Bundesebene Geistlicher Impuls

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Es gibt viele Begegnungen in unserem Leben, fröhliche und traurige, unwichtige, die kaum eine Spur hinterlassen, und solche, die tief in uns Wurzeln schlagen. Manche Begegnungen sind geradezu lebensentscheidend. Von drei solchen Begegnungen berichtet das heutige Evangelium. Sie geschehen bei Jesu letztem Weg nach Jerusalem; dort wird er als Messias sein Leben für uns hingeben. Unterwegs spricht er vom Gottesreich, das in seiner Person gekommen ist und dem sich der Mensch durch Glaube und Liebe öffnen soll. Seine Botschaft verkündet er so überzeugend und machtvoll, dass drei Männer davon gepackt sind und ihm folgen wollen - zwei sofort, während der dritte noch zögert. Schauen wir uns diese drei genauer an; vielleicht finden wir uns in ihnen wieder. Falls wir dabei an die Berufung zum Priestertum oder zum Ordensstand denken: Jesu Aufforderung, ihm zu folgen, gilt für alle Getauften!

Der erste - so das Evangelium - kam von sich aus und erklärte spontan: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst." Wieviel Mut und Bereitschaft bezeugen diese Worte! Keine Bedingungen und keine Einschränkungen! Er will Jesus folgen, "…wohin du auch gehst!“ Jesus sieht diesen Eifer, diese Begeisterung; er sucht dem Mann die Augen zu öffnen und macht ihn auf die Konsequenzen aufmerksam:

„Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann." Der Dienst für Gottes Reich auf Erden fordert heraus. Leider wissen wir nicht, wie dieser Mann darauf reagiert hat; das Evangelium sagt nichts darüber. Doch fest steht, dass viele nach ihm - durch die Jahrhunderte bis heute - dem Ruf Jesu sind. Es gibt auch heute viele engagierte Christinnen und Christen, die in verschiedener Weise für eine bessere Welt arbeiten. Freiwillig und mit Überzeugung sind sie in der Welt von heute Zeuginnen und Zeugen der Frohbotschaft Jesu geworden. Es ist ihnen ein Herzensanliegen, uns Gott näherzubringen, sein Reich „auf die Erde zu holen“.

Jesus nachfolgen bedeutet, einen anspruchsvollen Weg zu gehen, auch mit Opfern verbunden.

Der zweite Mann im heutigen Evangelium ist zurückhaltender. Er kommt nicht spontan; Jesus muss ihn auffordern: „Folge mir nach!“ Er zögert: „Lass mich zuerst weggehen und meinen Vater begraben.“ Jesus darauf: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!" Eine harte Antwort! Jesus möchte keinesfalls die Liebe des Sohnes zu seinem verstorbenen Vater zerstören. Er weist aber darauf hin, dass die Verkündigung des Reiches Gottes wichtiger ist als menschliche Beziehungen. Er soll das Leben für Gott wählen, indem er die Verkündigung des Evangeliums zu seiner Lebensaufgabe macht, denn so dient er dem wahren, dem ewigen Leben.

Manche Menschen zögern, andere versuchen, den Ruf Gottes zu verdrängen, wieder andere reagieren überhaupt nicht. Für die Nachfolge Jesu ist es wichtig, „jetzt“ zu entscheiden. Wird der rechte Augenblick verpasst, dann kann es sein, dass sich die Chance nicht wiederholt.

Der dritte Mann im heutigen Evangelium kam von allein, unaufgefordert: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich Abschied nehmen von denen, die in meinem Hause sind.“ Zögert er? Ist er unentschlossen? Jesus fordert einen sofortigen, radikalen Entschluss: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." Wer sein Leben in Gottes Hand gibt, gleicht dem Pflüger, der den Acker für die Saat bereitet. Er muss nach vorn schauen, sonst wird er nicht fertig mit der Arbeit. So ist es auch bei der Nachfolge Jesu. Man darf nicht zurückschauen, Menschen oder Dingen nachtrauern. Sonst tritt eine innere Spaltung ein, die den Eifer lähmt.

Nachfolge ist ein großer Begriff. Wir dürfen auf unser Leben schauen und uns fragen, ob oder wie wir Jesus nachfolgen. Wir sind Getaufte und Gesendete. Ist das spürbar in unserem Alltag, in unserem Reden, Leben und Tun?

Wenn wir alle drei Begegnungen zusammen betrachten und nach ihrer gemeinsamen Botschaft fragen, so finden wir diese treffen ausgedrückt im Jesu Wort: „Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33) Das braucht Vertrauen, großes Gottvertrauen und die Bereitschaft, sich von Jesus wirklich rufen zu lassen. Ob wir seinen Ruf hören?


Bild: Fritz_the_cat auf pixabay.com

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