Geistlicher Impuls Bundesebene

Licht des hoffenden Glaubens

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Fest der Darstellung des Herrn

Licht in seiner Strahlkraft verweist auf die Nähe des Göttlichen. Licht ist eine Eigenschaft des göttlichen Bereiches, ein Symbol für das von Gott ausgehende Leben. Darum ist es selbstverständlich, dass der Messias mit Licht umgeben ist. Ein mutiges Zeugnis für dieses Licht ist heute im Evangelium zu hören: das Lied des Propheten Simeon.

Der Evangelist Lukas lässt – aus der Rückschau in die ersten christlichen Generationen und aus der Vorschau auf eine weltumgreifende Wirkung des Evangeliums – den greisen Simeon ein Lied der freudigen Dankbarkeit darüber anstimmen, dass er den Messias schauen darf.

Das Lied des Simeon ist alles andere als der resignierende Abgesang eines alten Mannes. Es ist gewiss kein Lied auf erloschene Weihnachtskerzen oder das verlöschende Lebenslicht – im Gegenteil: Es ist ein Programmlied auf den Aufgang des Lichts, des Gotteslichts in der unscheinbaren Gestalt des Jesuskindes. Der Fundort und die Wirkung dieses Lichts verstärken noch den Charakter des Lichts: In Israel ist dieses Licht zu finden als Licht des Heils, als Licht für alle. Zu einer solchen Sicht des eigentlich doch sehr alltäglich, bescheidenen Ereignisses – ein neugeborenes Kind wird zur Beschneidung durch seine Eltern in den Tempel gebracht – kann nur Heiliger Geist anleiten. So wird in diesem kleinen Licht der große Plan der Menschenliebe Gottes besungen: Gottes Licht ist für alle sichtbar entzündet – in Israel, in diesem Jesus, so glaubte Lukas und seine Gemeinde, so glauben alle Christen.

Simeon singt sein Danklied, weil er hofft und nun glaubend seine Hoffnung erfüllt sieht. Weihnachtskerzen, ja sogar Osterkerzen sind als solche ziemlich schwach. Sie wollen angeschaut werden mit den „Augen des Glaubens“, dann kann in ihnen ein Hinweis auf jenes Licht erkannt werden, das Simeon besingt. Diese „Augen des Glaubens“ wünsche ich mir, wünsche ich uns, diese Augen des geisterfüllten Simeon. Solche Augen entdecken den Sinn der längst erloschenen Weihnachtskerzen, sehen durch den Kerzenschimmer hindurch das „Licht der Welt“ (Joh 8, 12) ohnmächtig mächtig. Solche Augen entschlüsseln den geheimen Hintersinn des Psalmverses „In Deinem Licht sehen wir das Licht“ (Ps 36, 10): Wer sich wie Simeon das Licht des hoffenden Glaubens schenken lässt, der sieht mit eigenen Augen das Heil, das Licht des Lebens, „das vor allen Völkern bereitet ist“ (Lk 2, 31). Solche Augen des Simeon können – wenn das nicht zu widersprüchlich klingt – auch in der Finsternis des Leids, der Angst, der Sinnlosigkeit anstimmen auf das Licht, das Gottes treue Menschenliebe heute entzündet. Mit den Augen des Glaubens können wir heute das Lied des Simeon als Osterlied singen. Eine größere Hoffnung gibt es nicht.


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Bild: Rita on Unsplash