene Geistlicher Impuls

So sagt Gott sein Ja zu uns.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag.

Ja sagen zum eigenen Leben ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Lebens: Es beinhaltet das Ja zu unserer Familie, zu den Kindern, zum Beruf, zu unseren Fähigkeiten und auch zu unseren Schwächen. Ja sagen zum eigenen Leben heißt ja sagen zu sich selbst. Diese Ja ist wichtig, gerade in einer Zeit, in der so viel Nein und so viel Verweigerung um uns herum ist. Das Ja zu sich selbst gibt dem Leben Wert und Sinn.

Wer so Ja zu sich und seinem Leben sagt, kann sein Leben annehmen, auch mit den Schwächen und Fehlern. Das heißt nicht, die Hände in den Schoß legen und alles einfach an sich vorbei gehen lassen, wie es der eine Sohn im Evangelium gemacht hat: Er hat Ja gesagt und nichts getan. Das Annehmen unserer Schwächen und Fehler schließt ein, dass wir an uns selbst arbeiten und gegen unsere Schwächen und Fehler angehen. Dies fällt schwer, weil wir dabei immer wieder die Erfahrung machen, wie unvollkommen wir sind. Doch auch das gehört zur Wirklichkeit unseres Lebens.

Es gibt Momente in unserem Leben, in denen wir Gott ganz einfach vergessen. Das sieht bei jedem von uns ganz anders aus, ist aber überall Wirklichkeit. Auch zu dieser Wirklichkeit und den Folgen, meine ich, müssen wir Ja sagen. Wir sollen dazu stehen, dass es aus unserer eigenen Verantwortung heraus Schuld und Sünde gibt, dass wir – und nicht die Umwelt oder „die Anderen“ – vor Gott Dinge falsch gemacht haben und es immer wieder tun. So hat es der andere Sohn im Evangelium getan. Er hat seine Schuld eingesehen und sich dann in den Weinberg aufgemacht.

Gott weiß, dass wir schwach sind und sündigen. Er weiß, dass wir uns von ihm abwenden. Gott hat uns nicht als Roboter geschaffen, die problemlos funktionieren, sondern als freie Menschen. Jeder kann Nein zu ihm sagen und seinen eigenen Weg gehen. Gott sagt dennoch Ja zu mir und bleibt dabei, auch wenn ich vor ihm fortlaufe und mich nicht um ihn kümmere. Er will, dass unser Leben gelingt. Er will nicht, dass Schuld und Sünde uns belasten, sondern schenkt immer wieder einen neuen Anfang und macht uns Mut dazu.

Gott lädt uns heute aufs Neue ein, unsere Aufgabe in der Welt, in seinem Weinberg, zu erkennen und wahrzunehmen. Gott bittet uns, seinen Willen zu erfüllen, dort, wo wir leben und arbeiten. Er macht uns Mut zum Neuanfang: Dazu gilt es, Ja zu sagen.

Schauen wir noch einmal auf das Gleichnis, um das es heute geht. Der Vater nimmt es seinem Sohn nicht übel, dass er versagt. Der Sohn erhält die Chance, sein unbedachtes Nein durch sein Tun wieder gut zu machen. Das gelebte Ja ist das, was zählt.

Wir müssen uns hüten vor einem Ja, wie es der erste Sohn spricht. Es ist ein Lippenbekenntnis, hinter dem nichts steckt. Gott weiß, ob wir den treuen Sohn nur spielen; er sieht uns ins Herz. Und da ist ihm der reuige Sünder lieber als der Selbstgerechte, der sich hinter einem falschen Ja verschanzt, so dass Gottes Liebe ihn nicht erreichen kann.

So macht der Herr denen, die umkehren, Mut. Er hilft uns, wenn wir uns immer wieder verstricken und um uns selbst kreisen. Sofern wir unsere Augen öffnen, erreicht uns immer wieder ein Wink von ihm. Ein Wink, der uns bis ins Herz treffen und verändern kann.

So sagt Gott sein Ja zu uns. Ja er, unser Gott.

 

 

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Bild: Marian Hamacher