Geistlicher Impuls

Glaube und Leben gehören zusammen.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte zum Sonntag

Die Taufe gehört zu den elementaren Vollzügen im christlichen Leben. Jeder, der Christ wird, wird getauft. Aber der Getaufte soll nicht nur etwas „für sich“ erfahren, sondern als der von Gott Gerufene steht er in einer Gemeinschaft von Glaubenden. Die Taufe stellt den Menschen in eine neue Beziehung zu anderen, und von hier aus gewinnt sein Leben neue Bezugspunkte, von hier aus ist ihm ein neuer Boden geschenkt, auf dem er stehen und sein Leben entfalten kann.

Das mag ein wenig theoretisch klingen, aber nur deshalb, weil wir den eigentlichen Sinn der Taufe oft verloren haben. Der heutige Tag, der an die Taufe Jesu erinnern will, mag uns neu Bedeutung und Praxis der Taufe bewusst machen.

Beide Texte des heutigen Tages, die Lesung aus der Apostelgeschichte und das Evangelium nach Markus, haben die Taufe zum Inhalt. Markus erzählt von der Taufe Jesu im Jordan, die Apostelgeschichte im weiteren Zusammenhang von der Taufe des Heiden Kornelius durch Petrus. Beides ist nicht dasselbe: Der Täufer Johannes hatte seine Taufe als eine Bußtaufe vor dem kommenden Zorngericht Gottes gesehen. In der Erwartung des Gerichtes Gottes ruft Johannes alle Umkehrwilligen zur Rettung auf. Jesus hatte sich in die Bewegung der Umkehrwilligen eingereiht und ging wie viele andere in die Wüste, um sich von Johannes taufen zu lassen. Damit hat Jesus die Berechtigung des Rufes zur Erneuerung deutlich unterstrichen.

Aber mit der christlichen Taufe ist doch mehr ausgedrückt. Das wird deutlich, wenn wir sehen, in welchem Zusammenhang unsere Lesung aus der Apostelgeschichte steht: Petrus lässt den Heiden Kornelius taufen und eröffnet ihm ganz neue Dimensionen für sein Leben. Mit der Taufe des Kornelius wird nicht mehr das unmittelbar erwartete Ende in Aussicht gestellt, sondern die Zeugen des Evangeliums stellen die Weichen für die Zukunft einer weltumspannenden Kirche. Darin unterscheidet sich die christliche Taufe beträchtlich von der des Johannes: Der Täufer hatte das richtende Handeln Gottes in aller Eindringlichkeit verkündet, aber keine positive Zukunftserwartung. Jesus aber hat seine Botschaft mit einem höheren Anspruch versehen und mit seiner Verkündigung Zukunft, Heil, Leben bei und mit Gott im Blick.

Es ist deshalb kein Zufall, dass die ersten Christen das Zeichen der Taufe aufgenommen und mit der Predigt Jesu verbunden haben. Sie wollten damit zum Ausdruck bringen, dass für sie in der Nachfolge Jesu und in der Gemeinschaft mit dem Auferstandenen das Leben neu geworden ist. So wie Jesus seinen Jüngern, d. h. allen, die ihm nachfolgten, die Erfahrung vermittelte, dass mit ihm das Leben gelingen könnte, so wollen auch die Christen neue Lebensperspektiven vermitteln, durch alle Zeiten, auch heute.

Die Apostelgeschichte ist etwa 15 Jahre vor der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert entstanden. Vieles, was in der Anfangszeit der Kirche umstritten war, ist schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Auf der anderen Seite wird aber auch immer mehr zur Frage, was denn eigentlich am christlichen Leben so neu sei und wann denn die Zusagen Jesu in Erfüllung gehen. Die Apostelgeschichte gibt darauf keine theoretische Antwort, sondern verweist unermüdlich auf das Wirken Jesu zurück. Christliches Leben gibt es nur im Horizont seines Lebens. Taufe ist das Hineintauchen in die Nachfolge. Als Christ leben, bleibt eine Folge des Christ-werdens. Glaube und Leben gehören zusammen – bis heute!

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Bild: biglinker auf pixabay.com