Bundesebene Geistlicher Impuls

Heute Christ sein: die Zukunft vorwegnehmen

Geistlicher Impuls zum Sonntag von Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl

An diesem Fernrohr könnte ich nicht vorbeigehen, ohne hindurchzuschauen und zu entdecken, was es zu sehen gibt. Es lädt ein, Dinge, die in weiter Ferne liegen, in den Blick zu nehmen, in die Nähe zu holen, was ich sehen, aber nicht leicht erreichen kann.  Eine solche Haltung macht das heutige Sonntagsevangelium denen, die es lesen oder hören schmackhaft.

Der Knecht, dem die Verantwortung über seine Mitknechte und -mägde anvertraut ist, handelt am besten, wenn er im Blick behält, dass sein Herr anwesend ist und ihm über die Schulter schaut. Was für ein Impuls für christliches Engagement gerade in diesen Tagen, wo uns bis zum Papst hinauf deutlich gemacht wird, dass die Kirche eben nicht im fleckenlosen Festgewand, sondern im zerrissenen und zerlumpten Gewand des pilgernden Menschen unterwegs ist. Das Bild des Knechtes, der „in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen.“ (Lk 12,45) scheint auf manchen Diener der Kirche zu passen, der schwere Schuld auf sich geladen hat.

Da geht einem auf, was das Wort Jesu bedeutet: „Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.“ (Lk 12,48)

Beschäftigt sein mit den Dingen, die dem Herrn wichtig sind – darauf kommt es an, wenn ich christlich leben will.

Tatkraft, Freude, Mut, Hoffnung, Begeisterung – das sind Worte aus der Image-Kampagne, die sich noch auf so manchem gern getragenen orangefarbenen T-Shirt oder Aufkleber finden.  Dazu mahnt nicht nur das Evangelium, das am Sonntag in den Gottesdiensten verlesen wird; es war auch eine wichtige Regel für Adolph Kolping:

„Was in der Zukunft kommt, weiß bloß unser Herrgott und soll uns deshalb gar nicht allzu sehr erschrecken. Sorgen wir nur, dass wir selbst keine Schuld an dem Unglück in der Zukunft haben. Sehen wir nur scharf auf die Gegenwart, damit wir uns diese christlich zu Herzen nehmen und darin tun, was recht ist.“

In diesem Satz finde ich das ganze Evangelium wieder. Von der anfänglichen Ermutigung „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ bis zum letzten Satz vom anvertrauten Gut, das es gut zu verwalten gilt.

Die Zukunft vorwegnehmen heißt das Wort des Evangeliums an uns heranzulassen und wachsam zu bleiben.  Das kostbare Gut, das uns der Herr anvertraut hat, ist mehr als eine Institution, die glanzvoll zu halten ist. Es ist seine Sorge um das Wohl aller Menschen. Sie im Auge zu behalten und so die Zukunft vorwegzunehmen ist unser aller Auftrag.

Das bedeutet für mich nicht mehr und nicht weniger als täglich neu durch das Fernrohr der Frohen Botschaft zu schauen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ (Lk 12,32)

Keine Angst! Die Zusage gilt. Der Herr ist bei uns und schaut uns über die Schulter, wenn wir im Vertrauen auf den Heiligen Geist mutig neue Wege miteinander wagen. Ich sehe Papst Franziskus, der von Anfang an allem prächtigen Gehabe eine Absage erteilt hat. Ich sehe, was alles in unserer Kirche alles in Bewegung kommt, sei es der Synodale Weg oder die Bewegung Out-in-Church, um nur zwei zu nennen. Und ich höre den einfachen Satz von Adoph Kolping: „Üben wir immer reichere Liebe gegen das Volk, zeigen wir immer praktischer das Christentum, und die Gegenwart wird besser und die Zukunft immer heller werden.“ Das ist es.

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Bild: Hans auf pixabay.com