Bundesebene Geistlicher Impuls

Mit Glaube, Hoffnung und Liebe – so gehe ich auf Weihnachten zu.

Geistlicher Video-Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Advent.

Liebe Kolpingschwestern und Kolpingbrüder,

heute beginnt die Adventszeit. Advent heißt übersetzt Ankunft. Wir bereiten uns vor und erwarten die Ankunft Jesu Christi an Weihnachten. Das ist das eine.

Der Advent stimmt uns aber nicht nur auf Weihnachten ein. Er richtet unseren Blick auch auf eine andere Ankunft, auf die Ankunft des Herrn am Ende der Zeiten. Darum ist die Adventszeit – sie sollte es zumindest sein – auch eine Zeit, in der wir nachsinnen über den Sinn unserer Welt und über das Ende von allem, auch das Ende des eigenen Lebens.

Die Frage nach dem Ende ist eine wichtige Frage. Jeder von uns kann ihre Berechtigung spüren, gerade in unserer gegenwärtigen Zeit. Wir brauchen unsere Welt doch nur einmal zu betrachten, wie sie beschaffen ist und was auf ihr geschieht. Jeden Tag hören wir von Katastrophen, Krieg, Hunger, Elend, Terror, Gewalt, Hass und Mord. Und über allem liegt die bedrückende Corona-Pandemie. Wer die Welt mit wachen Augen beobachtet, der muss sich doch Gedanken machen und sich Fragen nach der Zukunft stellen:

Wie wird alles weitergehen? Was kommt auf uns zu?

Wir stoßen immer wieder an Grenzen. Es gibt Ereignisse, durch die unsere Welt und auch die Welt unseres eigenen Lebens, erschüttert werden. Wir können nicht übersehen, dass unsere Welt Risse und Spalten hat.

Zu Beginn der Adventszeit ist es deshalb nicht so gemütlich, wie wir es gerne hätten. Es macht also Sinn, sich Gedanken zu machen.

Gibt es Antworten auf die vielen Fragen, die sich ergeben, wenn wir an das Ende denken? Woran können wir uns halten?

Die Antwort, die Jesus im Lukas-Evangelium gibt, erschließt sich nicht ohne weiteres. Sie will im Glauben ergriffen werden.

Er sagt dort: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28)

Das ist wirklich nicht ohne weiteres verständlich. Jesus sagt, dass gerade die Zeit der Bedrängnis, die Zeit der Not, dass gerade dies die Zeit der Rettung und der Erlösung ist. Er sagt, in der Bedrängnis beginnt das Heil: „Erhebt eure Häupter!“ Es kommt die Zeit Gottes, sagt uns der Advent. Es geht darum, in schweren Zeiten die Nähe Gottes zu spüren.

Die Zeit der Not ist die Zeit der Rettung. Dieser Satz scheint fern, aber er ist von der Erfahrung unzähliger Menschen abgedeckt. Das ist keine billige Vertröstung. Dabei geht es nicht um etwas, das sich irgendwann einmal im Jenseits bewahrheiten wird. Das Evangelium legt uns nahe, an das Jetzt des Lebens zu denken. So hieß es: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“. Erlösung beginnt jetzt, immer, wenn wir uns darauf einlassen. Durch Grenzerfahrungen dürfen wir in die Erlösung hineingehen.

Der Advent ist mehr als Lichter, Kerzen und eine warme Stube. Er stellt grundsätzliche Fragen und gibt wirklich tröstliche Antworten. Diesem Geheimnis naht sich nur der Glaubende, der erkennt, dass der Weg Jesu auch mein Weg ist.

Die Erlösung, die uns geschieht, will auch durch uns zu den Menschen kommen. „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter!“ Das soll und kann auch unser Zeugnis sein in einer Welt, die erschüttert ist, in der Menschen unter der Corona-Pandemie leiden, in der viele Menschen Angst haben und keinen Sinn mehr sehen. „Erhebt eure Häupter!“ Wir können dazu Mut machen im Advent. Nicht in stolzem Erwählungsbewusstsein, sondern in demütigem Vertrauen, dass Gott da ist und dass er auf ewig zu seiner Welt steht und zu den Menschen, die er in Liebe erschaffen hat. Das ist Advent: Mit Gott in meinem Leben. Heute und immer, mit Glaube, Hoffnung und Liebe – so gehe ich auf Weihnachten zu.

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Bild: Marian Hamacher