Bundesebene Geistlicher Impuls

Glaube ist nicht Nicht-Wissen, sondern besonders genau wissen.

Geistlicher Impuls des Kolping-Bundespräses Hans-Joachim Wahl zum Evangelium des Dritten Sonntags in der Osterzeit.

Liebe Kolpinggeschwister,

der Alltag hat uns wieder. Ich freue mich, dass ich mit diesem Impuls zum Sonntagsevangelium die vertraute Reihe zusammen mit Rosalia Walter fortsetzen kann. Ab jetzt wird wieder zweiwöchentlich ein Impuls zum Sonntagsevangelium von einem von uns beiden erscheinen.

Der Alltag hat auch die Jünger wieder – so verkündet es uns das Evangelium dieses Dritten Sonntags der Osterzeit. Sieben sind es, die zurück in ihren Alltag als Fischer gegangen sind. Immerhin musste die Familie ernährt werden und das Leben weitergehen. In der Zahlensymbolik des Johannes ist die Siebenzahl nicht zufällig: sie ist die Zahl dieser Welt, die Zahl der Wochentage, die unseren Alltag ausmachen.

Die Jünger gehen aber nicht einfach in den Alltag zurück. Da hat sich etwas verändert. Die Erfahrung, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist, geht auf geheimnisvolle Weise mit in den Alltag, in den sie zurückkehren. Der Bericht des Evangelisten Johannes fängt an wie ein Zusatz zu einer ohnehin schon langen Liste von Erscheinungen des Auferstandenen.

Jesus zeigt sich noch einmal – diesmal weit von Jerusalem entfernt am See Genesareth, wo die Jünger, von denen heute erzählt wird, berufen wurden: Simon Petrus, Thomas, die beiden  Söhne des Zebedäus,  Nathanael, den wir auch als Bartholomäus kennen,  und vielleicht auch die beiden ungenannten Jünger – sie alle wurden von Jesus berufen und haben seinen Weg bis zum Tod am Kreuz begleitet. Jetzt bricht die Erfahrung von Ostern fast zweihundert Kilometer von Jerusalem entfernt in ihren Alltag ein: nach einer erfolglosen Nacht werfen sie auf sein Wort hin die Netze noch einmal aus und werden reich beschenkt.

Schließlich reicht er ihnen Brot und Fisch. Diese schlichte Geste reicht, um den Jüngern Gewissheit zu schenken. Sie brauchten nicht mehr zu fragen. „In der Gegenwart des auferstandenen Herrn wurde der Unterschied zwischen Wissen und Nichtwissen, Anwesenheit und Abwesenheit, Offenbarung und Verborgenheit überstiegen.“, so sagt es der geistliche Schriftsteller Henri Nouwen in seinem Buch „Jesus. Eine Botschaft, die Liebe ist.“

Einmal mehr wird deutlich: Glaube ist nicht Nicht-Wissen, sondern besonders genau wissen. Diese Gewissheit des Herzens kann nicht herbeigeredet und schon gar nicht befohlen werden – sie wird denen geschenkt, für die der auferstandene Herr zum Alltag gehört, weil sie mit Petrus sagen können: „Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebhabe.“

In diesen Tagen wird unser Alltag durch die drohende Gegenwart des Krieges in der Ukraine geprägt. Alle Bemühungen um Frieden scheinen erfolglos zu versanden. Mit eindrucksvollen Taten der solidarischen Verbundenheit zeigen wir nicht nur den Kolpinggeschwistern in der Ukraine, dass wir einander nahe sind und mit ihnen den Frieden herbeisehnen.

Der auferstandene Herr lässt die Jünger in der Erfolglosigkeit nicht allein. Er bietet ihnen einen Neuanfang an: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Er bleibt im System, da kommt kein Zauberspruch, es wird nichts Außergewöhnliches verlangt, und das Wunder geschieht. Gerne nehme ich dieses Evangelium als Ermutigung für uns, nicht nachzulassen oder auszusteigen, sondern mit einer einfachen Alternative und mit Vertrauen darauf, dass der Auferstandene uns begleitet, unseren Alltag neu zu gestalten.

Dann können uns Erfahrungen geschenkt werden, wie sie die Jünger machen durften: jene Gewissheit, die den Glauben ausmacht: dass ich weiß, wem ich glaube und auf wessen Wort hin ich den Einstieg in den Alltag wage.

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Foto: pixabay.com