Bundesebene Geistlicher Impuls

Ja, Gott öffnet Türen!

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Wenn wir in die Geschichte hineinschauen, begegnet uns vielfältiges, ungeheuerliches Leid: Opfer von Kriegen, Vertreibung und Flucht, Unterdrückung und Ungerechtigkeit, Hunger und Ausbeutung. Die Aufzählung von Situationen des Leides ist unendlich.

Dieses vielfältige Leid kann sich in der Gestalt des biblischen Ijob aus der alttestamentlichen Lesung als Symbolgestalt wiedererkennen. Ist doch dieser Ijob eine der leidenschaftlichsten Stimmen eines ungerecht Leidenden, die uns in der Geschichte der Menschheit überhaupt überliefert sind. Je zahlreicher und alltäglicher heute die Berichte über menschliches Leid werden, umso notwendiger ist es, sich gegenüber Abstumpfung, Blindheit und Taubheit Offenheit und Mitgefühl zu bewahren. Die Lektüre Ijobs ist darüber hinaus auch fürdie Leidenden selber Zeugnis eines Menschen, der in Solidarität mit ihnen seine Not vor Gott und vor den Menschen in Freiheit und befreiend ausgesprochen hat.

So verbinden sich auch in der heutigen Lesung, wie immer wieder in diesem Buch, persönliches schmerzliches Menschenschicksal mitder Not des Lebens überhaupt. Die Lesung ist ein Wort an uns, aber auch an den Gott der Leidenden.

Nach einer erschütternden Klage über das Versagen der Freunde, die ihm zum Nein geworden sind (vgl. Ijob 6,21), weil sie ihm Verständnis, Kommunikation und Trost verweigert haben, stellt ljob sich hinein in Erfahrungen von Not, die alle Menschen verbinden: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Taglöhners? (7, 1).

Ijob gehört zu denen, die sagen müssen, dass das Ende solchen Frondienstes nicht abzusehen ist und Sorgen und Mühsal sich Tag und Nacht die Hände reichen (vgl. 7, 3 f). Dazu kommt seine ganz unverwechselbar persönliche Lebensnot: er ist ein Kranker, Aussätziger, ein Symbol von Elend und Ausgeschlossenheit (vgl. 7, 5).

Erfahrungen von Leid steigern und verdichten sich durch das ganze Ijobbuch hindurch. Sie werden angesichts unserer vergänglichen, kurzen Existenz und der Unwiderruflichkeit des Todes zurradikalen Infragestellung des Lebenssinnes und der Gerechtigkeit Gottes selber.

Je rascher die mit Not und Bitterkeit gefüllten Tage dahineilen und dem Schiffchen des Webers der Lebensfaden ausgeht (vgl. 7, 6), um so verständlicher, drängender und erschütternder wird Ijobs erster, direkter Appell an Gott: Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist! Nie mehr schaut mein Auge Glück! (vgl. 7,7) – Diese Bitte an Gott klingt wie eine verzweifelte Frage, ob denn dies wirklich das Ganze, die Summe, das Ergebnis eines Lebens sein soll.

Ijobs Worte bleiben Herausforderung an uns, bittere, harte Erfahrungen des Lebens nicht zu überspielen, sie ernst zu nehmen, auch betroffen mitzuleiden. Sie bleiben vor allem Fragen an Gott, vor dessen Tür sie ljob leidenschaftlich hingetragen und ausgesprochen hat: ob dieser Gott auf der Endgültigkeit und Unwiderruflichkeit von Leid und Tod beharrt - oder ob er Türen öffnet.

Die Szene des heutigen Evangeliums in Kafarnaum ist ein Zeichen der Hoffnung, der Beginn einer Antwort an Ijob. Das Elend der ganzen Stadt ist vor der Tür des Hauses versammelt, wo Jesus wohnt. Diese Tür steht offen – Jesus beginnt zu heilen und Ijob in seinem Frondienst zu trösten und davon zu erlösen. Ja, Gott öffnet Türen! Genau dafür sucht er bis heute Helfende, Mitfühlende, Unterstützende, Praktizierende der Nächstenliebe. Es ist Herausforderung an mich, mein Christsein zu Leben.

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Bild: mcmurryjulie auf pixabay.com