Geistlicher Impuls

Mein Weg ist sein Weg

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Welcher Weg und welche Entwicklung bringt Jesus bereits mit, als er zur Hochzeit von Kana kommt? Wer sind die Jünger, die ihn begleiten? Die Berufung der Zwölf erfolgt ja erst nach der Hochzeit zu Kana. Einzelheiten dieser Geschichte interessieren uns. Wir werden jedoch mit unseren Fragen nicht weit kommen, wenn wir das Evangelium als einen reinen Tatsachenbericht sehen. Damit werden wir ihm nicht gerecht. Es geht um mehr als um eine Geschichte, über die wir nur staunen können.

Bei einer Hochzeitsfeier gehen wir davon aus, dass die Neuvermählten im Mittelpunkt stehen. Hier ist aber von der Braut überhaupt nicht und vom Bräutigam nur am Rande die Rede. Im Mittelpunkt stehen Jesus und seine Mutter Maria. Wir dürfen annehmen, dass Maria in diesem Haus bekannt war. Sie nimmt nicht nur am Fest teil, sondern sie nimmt Anteil an den Sorgen, die es hinter den Kulissen einer jeden Feier gibt. Zu einer Feier gehört nun einmal, dass es genügend zu essen und zu trinken gibt. Das weiß Maria, das weiß auch Jesus. Die Reaktion Jesu auf die Sorge Marias scheint auf den ersten Blick schroff zu sein. In Wirklichkeit will Jesus verdeutlichen, warum er gekommen ist, nicht nur auf die Hochzeit zu Kana, sondern überhaupt, und worum er sich sorgt, nicht nur bei dieser Hochzeit, sondern insgesamt.

Jesus spricht von seiner Stunde. Es ist die Stunde der Offenbarung, in der deutlich wird, wer er ist und was er will. Er nennt sie die Stunde der Verherrlichung. Leiden, Tod und Auferstehung: das ist seine Stunde! Auf diese Stunde bezieht sich das Wunder in Kana, beziehen sich alle seine Wunder. Der Weg seines Lebens ist ein Gehen in diese Stunde. Als sie gekommen ist, sagt er es offen: „Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.“ (Joh 17,1)

Johannes berichtet noch von einem zweiten großen Zeichen, das auf diese Stunde hinweist. Es ist das Wunder der Brotvermehrung (vgl. Joh 6,1-15). Am Ende dieser Erzählung wird auch deutlich gesagt, dass es Jesus nicht darum geht, von den Menschen bewundert zu werden. Er will nicht den schnellen Applaus und nicht die vordergründige Macht. Denen, die ihn zum König machen wollen, entzieht er sich. Die Zeichen, die er wirkt, sind ein Ausdruck seiner Güte. Er meint es gut mit den Menschen und ihrem Leben. Er schenkt nicht nur irgendetwas, sondern er gibt sich selbst. Er versteht sich und sein Leben als eine Gabe Gottes an die Menschen.

So sind der Wein auf der Hochzeit zu Kana und das Brot der wunderbaren Brotvermehrung Gaben seiner Herrlichkeit. Sie erzählen von einem neuen Reich, das in seinem Kommen Gestalt gewinnt: dem Reich Gottes! Jesus will den Hunger der Menschen für dieses neue Reich wecken und gibt ihnen dafür einen Vorgeschmack.

Von den Jüngern heißt es, dass sie an Jesus glaubten. Für sie ist Kana ein erster Meilenstein, der ihnen deutlich macht, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Sie gehen mit ihm. Dieser Weg mit Jesus heißt nicht, dass sich die Jünger von Anfang an in allem sicher waren. Sie waren jedoch offen für das, was sich in Jesu Leben als Verheißung zeigte. Glauben heißt für sie: ‚Wir wollen mehr von dir und mit dir erfahren.‘ Wie für die Jünger damals, so bedeutet Glauben für uns heute genauso ‚einen Weg gehen‘, auf dem Gottes Wort zu einer Verheißung wird, auf die ich mich einlassen und verlassen kann. Es gibt Speise für diesen Weg: Brot und Wein. Das Wort Marias bei der Hochzeit zu Kana kann zur Bewegung unseres eigenen Lebens werden: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5) Im Vertrauen darf ich meinen Weg gehen, im Vertrauen darauf, dass mein Weg auch sein Weg ist, ein Weg, auf dem er mitgeht.


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Bild: pixabay.com