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"Lasst euch nicht erschrecken!"

Geistlicher Impuls von Rosalia Walter, Geistlicher Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland, zum Sonntagsevangelium (Lukas 21,5-19)

All das, was im heutigen Evangelium zur Sprache kommt, ist keine Prophetie, sondern Realität. In den Nachrichten hören wir täglich von Kriegen und Unruhen. Erdbeben, Seuchen und Hungersnöte sind ebenfalls immer wiederkehrende Tatsachen. Dass Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt, gefoltert und getötet werden, wissen wir auch. Und in den Familien und der Verwandtschaft wird es immer wieder Streit und Zwietracht geben.

Verglichen mit anderen Teilen der Erde leben wir hier trotz allem fast wie im Paradies. Ich denke, das ist das Erste, was wir uns jeden Tag bewusst machen und nie vergessen sollten. Dennoch müssen auch wir uns den täglichen Herausforderungen stellen, und manchmal auch persönlichen Katastrophen, die uns an Gott und der Welt zweifeln und verzweifeln lassen.

Jesus sagt in seiner Endzeitrede nicht voraus, dass unsere Welt zum Frieden kommt. Doch Jesus macht keine Panik. Er treibt die Jünger nicht in eine „Fünf vor Zwölf“ Stimmung.  Sie sollen über die Zeichen der Zeit nicht in Angst geraten. Er zeigt auf, wo wir Hoffnung finden. In dunkler Zeit zündet Lukas (Kap. 21,5-36) ein Hoffnungslicht an. Ziel der Endzeitrede ist weder Weltuntergangsstimmung noch Fatalismus und ganz sicher nicht das Schüren von Angst. Vielmehr heißt die Zielrichtung der frohen Botschaft für uns: Die Angst vor realen und gefühlten Bedrohungen, vor Katastrophen und Anschlägen, vor Krieg und Terror, vor Fremden und vor einer unsicheren Zukunft soll uns nicht gefangen nehmen und blockieren.

Jesus möchte Menschen in solchen Krisensituationen Mut machen, indem er darauf hinweist, dass das Festhalten an ihm und seiner Botschaft den Ausweg aus diesen großen und kleinen Katastrophen darstellt. Das Entscheidende, oder das Besondere, Wesentliche und Wichtige dieser Rede Jesu ist also nicht das Katastrophenszenario, das er zeichnet, sondern die Sätze dazwischen, in denen er uns darauf hinweist, wie wir darauf reagieren sollen.

„Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt!“ sagt er. „Lauft ihnen nicht nach“, „Lasst euch nicht erschrecken“, „Legt Zeugnis ab“, „Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben“ und schließlich: „Wer standhaft bleibt und mir nachfolgt, der wird das Leben gewinnen“ – trotz allem.

Jesu Worte der Endzeit ermutigen zu klugem, gläubigem Reagieren in Krisenzeiten.  So wird Jesu Mahnung zum Sprungbrett für eine frohmachende Botschaft: Es wird gut werden, euch wird kein Haar gekrümmt werden – so wie Gott es schon immer mit seinen geliebten Menschen gehalten hat. Gott ist stärker als dieses Chaos. Behaltet kühlen Kopf. Bleibt ruhig, verfallt nicht in Aktionismus und Panik. Distanziert euch von denen, die euch irre machen wollen. Lasst euch nicht vom Weg abbringen. Vertraut nicht auf trügerische Worte und vordergründige Sicherheiten. Vertraut und verlasst euch auf mich, „denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben.“

Der Kern der Botschaft Jesu ist: Macht euch fest in mir, haltet euch fest an mir. Macht euch fest in Gott, haltet euch an ihn, dann kann Leben nicht in die Irre gehen. Die lebendige Beziehung, dieses mit Gott auf du und du zu sein, das ist es, was unserem Leben wirklich Halt geben kann; einen Halt, der, wie Jesus im heutigen Evangelium deutlich macht, den Menschen auch in Krisensituationen aufzufangen in der Lage ist. Weil es nämlich ein lebendiger Halt ist, ein Halt, der im Leben wurzelt und Leben deshalb verwurzelt.

Die Endzeitrede Jesu macht außerdem aufmerksam auf die Dimension des Jenseits. „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ Nicht nur das Leben in dieser irdischen Welt ist Teil der christlichen Existenz, sondern das Ernstnehmen der Endzeit, ohne diese berechnen zu wollen. Es gibt da noch mehr. Das eigentliche Leben von Christen beginnt erst noch…

 

Foto: EG21/pixabay