Bundesebene Geistlicher Impuls

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes!

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag.

Wer glaubt, antwortet. Wer betet, Eucharistie feiert, sich bekreuzigt und im anderen Menschen den Nächsten sieht, erbringt damit keine eigene Leistung, sondern antwortet Gott. Glaube ist keine Leistung. Glaube ist eine Antwort. Und zwar eine Antwort auf das, was Paulus in seinem Brief an die Römer geschrieben hat. Nein, nicht nur geschrieben, sondern in wunderschöne Worte gefasst hat. So hören wir heute in der Lesung:

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Röm 8, 35.37-39)

Wer glaubt und liebt, antwortet auf die Liebe Gottes, die er in Jesus gezeigt hat. Das sagt sich so leicht. Aber was genau ist Liebe, die meinen Alltag bestimmen soll? Wie „geht“ solche Liebe?

Wer liebt und sich um Liebe bemüht, will etwas, was Gott auch will. Selbstverständlich darf ich aus bestimmten Gründen andere kritisieren, mahnen und zurechtweisen. Aber eines darf ich nicht: Ich darf den anderen oder die andere nicht entwerten. Liebe heißt wertschätzen. Immer. Unter allen Umständen. Was immer ich einem anderen Menschen abspreche – seinen Wert behält er. Weil alle Kinder Gottes sind wie ich, was immer sie auch tun und lassen.

Vielleicht ist das das Schwerste an der Liebe. Und weil es einfach nicht genügt, darüber nur zu reden, lebte Jesus diese Liebe Gottes und zeigte sie, wo immer er ging und sprach. Selbst Sündern, selbst schweren Sündern sprach er den Wert nicht ab: dem Zöllner Zachäus, der Ehebrecherin, den Pharisäern, deren manchmal selbstherrlichen Vorzeigeglauben er nicht so gerne mochte. Aber er mochte sie, die Menschen, deren Taten er gerade verurteilt hatte. Und Paulus fasst diese Liebe in diese Worte: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes! Er zählt sogar auf, was wir alles fürchten: böse Mächte, besorgte Zukunft, die Ungewissheit des Todes. Nichts trennt uns von der Liebe! Und sein Beweis ist Jesus.

Jeder Mensch – auch der, der sich mutwillig von Gott entfernt – bleibt in Gottes Augen sein Kind. Sie und ich hören wieder die Worte Gottes, der wie Vater und Mutter zu jedem Einzelnen sagt: Du bist mein Sohn, meine Tochter. Auch wenn du heute traurig bist, wenn du Schmerzen hast, wenn du bitter geworden bist, weil du mich nicht fühlst: Du bleibst der Mensch, den ich liebe; der unendlich wertvolle Mensch.

Darauf antworte ich mit meinem Leben. Glaube ist keine Leistung, sondern eine Antwort. Ich will so leben, weil ich geliebt werde. Ich will so leben, weil ich Gottes Arme auf meiner Schulter spüre. Ich will so beten und feiern, ich will andere Menschen so ansehen und sie so behandeln, weil ich Gottes Liebe auch in ihnen sehe. Ich weiß, das ist schwer. Ich spüre ja an mir selbst, welche ungeheuerliche Zumutung das manchmal ist.

Jede Entwertung eines anderen Menschen ist ein Verrat an der Liebe Gottes. Jede Achtung eines anderen Menschen, was immer er getan hat und was zu verurteilen ist, lässt auch Gottes Liebe aufleuchten. Jeder Mensch hat einen Wert, der ihm nicht zu nehmen ist. Nichts trennt Menschen von der Liebe und der Achtung Gottes. Darauf will ich mit meinem ganzen Leben antworten.

 

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Bild: Emmanuel Phaeton on unsplash.com