Das Bild zeigt den Heiligen Liborius thronend vor den Kathedralen von Paderborn und Le Mans. Es handelt sich um eine Darstellung aus dem Fenster des Paderborner Domturmes.

Bundesebene Geistlicher Impuls

"Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."

Geistlicher Impuls zur Bischofsweihe von Bundespräses Josef Holtkotte von Rosalia Walter, Geistliche Leiterin des Kolpingwerkes Deutschland

Die Freude im Kolpingwerk Deutschland über die Ernennung unseres Bundespräses Josef Holtkotte zum Weihbischof im Erzbistum Paderborn ist groß.

Bei aller Freude gibt es allerdings auch gemischte Gefühle. Was wird heute mit dem Bischofsamt in Verbindung gebracht? Welche Assoziationen sind mit dem Wort Bischof verknüpft?

Die Zeiten der Überhöhung des Bischofsamtes als Exzellenzen und Hochwürdigste Herren sind größtenteils vorbei. Heute herrscht eher ein Generalverdacht bezüglich Machtausübung und Amtsführung. Der Spannungsbogen an Erwartungen und Wünschen ist sehr groß. Einerseits hat im Bild der Öffentlichkeit der Bischof alle Macht in seiner Hand. Er ist der Herr in seiner Diözese und kann schalten und walten, wie er will. Andererseits scheint es häufig, dass genau diese Macht missbraucht wird. Und doch erhebt ein schönes Pontifikalamt mit Glanz und Glorie noch so manches katholische Herz.

Dieses Spannungsfeld im Wandel des Bischofsbildes erleben wir auch in Bezug auf das heutige Priesterbild. Um dies zu verstehen, ist es gut, in der Geschichte nachzuschauen. Papst Franziskus sagt: „Wir erleben nicht eine Ära des Wandels, sondern einen Wandel der Ära.“

Papst Franziskus spricht von der konstantinischen Ära, die zu Ende geht. Im Jahr 313 wurde durch Kaiser Konstantin das bis dahin verbotene und verfolgte Christentum zunächst dem römischen Götterkult gleichgestellt und wenig später von Theodosius I. zur alleinigen Staatsreligion erklärt. Dadurch wurde das Heidentum entwertet. Plötzlich war es nützlich, Christ zu sein. Deshalb strömten die Massen nun in die Kirche. Die Kirche wandelte sich damit grundsätzlich.

Bestand die Kirche vorher aus Bekennern und Märtyrer, kamen jetzt auch viele lasche und gedankenlose Mitläufer in die Kirche. Dies führte dazu, dass die Bekennenden, die wirklich glauben wollten, sich von den Mitläufern trennten und sich selbst die Geistlichen nannten. Sie meinten es ernst mit ihrem Versuch, im Geist Christi zu leben, und der Titel (Geistliche) den sie sich zulegten, gewann hohes Ansehen und einen anspruchsvollen Klang. Sie übernahmen häufig das Amt des Gemeindeleiters, des Bischofs und des Priesters. Und so kam es, dass man schließlich nur noch die Amtsträger Geistliche nannte. Es entstand der Eindruck, dass nur die Geistlichen den Heiligen Geist besitzen. Daraus entwickelte sich die Klerikalisierung und die Rollenverteilung Kleriker – Laien.

Das II. Vatikanische Konzil stieß ein Umdenken an. Es hat die Tatsache des allgemeinen Priestertums aller Getauften wieder deutlich ins Bewusstsein gerückt. Als Getaufte und Gefirmte haben alle den Geist Christi empfangen, deshalb sind wir alle Geistliche mit je eigenen Charismen. Jeder hat den Geist auf seine Weise empfangen, durch Christus den Herrn, denn im Volk Gottes geschieht die christliche Grundberufung durch die Taufe. Die Weihe erhöht die christliche Berufung nicht. Der Geweihte hat keine höhere Würde, denn die Weihe ist (nur) eine der verschiedenen Aufgaben im Volk Gottes. Die Pastoralkonstitution „Lumen Gentium“ (LG 32) betont: „Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi...“

Wenn wir auf diesem Hintergrund das Priester- bzw. das Bischofsbild betrachten, ist Freude über die Berufung zum Bischof selbstverständlich. Es gibt in der Kirche kein „oben“ und „unten“. Der Bischof muss nicht überhöht, aber auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, nur weil er seine Aufgabe im Volk Gottes ausübt. Über die Aufgabe, Bischof zu sein, sagt Augustinus: „Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil.“

Eine Bischofsweihe kann jeden Getauften daran erinnern, dass auch er den Geist Christi erhalten hat. Es ist Aufgabe jedes Christen, zu erkennen, was gerade seine Berufung ist. Jeder muss selbst hinsehen, urteilen und dann handeln und Verantwortung übernehmen, denn im Volk Gottes hat jeder seine eigene Berufung.


Bild: Soemling

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