Geistlicher Impuls Bundesebene

Herr, stärke unseren Glauben

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

„Herr, stärke unseren Glauben!“

Aus all dem, was das heutige Evangelium sonst noch sagt, spricht mich dieser Satz unmittelbar an. Ja, das ist auch meine Bitte: „Herr, stärke meinen Glauben!“

Glauben, das bedeutet vertrauensvoll, getröstet, froh leben können. Aber wer kann dies? Wer von uns kann inmitten der Dunkelheiten und Bedrängnisse dieser Welt und in dem Auf und Ab und den Wechselfällen des Lebens unverzagt, getröstet und im Innersten froh leben? Wer vermag es, inmitten der Gnadenlosigkeit unserer Tage das Spiel der Gewalt, des Hasses, der Vergeltung und des bloßen Rechtes nicht mitzuspielen? Wer kann angetanes Unrecht hinnehmen in der Kraft des Verzeihens? Wer überwindet die Bosheit und die Lüge durch die Wahrheit und die Liebe? Dies alles ist eigentlich nicht unsere Art. Aber es ist die Weise des Glaubens. Darum also: „Stärke unseren Glauben. Gib mir Kraft zum Glauben!“

Wer so bittet, der lebt nicht mehr einfach in den Tag hinein. Wer um den Glauben bittet, ja, wer nach dem Glauben fragt, der bekommt es mit Jesus Christus zu tun. Denn der Glaube, nach dem gefragt wird, ist seinem Wesen nach Gottes Treue, Gottes Zuwendung, Gottes Ja.

Die Apostel bekamen es mit Jesus Christus zu tun und haben in ihm Antworten auf ihre Fragen bekommen. Sie sind über den Graben gesprungen. Sie haben getan, was auch wir alle tun dürfen. Und sie waren bekümmert über das Wenige, was ihnen als Glauben erkennbar ist. So kommen sie sich armselig und unzulänglich vor und sie bitten: „Stärke unseren Glauben.“

Sie bitten nicht um etwas, sondern um das Entscheidende.

Ist das auch unser Bitten? Begreifen wir den Glauben, also das Vertrauen zu Gott, im Blick auf Jesus Christus als das „Eigentliche“ unseres Lebens? Da stehen wir bei den Aposteln. „Herr, stärke meinen Glauben.“ Diese Bitte weist Jesus nicht ab. Und dennoch: Er verspricht Ihnen nichts. Die Menschen haben damals wohl begriffen, dass sie sich den Glauben nicht nehmen oder geben können. Glauben ist mehr, als eine Lehre redlich und gehorsam anzunehmen. Glauben heißt, unser Misstrauen in Vertrauen zu verwandeln, unsere Verkrampftheit in Aufgeschlossenheit, unser verstecktes Nein in ein offenes Ja zu Gott. Es geht im Glauben nicht um ein Annehmen dieser oder jener Auffassung, sondern um eine Wandlung unseres Wesens. Jesus spricht von dem Unmöglichen, das Gott allein vorbehalten ist. Es geht um das, was dem Menschen unmöglich ist. Vieles, was gestern unmöglich war, ist heute möglich geworden. Berge kann man abtragen, Landschaft bis zur Unkenntlichkeit verändern. Ja, wir können entsetzlich viel. Aber wir können nicht miteinander, nicht mit dem Leben, nicht mit dem Sterben fertig werden. Angesichts dieser menschlichen Unmöglichkeiten spricht Jesus dem kleinsten Glauben, mag er so groß oder so klein wie ein Senfkorn sein, die ganze Fülle der Gott offenstehenden Möglichkeiten zu.

Jesus will den Jüngern und uns sagen: Schaut doch nicht auf euren Glauben, wie groß oder wie klein er sein mag. Lasst euch nicht irremachen, wenn ihr ihn mit dem Auge fast gar nicht bemerkt. Schaut auf mich, schaut auf den Vater.

Mit der Macht Gottes zu rechnen, das ist die einzige Hoffnung, die wir in einer ratlosen, zerbrechenden Welt haben können. Aber wir dürfen sie wirklich haben! „Herr, stärke meinen Glauben!“


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