Bundesebene Geistlicher Impuls

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Weihbischof Josef Holtkotte zum Sonntag.

Die Frage „Wer ist dieser Jesus? Wie sind sein Wirken und seine Sendung zu beurteilen?“ stellten bereits die Zeitgenossen Jesu, wie das heutige Evangelium zu berichten weiß. Zugleich erfahren wir, dass diese Frage schon damals unterschiedlich beantwortet wurde.

Wohlmeinende Zeitgenossen nannten Jesus einen Propheten und verglichen ihn mit Personen, die ganz aus Gott gelebt und den bevorstehenden Anbruch seines Reiches verkündet hatten. Sie dachten dabei an Johannes den Täufer, an Elija oder sonst einen Propheten. All diesen verschiedenen Antworten liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Person Jesus in der Tat außergewöhnlich ist. Nur ein Vergleich mit den großen Gestalten der Vergangenheit trifft annähernd zu. Zweifellos waren nicht wenige Zeitgenossen vom Auftreten Jesu tief beeindruckt; ihre Begeisterung ging gelegentlich sogar so weit, dass sie ihn zu ihrem König machen wollten.

Jesu Reaktion zeigt, dass er sich mit den Antworten zu seiner Person nicht zufriedengab. Der Hinweis auf große Persönlichkeiten der Vergangenheit reicht nicht aus, Jesu Wesen und Sendung wirklich zu erfassen. Trotzdem hat auch unsere Generation nicht den Versuch aufgegeben, mit historischen Parallelen und Vorbildern auszudrücken, was ihr Jesus bedeutet. Bald ist er der große edle Mensch, bald der leidenschaftliche Reformator, bald der soziale Revolutionär und vieles mehr. Aber auch diese Antworten gehen wie die seiner Zeitgenossen am Wesenskern der Person Jesu vorbei, so dass seine Frage als Herausforderung an uns bestehen bleibt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Mit diesem „Ihr aber" gibt Jesus zu erkennen, dass er von seinen Jüngern eine treffendere Antwort erwartet. Wir spüren, dass es hier um keine unverbindliche Diskussion geht, sondern um eine Frage, die nur mit einem Bekenntnis überzeugend beantwortet werden kann, einem Bekenntnis, das den Menschen in seinem ganzen Leben bindet. Die Antwort, die Petrus im Namen der Jünger gibt, ist kurz und klar: „Du bist der Messias.“

Das bedeutet: Du bist der, der alles, was bisher im Laufe der Geschichte dagewesen ist, weit übertrifft; du bist der Gesalbte Gottes, der das Heil bringt und Gottes Reich begründet.

Der Fortgang des Gespräches zeigt, dass Jesus auch mit dieser Antwort nicht zufrieden war. Sein Weg und seine Sendung sind unvergleichbar, so dass kein Wort ausreicht, sie treffend zu umschreiben. Er verbietet seinen Jüngern, darüber weiter zu reden, weil er weiß, dass mit einer abgegriffenen Formel immer auch falsche Vorstellungen und Erwartungen verbunden sind, die eine wirkliche und unvoreingenommene Begegnung mit ihm entscheidend erschweren.

Die Antwort auf diese Frage, wer er ist, gibt Jesus schließlich selbst. Mit einem Satz zerstört er die Vision, die Petrus mit seinem Bekenntnis heraufbeschworen hatte, und konfrontiert seine Jünger völlig unerwartet mit dem Kreuz, wenn er erklärt: „Der Menschensohn muss vieles erleiden.“

Die Bedenken des Petrus sind bis heute nicht ausgeräumt. Es will uns nicht in den Kopf, dass die Passion die entscheidendste Tat Jesu gewesen sein soll und dass hier einer ist, der eben diese Welt durch sein gewaltloses Opfer verwandeln will. Das Evangelium zwingt uns umzudenken und umzulernen. Das Kreuz ist der Weg zum Leben. Das müssen wir zu verstehen versuchen.

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Foto: Erna Amrein