Bundesebene Geistlicher Impuls

Gottes Zusage für uns

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Der Regenbogen ist eine Naturerscheinung, die die meisten Menschen ganz positiv anspricht. In den Wolken, in denen es gerade noch bedrohlich blitzte und donnerte, aus denen es gerade noch regnete, steht nun auf einmal der Bogen mit seinen herrlichen Farben und seiner herrlichen Weite. Er ist wie ein Zeichen zum Aufatmen, wie eine Verheißung, dass die Sonne, die im Augenblick noch nicht zu sehen ist, bald wieder scheinen wird.

Vielleicht rührt dieses kleine Naturwunder uns Menschen deswegen so stark an, weil es auf eine Erfahrung hinweist, die wir aus unserem Leben kennen. Manchmal brauen sich über unserem Leben dunkle Wolken zusammen. Unglück bricht über uns herein. Ein lieber Mensch stirbt, eine Beziehung zerbricht, Hoffnungen werden enttäuscht. In solchen Augenblicken sieht man oft nur das Dunkle. Aber viele haben auch die Erfahrung gemacht, dass in diesem Dunkel nicht nur Unheil war. Manche bekommen auch die Erfahrung geschenkt, dass das Leben weitergegangen ist und sich ganz neue Perspektiven eröffnet haben. Mitten in der Not waren Zeichen des Vorankommens und Reifens erkennbar.

Dieses Bild vom Regenbogen mit seiner außerordentlichen Schönheit wird im Buch Genesis, der heutigen Lesung, aufgegriffen, um auf die Treue Gottes im Dunkel der Zeit hinzuweisen. Im Text heißt es: „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde. Balle ich Wolken über der Erde zusammen und es erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch […] und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.“ (Gen 9, 13-15)

In den drohenden Wolken der Vernichtung steht der Regenbogen als ein Zeichen, das Gott an seine Treue erinnert. Das ist das Erstaunliche, dass der Bogen zuallererst ein Mahnmal für Gott selber ist. Gott selbst erinnert sich an seinen Bund, den Menschen nicht zu vernichten. In zweiter Linie ist der Regenbogen dann ein Zeichen der Hoffnung für den erschrockenen Menschen, dass er sich und seine Zukunft der Treue Gottes anvertraut. Wenn Not und Bedrängnisse über die Menschen kommen, dann sollen sie sich, wenn sie den Regenbogen sehen, an den Bund mit Gott erinnern.

So ist der Regenbogen ein Zeichen für die machtvolle Zustimmung Gottes zu seiner Welt und zu uns Menschen. Gott will retten, verkündet dieser Bogen. Er bedeutet, dass wir uns den Himmel nicht verdienen müssen, sondern dass Gott ihn uns und allen Menschen schenken will. Gott liebt alle Menschen. Er schenkt sich allen Menschen. Von Ewigkeit her ist jeder Mensch ein Gedanke Gottes, der nicht verlorengehen soll. Gott möchte am Ende der Geschichte einmal alle Menschen in seine Arme nehmen, so wie der barmherzige Vater seinen verlorenen Sohn in die Arme genommen hat. Aus dem Herzen Gottes ist der Mensch hervorgegangen, und weil Gott mit uns Menschen etwas Unglaubliches vorhat, uns nämlich ewiges Leben zu schenken, darum hat er Unglaubliches unternommen, um uns seinen Heilswillen zu zeigen. Er ist selbst Mensch geworden und ist in seinem Sohn in den Tod gegangen, damit wir das ewige Leben haben.

Dieser Heilswille Gottes hat seine Bedeutung für Gott selber, vor allem aber für uns Menschen. Für Gott bedeutet dies eine unendliche Leidensbereitschaft. Seine Treue zur Erde und zum Menschen wird wahr in Jesus Christus, der für uns in den Tod gegangen ist. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für sie hingegeben hat. Im Bild des Gekreuzigten erkennen wir den Preis der Treue Gottes, von der alles lebt, was da ist. Gerade jetzt, zu Beginn der Fastenzeit, dürfen wir uns klarmachen, dass unser fundamentales Vertrauen in die Zukunft nicht am guten Willen einzelner Menschen hängt, sondern an der Heilszusage Gottes. Die Zukunft ist im tiefsten vertrauenswürdig: denn sie ist gut. Daran soll uns der Regenbogen, wenn wir ihn sehen, erinnern. Im Abgrund der Enttäuschung, der Schuld und des Leidens der Menschen steht Gottes Gegenwart. Dieses Vertrauen ist nötig, damit wir in den Aufgaben, in denen wir stehen, einen klaren Kopf behalten und ein mutiges Herz, damit wir nicht resignieren. Denn wenn Gott sich zum Heil für den Menschen verpflichtet, ist auch der Mensch zum Heil gegenüber der Welt und den anderen Menschen verpflichtet. Für all das steht der Regenbogen. Gottes Zusage für uns.

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Bild: Todd Cravens/Unsplash