Geistlicher Impuls

Heiliger Geist, der alles verwandelt

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zu Pfingsten

"Empfangt den Heiligen Geist!", sagt Jesus seinen Jüngern, als er ihnen nach seiner Auferstehung am ersten Tag der Woche erschien. Heute, an Pfingsten, also am fünfzigsten Tag danach, kam vom Himmel her die Fülle des Heiligen Geistes über die versammelten Jünger des Herrn, damit sie durch diesen Geist verwandelt würden und als so Verwandelte mithelfen sollten an der Verwandlung der Welt.

Kann man aber diese Welt überhaupt verwandeln? Und lässt sich der Mensch darin verwandeln? Und vor allem: Lässt sich unser Herz verwandeln?

Verwandeln, also: die alte Haut abstreifen und als Neugeborene auftreten können; nicht mehr im Schema von gestern denken, sondern die Dinge anders sehen; sich selbst nicht ständig im Wege stehen, vielmehr herauskommen aus dem Eigenen und durchstarten ins Freie - wer wünschte sich das nicht insgeheim? Verwandlung war schon immer gefragt, ist aber anscheinend schwierig zu haben.

Dennoch: Es gibt Verwandlung in dieser Welt. Sie ist ein Lebensgesetz. Das gilt ebenso für den einfachsten Organismus wie für die hochkomplizierte Persönlichkeit. Das Leben wandelt nämlich seine Gestalt, nicht bloß unter Druck von außen, sondern noch mehr durch das ihm eingeschriebene Muss: Du musst dich wandeln, sonst bleibst du nicht du selbst. Und nicht nur das, sondern auch: Du musst dich verwandeln lassen, sonst wirst du nicht du selbst. Was ist das, was uns so verwandelt, dass es uns nicht zerstört?

In der Bibel und in der Kirche erscheint der Geist des Herrn als eine Kraft, die wandelt, ohne zu vernichten. Schon im Anfang schwebte Gottes Geist über dem Chaos der Urflut. Und der Atem Gottes brachte Gottes Wort hervor: Da wurde der Kosmos.

Israel selbst war auf seinem Weg ein Volk mit vielen Nöten; es war oft genug am Ende. Wenn aber der Geist des Herrn über seine Propheten und Anführer kam, erblühten ihm wunderbar Heil und Leben.

Nicht anders war und ist es mit dem Pfingstgeist. Er machte aus verängstigten Jüngern des Gekreuzigten freimütige Zeugen des Auferstandenen. Der erste unter ihnen, Simon, verlor nie ganz seine wankelmütige Art; und doch baut Christus im Heiligen Geist auf Petrus, den Felsen, das Haus seiner Kirche. Darin wohnen Menschen verschiedenster Herkunft

"Wir alle aber schauen mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn." (2 Kor 3,18) Davon ist der Apostel Paulus überzeugt.

Allerdings wirkt Gottes Geist nicht nur, wie es in Jerusalem am Pfingsttag geschah: Da fiel das Feuer plötzlich vom Himmel und verwandelte die Jünger unmittelbar. Viel häufiger verwandelt der Geist uns Menschen allmählich und im Verborgenen, wie beim Sauerteig im Trog und bei der Staude aus dem Senfkorn. Oft erkennen wir das Neue nicht, obwohl wir es schon in Händen halten, und es braucht nicht selten lange Zeit, bis uns die Augen dafür aufgehen, wieviel sich gewandelt hat. Das ist so im Entwicklungsgang des einzelnen wie auch ganzer Gruppen. Die Kirche ist davon nicht ausgenommen.

Wir haben daher allen Grund, dem Heiligen Geist auch heute zuzutrauen, dass er unsere Welt verwandelt und auch uns Christen und die Kirche. Gott macht das nicht ohne uns, und hier wird es nun kritisch: Wollen wir uns denn wirklich vom Geist des Herrn verwandeln lassen? Da regen sich Ängste und Widerstand. Ahnen wir doch mindestens irgendwie, dass Verwandlung durch den Heiligen Geist mehr als nur ein Hausputz ist.

Aber Gott ist kein Menschenfeind. Er hat uns doch erschaffen nach seinem Bild und Gleichnis: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn hergab." (Joh 3,16) Gott ist also für uns. Darum ist auch sein Geist immer menschenfreundlich. Wenn wir einem nicht misstrauen brauchen, dann unserem Gott und Vater, der im Antlitz Jesu Christi aufleuchtet und den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gab. Und vom Herzen des Menschen her, aus unserer Tiefe und Mitte, von dorther verwandelt der Heilige Geist auch uns und unsere Welt.

Vor solch einer Verwandlung sollte sich niemand fürchten. Denn "wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit"! (2 Kor 3, 17) Die Freiheit der Kinder Gottes – sie ist durch die Liebe gebunden, sie sucht sich nicht selbst.

Öffnen wir darum mit großem Vertrauen uns selbst und unsere Welt und die Kirche für die Gaben des Geistes, der alles verwandelt, "damit Gott alles in allem ist".

Gesegnete Pfingsten!


Bild: Image by Gerd Altmann from Pixabay


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