Bundesebene Geistlicher Impuls

Lässt Gott sich in die Karten schauen?

Geistlicher Impuls von Bundespräses Hans-Joachim Wahl zum 23. Sonntag im Jahreskreis.


Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht,
und finden nur mit Mühe, was auf der Hand liegt;
wer ergründet, was im Himmel ist?
(Weish 9,16)

Mit Beginn des Monats September eröffnen wir im Kolpingwerk die Spendenkampagne ZukunftsFest 2022. Hierzu und zur aktuellen „Großwetterlage“ passt das Wort aus der Ersten Lesung dieses Sonntags. Denn: Wer weiß schon, wie es weitergehen wird? Mit der Pandemie, mit dem Krieg in der Ukraine, mit den Sanktionen und Beschränkungen aufgrund des Krieges, mit der Inflation und Teuerung?

Dem Virus und den kriegführenden Parteien können wir nicht in die Karten schauen; selbst Ärzte und Geheimdienste tun sich mit dem "Kiebitzen" schwer. Aber es muss ja irgendwie weitergehen. Wir können uns nicht heraushalten und schon gar nicht wegducken. Also tun wir das Vernünftigste: wir gehen in kleinen, vorsorglichen Schritten weiter. Dafür wirbt die Aktion ZukunftsFest: Wir informieren Menschen aller Generationen über unsere Verantwortung für die Schöpfung und den Klimaschutz, geben konkrete Anregungen, damit die Menschen sich mehr und mehr einer nachhaltigen Lebensgestaltung zuwenden können, und wir sichern Wohn- und Lebensmöglichkeiten für junge Menschen in der Ausbildung. Wir tun, was wir können, und was uns von Adolph Kolping ins Programm geschrieben wurde: 

„Unsere Zeit ist ja offenbar in einer Krisis, in politischen wie in sozialen Dingen, begriffen. Diese Krisis führt Zersetzungen herbei, die erhaltenden und zerstörenden Kräfte müssen sich immer schärfer sondern und gegeneinander stellen. Alles halbe … und darum charakterlose Mittelwesen kann und soll sich auf die Dauer nicht halten; wir meinen, je eher es untergeht um so besser, und wenn doch einmal eine nachhaltigere Entscheidung fallen soll, dann nur je eher um so lieber.“  

Auch wenn die Worte aus dem Buch der Weisheit aus dem letzten Jahrhundert vor Christus und die Gedanken Adolph Kolpings aus dem vorletzten Jahrhundert stammen – sie bleiben aktuell.

Halbherzige Aktionen und leere Phrasen bleiben wirkungslos; darauf machen uns Bewegungen wie Fridays for Future aufmerksam. Es muss etwas geschehen, damit unser Planet  nicht aus eigener Schuld zugrunde geht Gut, dass wir ernsthaft anfangen. Gut, dass das Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung in immer mehr Köpfen Heimat findet.

Keiner kann so recht sagen, wie es weitergeht. Und: können wir Gott in die Karten schauen?

Hier hilft ein Blick in die Heilige Schrift, die Ur-Kunde unseres Glaubens. Gerade an diesem Sonntag:

„Wer hat je deinen Plan erkannt,
wenn du ihm nicht Weisheit gegeben
und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht
und die Menschen lernten, was dir gefällt;
durch die Weisheit wurden sie gerettet.“
(Weish 9,18)

Die Weisheit, die von Gott kommt, ist also das, worauf es ankommt. Danach zu fragen, um zu lernen, was Gott gefällt. Das wäre doch eine gute Haltung für diesen Weg der Umkehr. So hat schon Salomo, dem dieses jüngste Buch des Alten Testamentes zugeschrieben wird, um ein hörendes Herz gebetet, und wir Christen dürfen in der Weisheit, die da beschrieben wird, den Heiligen Geist erkennen, der in der Schöpfung wirksam ist, der uns an Jesus Christus erinnert, der uns in der Gemeinschaft der Kirche zusammenhält und uns zu Taten anstiftet, die dem Leben dienen.

Und dann gilt noch die Zusage Gottes, die er nach der Sintflut gegeben hat. Hier lässt er sich in die Karten schauen, wenn er schon zu Noah sagt: „Ich richte meinen Bund mit euch auf: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.“ (Gen 9,11)

So folgen wir dann auch Jesus nach: wir tun, was vernünftig ist, in der Liebe gründet und dem Leben dient.  Wir setzen uns ein für die Bewahrung Schöpfung, wir zeigen damit Verantwortung und manchmal sogar Mut.

 

Foto: Michael Hertzberg/Pixabay.